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Fazit | Beitrag vom 25.10.2018

Biennale Venedig 2019Spiel mit Identitäten im deutschen Pavillon

Franciska Zólyom im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Das Bild zeigt die Künstlerin Natascha Süder Happelmann mit einer Steinskulptur auf dem Kopf, die ihr Gesicht verbirgt, und ihre Sprecherin Helene Duldung. (Jasper Kettner)
Die Künstlerin Natascha Süder Happelmann, rechts im Bild, mit ihrer Sprecherin Helene Duldung. (Jasper Kettner)

Ein falscher Name und ein Stein als Kopf - der erste Auftritt der Künstlerin, die den deutschen Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig 2019 gestalten wird, war besonders, aber auch typisch. Denn Natascha Sadr Haghighian spielt ständig mit Identitäten.

Die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian gestaltet den deutschen Pavillon auf der Kunst-Biennale in Venedig 2019. Für diese Aufgabe hat sie sich einen neuen Namen zugelegt: Natascha Süder Happelmann. Zur Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin erschien sie mit einer Steinskulptur auf dem Kopf, die ihr Gesicht verbarg.

Ein anderer Name, ein verhülltes Gesicht, das alles diene dazu, neue Räume aufzumachen und diese zu denken, sagte die Kuratorin des deutschen Pavillons 2019, Franciska Zólyom, im Deutschlandfunk Kultur.

"Wie wir Dinge benennen, umschreiben und bezeichnen, definiert sie auch und bringt sie in eine bestimmte Rolle." Bestimmte Namen gäben Künstlern zusammen mit dem, was das Publikum damit verbinde, einen bestimmten Wert.

Künstlerin provoziert Verunsicherung

Auch die Gesichtsverhüllung, eine Steinplastik, diene dazu, eine Verunsicherung oder Mischform herzustellen. Die Künstlerin setze sich zu etwas in Bezug, das sich schwer einordnen lasse. Sie "zeichnet damit einen Raum auf, und wenn man diesen Raum denkt, dann kommt Bewegung und Spiel in die Sache, und das ist das Zeichen, was wir damit setzen möchten", sagte Zólyom.

Ein Projekt der Künstlerin ist zum Beispiel die Online-Plattform bioswop.net, auf der Künstler Biografien tauschen und selbständig zusammenstellen können. Eine weitere Arbeit sei das Werk "pssst Leopard 2A7+", angelehnt an die Bezeichnung des in Deutschland produzierten Panzers.

Dieser werde zur Befriedung im urbanen Raum in Krisengebieten eingesetzt. Die Künstlerin habe die Größe des Gefährts dadurch erfahrbar gemacht, indem sie eine entsprechende Fläche mit Paletten und darauf Legosteinen in einem Raum ausgelegt habe. Die Besucher können sich auf die Plattform setzen und über Kopfhörer Panzer-Klängen lauschen.

Natascha Sadr Haghighian, pssst LEOPARD 2A7+, 2013–ongoing. Ausstellungsansicht ACCENTISMS, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2017 (Günter Kresser)Die Installation "pssst Leopard 2A7+" von Natascha Sadr Haghighian. (Günter Kresser)

Details über die Arbeit, die im deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale 2019 in Venedig zu sehen sein wird, konnte die Kuratorin noch nicht verraten. Ein Thema der Künstlerin seien aber offene Geheimnisse, wie man darüber spreche und welche Konsequenzen dies zeitige.

Die Arbeit für den Pavillon sei eine Fortsetzung und ein Weiterdenken dieser Themen. "Nämlich, wie man offene Geheimnisse adressiert, wie man Menschen dazu aktiviert, sich anders in Bezug zu setzen zu Realitäten, die sie erleben und diese Realitäten auch zu gestalten", sagte Kuratorin Zólyom.

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