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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.12.2018

Bilanz: Ein Jahr "Pro Quote Bühne"Sichtbarmachung des Klüngels

André Mumot im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Frau mit erhobener Faust (imago )
Der Verein "Pro Quote Bühne" setzt mit Zahlen und Fakten die Geschlechterungerechtigkeit in Theatern auf die Tagesordnung. (imago )

Vor einem Jahr wurde der Verein "Pro Quote Bühne" gegründet, um an den Geschlechterverhältnissen an Theatern zu rütteln. Auf die Zahlen habe dies zwar kaum Auswirkungen gehabt, dafür sei aber Bewusstsein für das Thema geschaffen worden, so unser Kritiker.

Unser Theaterkritiker André Mumot berichtet im Deutschlandfunk Kultur, dass im ersten Jahr seines Bestehens die Sichtbarmachung der Ungleichbehandlung von Frauen am Theater und auf deutschen Bühnen für den Verein "Pro Quote Berlin" entscheidend gewesen sei.

Mittlerweile sind die Opernhäuser und das Schauspiel in Berlin dazu verpflichtet, in ihren jeweiligen Jahresberichten die Zahl der Regisseurinnen, Autorinnen und auch Dirigentinnen anzugeben. Der Verein hat also in diesem Jahr diese Schieflage aufgezeigt und ein Bewusstsein für das Thema Gleichberechtigung geschaffen.

Konkrete Entscheidungen sind nötig

Doch an den Zahlen hat dies nicht viel verändert. Denn auch wenn die Regieassistenzposten zu 51 % an Frauen gingen, führten die Männer mit 70% im Anschluss Regie. Hier sei, erklärt Mumot, das Missverhältnis besonders offensichtlich, "weil Frauen da wären, die Regie führen könnten, aber nicht besetzt werden".

Insofern seien ganz konkrete Entscheidungen nötig: also die bewusste Suche nach Regisseurinnen. Dieser Suche stünden aber die gewachsenen, hierarchischen Strukturen im Theater im Wege, so Mumot weiter, weil hier Entscheidungen sehr gerne im Klüngel getroffen würden.

Gender-Pay-Gap höher als im Durchschnitt

Wie Mumot berichtet, fällt der Gender-Pay-Gap in diesem hochsubventionierten Bereich sogar noch höher aus als in anderen Teilen der Arbeitswelt in Deutschland. Regieassistentinnen bekommen demnach 45 % und Schauspielerinnen 46% weniger als ihre männlichen Kollegen. In der freien Szene ist die Lage zwar insgesamt besser, doch das liegt nach Mumots Ansicht daran, dass hier grundsätzlich weniger Geld zu verteilen ist.

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