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Kompressor | Beitrag vom 07.11.2018

Biografie "Jonathan Meese 1970 – 2023"Ein Leben im Spiegelkabinett

Robert Eikmeyer und Doris Mampe im Gespräch mit Gesa Ufer

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Der Künstler Jonathan Meese in der Austellung "The Men who fell from Earth", Kunsthaus Stade, Stade/Hamburg (picture alliance / dpa / Eventpress MP)
Ein Mann, der sich als Kunstfigur stilisiert: Der Künstler Jonathan Meese (picture alliance / dpa / Eventpress MP)

Wie sich eine Persönlichkeit in eine Kunstfigur verwandelt, das zeigt die Biografie "Jonathan Meese 1970 – 2023". Dafür haben ein Kunstwissenschaftler und Meeses Managerin den ungewöhnlichen Künstler befragt – und ihm eine Art Spiegelkabinett gebaut.

Ihre Autorschaft sei ganz anders, als man das im herkömmlichen Sinne kenne, sagt der Kunstwissenschaftler Robert Eikmeyer über die Biografie "Jonathan Meese 1970 – 2023", die er gemeinsam mit Meeses Managerin Doris Mampe verfasst hat und die mit dem Geburtsjahr des Künstlers beginnt. Das Buch ist nun im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen. "Es ist kein Werk, sondern eine Komposition", sagt er. "Wir haben versucht, eine Art Spiegelkabinett zu bauen, wo viele Stimmen zu Wort kommen, wo die Person Jonathan Meese sich gebrochen selber spiegelt und von anderen gespiegelt wird."

Dabei arbeiten beide seit Jahren mit einem Mann zusammen, der sich vor allem als einer Kunstfigur stilisiert zusammen, meint Mampe. Doch Meese habe in den letzten Jahren gelernt "umzuschalten". "Aber am Anfang meiner Beschäftigung mit ihm habe ich es sehr oft nur mit der Kunstfigur zu tun gehabt", sagt sie. Meese hat wenig Interesse daran, viel von sich hinter der Fassade preiszugeben. Gegen eine Art Biografie spräche das aber ganz und gar nicht: "Wir erzählen ja nicht die Entwicklung einer Persönlichkeit", sagt Eikmeyer, "sondern wie sich eine Persönlichkeit in eine Kunstfigur verwandelt: Wir erzählen die Verwandlung der Person Jonathan Meese in Meese, in den 'Metabolischen', die 'Ameise der Kunst'." Natürlich gäbe es den privaten Meese, sagt Eikmeyer. Jedoch: "Der ist nett, der ist sympathisch. Aber er ist genauso eine Maske wie alle anderen Masken, die er aufzieht."

Die wichtigen Stationen Meeses nachgezeichnet 

Cover des Buches "Jonathan Meese: 1970-2023" von Robert Eikmeyer und Doris Mampe (Verlag der Buchhandlung Walther Koenig)Cover des Buches "Jonathan Meese: 1970-2023" von Robert Eikmeyer und Doris Mampe (Verlag der Buchhandlung Walther Koenig)In vier großen Interviews diskutieren beide die vier großen Stationen im bisherigen Leben Meeses. Im Prozess merkten beide schnell, dass sie aus diesen Interviews keine große Geschichte nacherzählen können. Daraus entstand die Idee, Meese seine Geschichte einfach selbst erzählen zu lassen. Im Buch kombinieren sie das mit Texten, die über Meese geschrieben wurden.

"Für mich war sehr überraschend zu sehen, dass die Strategien, die er heute als Künstler für sich nutzt, einen sehr frühen Anfang haben - nämlich bereits in seiner frühen Kindheit", erzählt Mampe. Meese haben seinen Weg sehr stringent verfolgt und dieser Weg habe ihn fast zwangsläufig zur Kunst gebracht. Dabei übersetze er alles um sich herum in seine Arbeit als Künstler. "Und in diesem Raum ist für ihn alles möglich", ergänzt Eikmeyer. "Da wird nur gespielt!"

(inh)

Robert Eikmeyer/ Doris Mampe: Jonathan Meese 1970 - 2023 oder: Mach dich unwählbar
Text in deutscher und englischer Sprache
Verlag Walter König, Köln 2018
500 Seiten, 19,80 Euro 

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