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Kompressor | Beitrag vom 29.10.2019

Biografien in BildernWenn Comics Kunstgeschichte schreiben

Henry Keazor im Gespräch mit Max Oppel

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Zwei gezeichnete Männer stehen sich gegenüber, der eine jung, der andere alt. Letzerer hält ein Messer. (Reprodukt/Julie Birmant/Clément Oubrerie)
"Pablo" ist ein vierbändiges Werk über das Leben des Malers Pablo Picasso. (Reprodukt/Julie Birmant/Clément Oubrerie)

Während Erwachsene inzwischen schamfrei Comics lesen können – zumindest solange sie Graphic Novels heißen –, hat die Kunstgeschichte das Medium Comic stets ignoriert. Bis jetzt.

Kleine Bildchen, bunte Farben, Wörter in Sprechblasen ­– das ist doch Kinderkram und keine Kunst! So oder so ähnlich schaute die Wissenschaft der Kunstgeschichte bisher auf Comics und Graphic Novels. Doch während die Kollegen einen großen Bogen um die Bildergeschichten machen, hält der Professor Henry Keazor an der Universität Heidelberg nun ein ganzes Seminar über sie ab.  

Über Kunstgeschichte reflektieren

"Die Kunstgeschichte ist eine langsame und konservative Disziplin, was ihre Methoden angeht", erklärt Keazor die bisherige Abneigung seiner Zunft gegenüber Comics. Dabei könne die Kunstwissenschaft einiges gewinnen, wenn sie sich mit Comics beschäftige. Insbesondere mit solchen, die Biographien großer Künstler zum Thema machten.

Auszug aus dem Comic "Pablo" über das Leben des Pablo Picasso. (Reprodukt/Julie Birmant/Clément Oubrerie)"Man hat eine ganze Bandbreite an Stilen: Von unglaublich naturalistisch bis total abbrevierten, fast schon abstrakten Comics." (Reprodukt/Julie Birmant/Clément Oubrerie)

"Comics bieten die Möglichkeit, alternative Lebensberichte zu liefern und über Kunstgeschichte zu reflektieren", so der Professor. Das führe zu "interessanten Überlegungen im Hinblick darauf, wie wir eigentlich Kunstgeschichte schreiben und was Eingang findet."

Ein Genre im Aufwind

Von den 1960er-Jahren, in denen bereits ein Comic über das Leben des Architekten Le Corbusier erschien, bis heute habe sich vieles verändert, so Henry Keazor. Der Professor ist sich sicher: Das Genre der Künstlerbiographie als Comic befindet sich im Aufwind. "Man hat eine ganze Bandbreite an Stilen: Von unglaublich naturalistisch bis total abbrevierten, fast schon abstrakten Comics." Und Keazor versichert: "Da wird noch mehr kommen, auf das wir uns freuen können."

(rod)

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