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Interview | Beitrag vom 10.07.2020

Beschränkungen belasten KinderWie Schulen Eltern in der Coronazeit helfen können

Marc Urlen im Gespräch mit Julius Stucke

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Auf dem Lehrerpult in einem Klassenzimmer liegen drei kreisrunde Papierschilder mit der Aufschrift: "Schule neu", "Verhalten" und "Corona ?", aufgenommen in der Achtalschule in Baienfurt in Baden-Württemberg im Mai 2020 (picture alliance/Felix Kästle/dpa)
"Ganz viele Schulen fangen an, sich ganz intensiv Gedanken zu machen: 'Was brauchen eigentlich die Schüler?'", sagt Marc Urlen. (picture alliance/Felix Kästle/dpa)

Corona sorgte für Schulfrei. Monatelang. Doch vielen Familien tat dies nicht gut, haben die Autoren einer Studie herausgefunden. Nach Einschätzung von Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut eröffnet Corona aber auch neue Chancen für Familien und Schulen.

Die Coronapandemie sorgt vor allem bei Kindern und Jugendlichen für eine erhöhte psychische Belastung. Das ist das  Ergebnis der sogenannten COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Betroffen sind demnach vor allem Kinder aus armen Familien und mit ausländischen Wurzeln, hieß es bei der Vorstellung der Studie.

So hätten etwa 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen angegeben, sie fühlten sich psychisch stark belastet. Vor der Pandemie lag der Wert hier bei etwa einem Drittel. Fehlende finanzielle Mittel und ein beengter Wohnraum führen dabei besonders oft zu einem hohen Risiko für die nun in der Pandemie festgestellten vermehrt auftretenden psychische Auffälligkeiten.

Verantwortung nicht nur bei den Eltern

Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut München allerdings warnt, hier die Verantwortung allein den Eltern zu übertragen. "Das ist eine Aufgabe, die betrifft ganz viele Zielgruppen, vor allem aber auch pädagogische Fachkräfte, dass diese also Unterstützung leisten."

Bei der Anlalyse und Betrachtung der Situation sei zu beobachten, sagt Urlen, dass in den unterschiedlichen Schulformen die Häuser ganz unterschiedlich auf diese Sondersituation und die besonderen und neuen Anforderung an die Betreuung vorbereitet gewesen seien.

"Während es bei den Grundschulen so war, dass wir da noch acht Prozent der Lehrer hatten, die überhaupt keinen Kontakt zu den Kindern hatten, war es dann doch bei den Sekundarschulen so, dass man da auch Online-Unterricht gemacht hat und sich besser angepasst hat, weil man eine bessere Infrastruktur hat."

Direkter Kontakt zur Schule hilft auch Eltern

Es helfe den Eltern ungeheuer, wenn es einen direkten Kontakt zur Schule gebe und wenn von dort "mehr kommt", so Urlen. Für die Eltern sei es hilfreich, wenn sie merken, es gebe hier eine Unterstützung und sie seien nicht auf sich selbst zurück geworfen und man habe "Ansprechpartner, eine Struktur dahinter". Der Kontakt helfe, dass sich Eltern entlastet sähen und die dann auch für andere positive Momente sorgen und mit ihren Kindern etwas unternähmen. 

Marc Urlen betont, dass eben diese entlastenden Momente auch zu einem Umdenken führen könnten, dass also Eltern wie Kinder in der Situation erkennen könnten, dass die Pandemie vielleicht auch mögliche positive Aspekte für sie berge, wie etwa das gemeinsame Rausgehen und gemeinsam etwas zu erleben.

In den Interviews mit den Kindern und den Eltern für die DJI-Studie "Kind sein in Zeiten von Corona" war Marc Urlen zufolge festzustellen, dass mit dieser Pandemie nun auch "wahnsinnig viel passiert": "Ganz viele Schulen fangen an, sich ganz intensiv Gedanken zu machen: 'Was brauchen eigentlich die Schüler, wie betreuen wir die, welche zusätzlichen Angebote braucht es, wie können wir uns gut vernetzten, wie nutzen wir jetzt diese neuen Technologien?'" (*)

(sru)

(*) Redaktioneller Hinweis: Wir haben den Namen der Studie korrigiert.

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