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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 27.08.2016

BewegungTanzen als Weg zu sich selbst

Gäste: Tangolehrerin Heidi Schumacher und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Gunter Kreutz

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Ein Paar tanzt im Jahr 1939 im Savoy Club in Harlem, New York, den Swingtanz Lindy Hop. (imago/United Archives International)
Ein Paar tanzt im Jahr 1939 im Savoy Club in Harlem, New York, den Swingtanz Lindy Hop. (imago/United Archives International)

Tanzen polarisiert: Entweder man tut es leidenschaftlich oder man lehnt es ab. Tangolehrerin Heidi Schumacher und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Gunter Kreutz erzählen in unserer Sendung, warum man einfach tanzen muss.

"Im Tanz erfahren wir Dinge über uns, die wir sonst nie erfahren würden",

sagt Heidi Schumacher. Sie ist einst nicht nur dem Tango verfallen, sondern auch ihrem Mann, einem leidenschaftlichen Tangotänzer – einem "Porteño", gebürtig aus Buenos Aires. Seit fast 20 Jahren geben die beiden Tangokurse, zunächst in Mainz, mittlerweile in Berlin. Eines ihrer Angebote: Tango am Arbeitsplatz; dafür kooperieren sie mit Firmen und Verwaltungen.

Die Tangolehrer Heidi Schumacher und ihr Mann Julián Rojo tanzen argentinischen Tango. (privat)Heidi Schumacher und ihr Mann Julián Rojo tanzen argentinischen Tango. (privat)

Jenseits des Spaßes, gebe es keine bessere Gesundheitsvorsorge:

"Tango ist die perfekte Rückenschule. Man braucht eine perfekte Haltung, um aus dem Rücken die Energie zu senden."

Rollator-Tanz ist Trend

Heidi Schumacher ist aber auch Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes ADTV. Hier werden Tanzlehrer- und Pädagogen ausgebildet für den Unterricht von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter.

Der neueste Trend: Rollator-Tanz für ältere Tanzbegeisterte.

"Das ist eine riesige Zielgruppe; wir kommen gar nicht nach mit dem Schulungsangebot. Wenn von den zwei Millionen Rollatoren-Nutzern nur jeder einhundertste in einen Kurs gehen würde, bräuchten wir an die 1000 Lehrer. Derzeit haben wir an die 200 Haupt – und ehrenamtliche Ausbilder in den Einrichtungen."

Eine Dame unterrichtet in einem Altenheim eine Gruppe Senioren beim Tanzen.  (picture-alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)Eine Dame unterrichtet in einem Altenheim eine Gruppe Senioren beim Tanzen. (picture-alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Tanzen hält gesund

"Tanzen verbindet Menschen, egal welchen Alters, welchen Geschlechts, welcher Nationalität und Kultur",

sagt Prof. Dr. Gunter Kreutz. Der Musikwissenschaftler von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg erforscht unter anderem die Wirkung von Musik und Tanz auf die Gesundheit.

"Wenn man tanzt, muss das Gehirn sehr viele Dinge steuern: Motorik, Aufmerksamkeit, Langzeit-, Kurzzeit-Gedächtnis. Forschungen belegen, je komplexer das Gehirn gefordert wird, umso besser ist der vorbeugende Effekt gegen Demenz."

Kreutz, der selbst auch leidenschaftlich gern Tango tanzt, plädiert für eine bessere Förderung bereits im Kindergarten und der Schule:

"Singen kommt schon zu wenig vor in den Schulen, aber Tanzen noch weniger. Dabei ist es wichtig, dass es eine Bewegungsform auch jenseits des Sports gibt."

Es müsse aber auch mehr Angebote für Ältere geben; viele seien in ihrer Jugend tanzbegeistert gewesen, das gelte es zu bewahren.

Sein Motto: "Sport, Bewegung und Tanz statt Stützstrümpfe und Medikamente."

Über die Lust am Tanzen diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit der Tangolehrerin Heidi Schumacher und mit Prof. Dr. Gunter Kreutz.

Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254  2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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