Bill Fay: "Still Some Light, Part I und II"

Privataufnahmen eines Spätentdeckten

08:38 Minuten
Bill Fay singt im Studio
Bill Fay erlebte erst im Alter Erfolge als Musiker. Ein wichtiger Faktor war Jeff Tweedy und dessen Band Wilco. © Steve Gullick
Von Christoph Reimann · 20.05.2022
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Der britische Musiker Bill Fay hat zwei Karrieren: Die eine verglühte nach zwei unbeachteten Alben in den 70er-Jahren, die zweite begann in den 90ern, als er wiederentdeckt wurde. Nun sind seine Demos neu aufgelegt worden.
Bill Fay fällt in die Kategorie „Erst vergessen, dann wiedergefunden“. Zwei Alben hat er Anfang der 70er-Jahre herausgebracht. Aber wissen wollte davon so gut wie niemand etwas, erst später wurde er entdeckt und gefeiert.
Nun sind Demoversionen beziehungsweise Home Recordings von Bill Fay auf den Compilation-Alben „Still Some Light, Part I & II“ neu aufgelegt worden. Auf dem ersten Teil sind Demoversionen von Songs der beiden Alben aus den 70er-Jahren, "Bill Fay“ und „Time Of The Last Persecution“, auf dem zweiten Home Recordings aus den Nullerjahren.

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Die beiden ersten Alben des Briten waren musikalisch kleine Offenbarungen: Bill Fay hat gesungen wie einer, der schon wusste, dass das Leben Tücken bereithält für ihn. Die Songs sind geprägt von einer großen Melancholie, man hört Bill Fay am Klavier, man hört sehr englisches Songwriting: Es ist sehr ausgeklügelt, es gibt Songs mit Rockband und Aufnahmen mit Orchester. Allerdings verkauften sich die Alben nicht gut.

Zweite Karriere in den 90er-Jahren

Nach dem kommerziellen Desaster zog sich Bill Fay aus dem Musikbusiness zurück: Er war enttäuscht von der Welt, von der er, geht man nach seiner Musik, wohl nie sonderlich überzeugt war. Ein Song auf „Time Of The Last Persecution“ hieß „Pictures of Adolf Again“, in dem er prophezeit, ein Tyrann werde zurückkehren.
Bill Fay klingt wie ein großer Zweifler, der Halt sucht in der Religion, aber ohne ein Eiferer zu sein.

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In den 90er-Jahren wurde Bill Fay wiederentdeckt. Großen Anteil daran hatte Jeff Tweedy. Der Songwriter und Bandleader spielte mit seiner Gruppe Wilco in dieser Zeit auf Tour wiederholt einen Song von Bill Fay, Fay selbst war auch mal mit auf der Bühne.
Beides half: Die alten Platten von Bill Fay wurden 1998 wieder herausgebracht. Und die Wiederveröffentlichung gab Fay Mut, weitere Alben zu veröffentlichen. Das jüngste Album „Countless Branches“ erschien 2020.
Ganz aufgehört mit dem Musikmachen hatte er ohnhin nie, aber er hatte nicht mehr den Anspruch gehabt, seine Musik auch zu verkaufen.

Rohe Aufnahmen aus den 70er-Jahren haben Bedeutung

Die Wiederveröffentlichung auf "Still Some Light, Part I & II" zeigt allerdings: Es ist nicht alles genial, was Fay gemacht hat. Bei den Home Recordings auf „Still Some Light, Part II" experimentiert Bill Fay mit Elektronik und Synthesizern – die Lieder aus den Nullerjahren sind kitschig.
Großartig dagegen ist der erste Teil, "Still Some Light, Part I": Das Rauschen des Aufnahmebandes, der manchmal windschiefe Gesang, das Zerren des Mikrofons – das gibt dem Ganzen etwas Rohes, existenziell Bedeutendes, etwas, das die späteren, glatteren Aufnahmen vermissen lassen.

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