Beuys im Fokus

Joseph Beuys 1983 in Düsseldorf © AP
Von Ute May · 01.04.2011
Um das Kutschenrondell vor dem spätgotischen Schloss Moyland sind Buchsbaumkugeln frisch gepflanzt. Morgen soll hier eine Ausstellung mit Beuys-Fotos eröffnet werden – diesmal ohne juristisches Getöse seitens der Familie Beuys und der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst.
Die Fotos stammen von prominenten, aber auch weniger bekannten Fotografen, die Joseph Beuys aus unterschiedlichen Blickwinkeln abgelichtet haben. Schon vor mehr als 40 Jahren hatte Joseph Beuys erkannt, dass Fotografien ein bedeutendes Transport- und Dokumentationsmedium seiner Kunst sind. Und seit Langem stellt sich Dr. Bettina Paust, die Künstlerische Leiterin des Museums Moyland, die Frage:

"'"Können Sie sich vorstellen, Joseph Beuys ohne Fotografie, ohne sein fotografisches Bild, ohne die fotografische Dokumentation von Ausstellungen, von Installationen und natürlich von Aktionen? Joseph Beuys lebt ja auch fort durch und in der Fotografie, und er war sich der Bedeutung von Fotografie zu Lebzeiten selbst ganz, ganz bewusst.""

Zweifellos war Joseph Beuys seit dem Ende der 60er bis zu seinem Tod vor 25 Jahren der meist fotografierte deutsche Künstler. Und das neuerdings nicht ohne Folgen: Beim Stichwort "Beuys und Fotografie" befällt nicht nur die Berichterstatterin ein leises Unwohlsein. Schließlich hat vor einem halben Jahr Beuys' Witwe Eva einen Prozess angestrengt und in der ersten Instanz gewonnen. Geklärt wurde, ob die Foto-Serie einer Kunstaktion eine Umgestaltung im urheberrechtlichen Sinne sei. Das Urteil der zweiten Instanz wird im Juli erwartet. Bis dahin herrscht ländliche Ruhe im niederrheinischen Moyland.

Und so wird Bettina Paust mit ihrer Ko-Kuratorin Stefanie Heckmann ...

"... in dieser Ausstellung je zwei Fotos von Beuys-Aktionen zeigen und haben dies vorsorglich bei der VG Bild-Kunst angefragt. Wir haben gefragt, ob wir diese Fotos, die wir ganz konkret benannt haben, in der Ausstellung zeigen dürfen. Wir haben von der 'Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst' und von dem Joseph Beuys-Nachlass für das Ausstellen die Genehmigung bekommen."

Aus dem Pool von ca. 7000 Fotografien des Joseph Beuys-Archivs, das im Museum Schloss Moyland angesiedelt ist, haben die beiden Kuratorinnen etwa 300 Arbeiten ausgesucht und sie in neun Themenräumen gegliedert, erklärt Stefanie Heckmann:

"Angefangen bei Joseph Beuys im Portrait. Die unterschiedlichen Blicke, die Perspektive auf den Künstler, aber auch die Selbstinszenierung vor der Kamera. Das war uns ganz wichtig."

In einem der Räume wird dokumentiert, dass Joseph Beuys weltweit wichtige Kollegen zum künstlerischen und/oder politischen Austausch getroffen hat. Andy Warhol steht in dieser Reihe ebenso wie der Grafiker und heutige Akademiepräsident Klaus Staeck.

Die Auswahl der gezeigten Fotos folgte ausschließlich inhaltlichen Kriterien. Manchmal muss man mehrfach hinsehen, um die Einzigartigkeit der Beuys'schen Kunst und ihres pädagogischen, humanistischen oder politischen Ansatzes zu erfassen. Und es gibt tatsächlich ein Foto ohne den unvermeidlichen Hut. Das sei natürlich schon etwas besonderes, bestätigt Stefanie Heckmann:

"Weil Beuys als Marke immer mit Hut, oft mit Mantel und dieser Angler-Weste zu sehen ist. Spektakulär war eher so die Vielfältigkeit, also diese Unterschiede, wie Beuys wirkt auf den Fotos, und diese Macht der Fotografie."

Im Zentrum stehen die Fotos von Aktionen, die als Kern von Beuys' künstlerischer Aussage gelten. Vor allem in den 1960er-Jahren hat er den erweiterten Kunstbegriff entwickelt und Düsseldorf zur Stadt der Kunstavantgarde gemacht. Auch die politischen Aktivitäten, die schließlich seine Laufbahn als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie beendet haben, sind fotografisch dokumentiert.

Der umfangreiche Fotobestand des Beuys-Archivs im Museum Schloss Moyland ließe auch die Dokumentation vieler anderer Themen zu, die Josephs Beuys wichtig waren und die eine Vertiefung lohnten. Als Beispiel führt Bettina Paust die Installation "Das Rudel" an:

"Das sind ungewöhnliche, unterschiedliche Installationsansichten, die zeigen, in welchen Variationen Beuys diese Installation präsentiert hat. Es ist ja bei Beuys immer die Kernfrage latent, wie gehen wir heute mit Beuys-Installationen um, die Beuys ja oft selbst installiert hat."

Genau diese Fragen machen den Fotofundus so interessant und letztlich auch für Beuys-Interessierte, für die Beuys-Rezeption und auch für die Wissenschaft außerordentlich bedeutend.

Service:
Die Ausstellung "Im Fokus - Joseph Beuys und die Fotografie” ist bis 3.10.2011 im Museum Schloss Moyland zu sehen.
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