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Fazit | Beitrag vom 09.09.2019

Bernhard Stengele kandidiert in Thüringen Vom Schauspieldirektor zum Politiker

Bernhard Stengele im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Bernhard Stengele lacht in die Kamera. Im Hintergrund an der Wand hängt ein Plakat von "Der Hauptmann von Köpenick". (Andreas Hummel/dpa-Zentralbild/dpa)
Bernhard Stengele schuf als Schauspieldirektor des Theaters Altenburg Gera ein internationales Ensemble und wurde dafür von rechten Kreisen angefeindet. (Andreas Hummel/dpa-Zentralbild/dpa)

Fünf Jahre lang war Bernhard Stengele Schauspieldirektor am Theater Altenburg Gera. 2017 gab er seinen Posten auf und ging nach Süddeutschland. Nun ist er zurück - als Kandidat für die Grünen.

Bernhard Stengele holte als Schauspieldirektor des Theaters Altenburg Gera Schauspieler aus Burkina Faso, aus Griechenland und der Türkei an die Bühne. Das Theater hat Preise gewonnen, langfristig aber nicht die Unterstützung bei Kulturpolitikern gefunden, die es offenbar braucht, wenn man mehr als eine Saison mit nicht weißen Schauspielern und Nicht-Muttersprachlern in Ostthüringen Theater macht. Stengele hat 2017 seinen Posten als Schauspieldirektor aufgegeben. (*)

"Es gab mehrere Gründe", sagt er rückblickend, "der eine war tatsächlich, dass es für das internationale Ensemble, das ich gebildet habe, immer schwerer wurde in den Jahren 2015-17. Es gibt hier auf dem Land in Thüringen wenig Rückzugsmöglichkeiten. Das heißt, wenn jemand schwarze Hautfarbe hat, dann kann er sich nicht in irgendeine Kneipe zurückziehen und ist dort sicher. Und das war sehr belastend für das ganze Ensemble."

Das Publikum habe zwar immer hinter dem Ensemble gestanden und das Theater sei gut ausgelastet gewesen, aber das persönliche Leben sei immer schwerer geworden. "Und dann war klar, dass die Kollegen sagen: Wir müssen hier weggehen. Und dann war für mich klar: Ich muss hier auch weggehen, weil ich kann nicht irgendwo bleiben, wo meine Freunde und Künstlerkollegen nicht sein können", so Stengele.

Die Region positiv prägen

Stengele ging nach Süddeutschland. Ihm wurde bewusst, wie negativ das Bild von Ostdeutschland dort ist und wie sehr ihn das ärgert. Den Menschen, die er in Thüringen kennengerlernt habe, werde das nicht gerecht: "Und dann entstand so langsam der Plan, dass ich mich hier noch mal richtig engagiere."

Nun tritt er in Altenburg als Kandidat für Bündnis 90/Die Grünen an, um ein Direktmandat zu erobern und in den Erfurter Landtag einzuziehen. Am 27. Oktober sind Landtagswahlen in Thüringen. Stengele will mit seiner Kandidatur auch ein Zeichen setzen, wie toll die Region ist. Dabei orientiert er sich an dem verstorbenen Künstler Joseph Beuys. "Der sogenannte erweiterte Kunstbegriff von Joseph Beuys sagt: Die Welt kann erst friedlich werden, wenn Menschen sich so ausdrücken, wie sie sich ausdrücken wollen. Das ist für mich ein großer Anreiz", sagt Stengele und fügt hinzu:

"Ich bin nicht Künstler, wenn ich auf der Bühne bin, sondern ich bin immer die selbe Person, die sich ausdrückt und ihr Leben gestaltet und dazu möchte ich Mut machen und auch selber den Mut finden."

Redaktioneller Hinweis: In einer ersten Fassung wurde das Theater Altenburg Gera nicht korrekt bezeichnet. Wir haben den Fehler korrigiert.

(nho)

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