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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 17.03.2018

BiografienWer über sich schreibt, der bleibt

Moderation: Matthias Hanselmann

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(imago stock&people)
Beliebtes Genre: Biografien. Hier in einer Abteilung einer Buchhandlung in Kopenhagen. (imago stock&people)

Biografien gehören zu den beliebtesten Büchern. Wir diskutieren mit Stefan Kappner, der einen Biografie-Service betreibt, und mit Literaturjournalist Kolja Mensing, was die Faszination dieser Lebenserinnerungen ausmacht. Und: Wie kann man seine eigene Biografie schreiben?

Karl Ove Knausgårds Mammutwerk "Kämpfen", Joachim Meyerhoffs Romanzyklus "Alle Toten fliegen hoch", Wibke Bruhns Familiengeschichte "Meines Vaters Land" oder Bruce Springsteens Erinnerungen "Born to Run" – sie alle sind biografische Bestseller, in denen die Autorinnen und Autoren entweder ihr eigenes Leben literarisch verarbeiten oder das ihrer Familie. 

"Ich bin Knausgård-süchtig", gesteht Kolja Mensing, Literaturredakteur bei Deutschlandfunk Kultur. "Als ich die ersten Seiten von 'Sterben' gelesen habe, dem ersten Roman seiner sechsbändigen Reihe 'Min Kampen', war mir sofort klar: Das. Muss. Ich. Alles. Lesen. Sofort. So ein Leseerlebnis hatte ich lange nicht mehr gehabt, vielleicht noch nie: Ein Roman, in dem ein Schriftsteller vorgibt, auf jede fiktionale Barriere zu verzichten und mich Wort für Wort, Satz für Satz, immer tiefer in sein Leben, in seinen Alltag hereinholt."

Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård sitzt am 02.10.2015 vor einem Hotel in Berlin. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård landete mit seinem autobiografischen Romanzyklus "Min Kampen" einen Bestseller-Erfolg. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der Erfolg der Biografien erkläre sich auch durch die wachsende Sehnsucht nach Authentizität: "Wir leben in einer Welt, in der wir auf allen Ebenen – vom Werbe-Pop-Up auf dem Tablet bis hin zur Netflix-Serie in unserem Wohnzimmer – mit verführerisch gemachten Fiktionen konfrontiert werden. Und vielleicht liegt gerade darum zur Zeit eine Literatur so hoch im Kurs, die auf Echtheit setzt - oder zumindest mit diesem Label spielt."

Biografien selbst verfassen

"Wir sind Geschichten, wir sind unsere Erinnerung", sagt der Autor und Biograf Stefan Kappner. Er schreibt die Lebensgeschichten anderer Menschen auf oder unterstützt sie, ihre Autobiographie selbst zu verfassen. "Jede Kindheit, jeder Start ins Leben hat seine Besonderheiten. Auf dem Bauernhof oder in der Familienvilla. Die Familiengeschichte prägt den Heranwachsenden, die große Geschichte macht den Sehnsüchten und Wünschen nicht selten einen Strich durch die Rechnung. Wie verdiente man seinen Lebensunterhalt? Welche Liebesgeschichte scheiterte — oder dauert bis heute an? Welche Niederlagen mussten überwunden werden? Welche Siege wurde gefeiert? Wie viel Mühe und Erkenntnis, Kraft und Liebe steckte in diesem Menschenleben?"

Erinnerungen für Kinder und Enkel

Immer mehr Menschen hätten das Bedürfnis, ihr Leben schriftlich festzuhalten, auch für ihre Kinder und Enkel. Diese Erinnerungen seien wichtige Puzzlestücke der großen Geschichte: "Man kann die ganze Zeitgeschichte der Bundesrepublik nachvollziehen durch Erinnerungen."
Jedes Leben, so der Biograf, lohne sich zudem, erzählt zu werden. "Wer von sich erzählt und von sich schreibt, verdient Anerkennung und Wertschätzung — ganz unabhängig vom Marktwert des Geschriebenen."

Wer über sich schreibt, der bleibt - darüber diskutiert Matthias Hanselmann von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Stefan Kappner und Kolja Mensing. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.


Informationen über Stefan Kappner

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