Montag, 17.06.2019
 

Echtzeit | Beitrag vom 11.05.2019

BetonSchrecklich faszinierendes Material

Moderation: Katja Bigalke

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Blick in den Arbeitsraum des Architekten. Links hängt von der Decke ein Betonsilo. (Lluis Carbonell)
Zementsilos im Arbeitsraum: Der spanische Architekt Riccardo Bofill hat eine alte Zementfabrik in ein Märchenschloss verwandelt. (Lluis Carbonell)

Kein anderer Baustoff spaltet das Geschmacksempfinden so sehr wie Beton. Im Innenbereich wird er gefeiert - als Tischplatte, oder polierter Estrich. Zeitgleich hängt ihm draußen in der Stadt noch immer der Ruf verfehlter Baupolitik an.

Die Echtzeit feiert den Beton, auch wenn das politisch unkorrekt ist: Denn Beton ist weder ressourcenschonend noch lässt er sich gut recyceln. Und wenn man sich nicht um ihn kümmert, wird er ganz schnell unansehnlich. Auch deshalb schreien viele auch nach Abriss, wenn es um die mitunter brachialen Betonbauten der 60er-, 70er-Jahre geht.

Ein Baustoff, der krank werden kann

Beton tut so, als ob er der Baustoff fürs Grobe sei, dabei hat er eben auch seine empfindsamen Stellen. Und wenn er erkrankt ist - siehe Brückeneinsturz von Genua - dann kann das Katastrophen auslösen.

Ruine eines Viadukts. Im Hintergrund sind die Abruzzen zu sehen (Tobia Faverio)Eine von hunderten Bauruinen in Italien: Viadotto Barche Bomba Chieti (Tobia Faverio)

Aber die Ästhetik! Wir betreten zusammen mit unserer Autorin Julia Macher eine verlassene Zementfabrik in Spanien, die der Architekt Ricardo Bofill seit fast einem halben Jahrhundert für seine Zwecke saniert.

Blick nach Indien und Italien

Und wir besuchen das Atelier des indischen Pritzker-Preisträgers Balkrishna Doshi, das er aus billigen Beton-Fertigteilen gebaut hat. Zu guter Letzt lohnt sich vielleicht auch ein Blick auf die tausenden Bauruinen in Italien, die ein Künstlerteam fotografisch festgehalten hat: Geht ein Land, das mit antiken Ruinen aufgewachsen ist, mit modernen Ruinen gelassener um?

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Fazit

Fotografien von Susan MeiselasAnsichten eines Genozids
Auf diesem Bild sind Menschen zu sehen, die einer Exhumierung beiwohnen. (Susan Meiselas)

Zerfetzte Kleidungsstücke, Trümmer auf einem Hügel, Massengräber: Susan Meiselas zeigt in ihren Fotografien Spuren des Völkermords an den irakischen Kurden aus dem Jahr 1991. Ihre eindringlichen Bilder sind jetzt in Frankfurt am Main zu sehen.Mehr

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