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Konzert / Archiv | Beitrag vom 28.03.2021

Blech- und Schlagzeugsektion des DSO BerlinAllerlei Himmlisches

Moderation: Volker Michael

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Ein Susaphon unter freiem Himmel (IMAGO/CHROMORANGE)
Ein Susaphon unter freiem Himmel (IMAGO/CHROMORANGE)

Wenn die Trompeten erschallen, stürzen Mauern ein und öffnet sich der Himmel. Mitglieder des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin erinnern in einem vielfältigen Programm an die große Kraft und Poesie der Musik für Blechblas- und Schlaginstrumente.

In einem Ensemblekonzert begeben sich die Mitglieder der Blechbläser- und Schlagzeugsektion des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin auf eine Erkundungstour durchs Land der Fanfaren, der Lieder und Reflektionen. Dabei streifen sie die Unterhaltungsbranche, machen Station in der Volksmusik und landen schließlich in den sakralen Welten von Johann Sebastian Bach und der spirituellen Liturgie.

Musiker schreiben ihr eigenes Repertoire

Die meisten Komponisten dieses Programms waren selbst praktizierende Musiker, zumeist auf Blechblasinstrumenten - einzige Ausnahme ist die niederländische Komponistin Saskia Apon, die Harfe studiert hat und sich inzwischen als Arrangeuerin für Blechblasinstrumente einen Namen gemacht hat. Ihr Posaunenquartett ist eine nachdenkliche und transparent-sinnliche Komposition.

Emotionen für das Horn

Ebenfalls auf eine große emotionale Bandbreite legte Jan Koetsier Wert in seinen Fünf Miniaturen für Hornquartett. Der Dirigent, Arrangeur und Komponist ist bekannt vor allem für seine Werke für Blechbläser, dabei ist sein Schaffen gar nicht so sehr darauf spezialisiert. Koetsier stammte ebenfalls aus den Niederlanden, lebte aber die meiste Zeit in Deutschland, davon viele Jahrzehnte in München. 

Der junge Komponist sitzt an einem Schreibtisch, er hält in der einen Hand einen Stift, mit dem er schreibt, mit der anderen eine Pfeife. (IMAGO/Everett Collection)Der Komponist Samuel Barber 1938 (IMAGO/Everett Collection)

Zwei große Komponisten religiös fundierter Musik kommen indirekt in diesem Programm zu Wort - Johann Sebastian Bach in den "Mutations from Bach" von Samuel Barber. Mit Choralzitaten und Auszügen aus Instrumentalmusik des Thomaskantors spickt Barber seine vielstimmigen "Mutationen", ein tiefernstes Werk voller Respekt für ein großes Vorbild.

Nicht viel anders behandelt Enrique Crespo den Komponisten Anton Bruckner. In seiner Bruckner-Etüde lässt der Posaunist und Gründer des Ensembles "German Brass", der im Dezember 2020 gestorben ist, die typischen Charakterzüge der "himmlisch-ernsten" Musik Bruckners in erhabenem Glanz erstrahlen.

Fans mit Blech

Eingefleischte Fans haben es nie geglaubt und zweifeln bis heute daran: Elvis ist 1977 gestorben. Mit dem Phänomen eines Rockidols setzt sich der US-amerikanische Trompeter und Komponist Jon Nelson auseinander. Sein "Song für einen toten König" reflektiert musikalisch mitreißend und textlich durchaus auch ironisch die Nachwirkungen des Lebens eines einflussreichen Entertainers.

Eine Briefmarke zeigt den Musiker Elvis Presley (IMAGO/agefotostock)Elvis Presley war Musiker und wurde zum Kult- und Kunstobjet. (IMAGO/agefotostock)

Der gestrenge 12-Töner Arnold Schönberg konnte auch Hollywood-mäßig schreiben, das allerdings nur für die Zeitspanne einer guten Minute.

Schönberg einmal anders

Ein Geschenk für den Dirigenten Leopold Stokowski war die Fanfare für ein Konzert in der Hollywood-Bowl, einer riesigen Freilichtbühne in Los Angeles. Das Werk hat Schönberg nicht einmal vollendet. In diesem Konzert steht es als "Vorhang-Öffne-Dich"-Stück für den König der Rockmusik.

Repertoire zum Mitsingen kommt in diesem Fall aus Berlin mit der Suite aus der "Dreigroschenoper" Kurt Weills in der Einrichtung für Blechbäserquintett von Karl Kramer und mit drei melodisch süffigen schwedischen Liedern in der Einrichtung für Soloposaune und Posaunenensemble von Lars Karlin.

Höhere Wahrheiten verkündet

Zielpunkt sind die "Liturgischen Fanfaren" aus der Oper "Miguel Mañara" von Henri Tomasi, ein beeindruckend feierlicher Ausschnitt aus einer wenig bekannten Oper des südfranzösischen Komponisten. Der Wüstling Miguel Mañara erlebt nach Reue und Trauer um eine geliebte Frau seine spirituelle Rettung.

Er wird Priester, kann einen kranken Menschen gesund machen und geht schließlich in den Himmel ein. In diesem "Saulus wird zum Paulus"- Erlebnis, von Tomasi in der Zeit des 2. Weltkrieges komponiert, erhalten die Blechblasinstrumente ihre klassische Rolle zugeschrieben - die der Himmelsöffner und Verkünder von höheren Wahrheiten.

Großer Sendesaal im Haus des Rundfunks Berlin
Aufzeichnung vom 27. März 2021

Alexander Tscherepnin
Fanfare

Kurt Weill
Suite aus der "Dreigroschenoper" (bearbeitet von Karl Kramer)

Saskia Apon
Posaunenquartett Nr. 1

Arnold Schönberg
"Fanfare for a Bowl Concert" nach Motiven aus den "Gurre-Liedern"

Jon Nelson
Song for a Dead King

Jan Koetsier
Fünf Miniaturen für vier Hörner

Samuel Barber
Mutations from Bach

Per-Erik Moreaus/Håkan Norlén/Oskar Lindberg
Three Swedish Songs (arrangiert von Lars Karlin)

Enrique Crespo
Bruckner-Etüde für das tiefe Blech

Henri Tomasi
Fanfares Liturgiques aus der Oper "Miguel Mañara"

Mitglieder des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin:
Bora Demir, Paolo Mendes, Ozan Çakar, Barnabas Kubina, Georg Pohle, Joseph Miron, Antonio Adriani, Sarah Ennouhi, Horn
Bertold Stecher, Joachim Pliquett, Raphael Mentzen, Matthias Kühnle, Trompete
András Féjer, Andreas Klein, Susann Ziegler, Rainer Vogt, Tomer Maschkowski, Posaune
Johannes Lipp, Tuba
Erich Trog, Jens Hilse, Pauken
Roman Lepper, Henrik Magnus Schmidt, Thomas Lutz, Schlagzeug
Leitung: Jonas Bylund

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