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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 06.01.2014

Berliner WegmarkenEine Werkstattsiedlung

Erste Folge: Die junge Stadt Berlin

Von Jens Rosbach

(Wolfgang Kumm / dpa )
Archäologen haben Zeugnisse des Mittelalters und zahlreiche Spuren der mittelalterlichen Bebauung gefunden und lassen das mittelalterliche Cölln lebendig werden. (Wolfgang Kumm / dpa )

Im ersten Teil der Reihe zu den Wegmarken Berlins geht es um die Frage: Wie alt ist die Stadt eigentlich? Offiziell gefeiert wird stets die erste urkundliche Erwähnung der Schwesterstadt Cölln auf der Spreeinsel 1237, aber die Geschichte begann natürlich nicht von heute auf morgen an jenem Tag.

"Zuerst braucht man sehr viel Fantasie. Denn das Berlin, was man heute sieht, hat nichts mit dem zu tun, wie es damals aussah. Und das muss man sich erstmal alles wegdenken, um sich vorstellen zu können, wie Berlin damals ausgesehen haben mag. Damals war die Spree noch ein unkontrollierter, wilder Fluss, der sich durch die Gegend mäanderte. Wo es Seitenarme gab, wo es teilweise versumpft war. Denn der Name Berlin leitet sich vermutlich aus dem alten slawischen Wort für Sumpf ab. Aber das kann genau so gut heißen, dass es ein trockenes Land innerhalb einer Sumpfgegend war, da gibt es beide Spekulationen."

Ende des 12. Jahrhunderts. In langen, blutigen Kreuzzügen haben die Germanen den Slawen weite Gebiete östlich der Elbe abgerungen; nun wollen die christlichen Fürsten die Flächen besiedeln. Die Markgrafen und Bischöfe werben - mit Versprechungen auf eigenes Land - Zuwanderer an. Sie kommen aus dem Harz und aus dem Rheinland, aus Westfalen und aus Flandern. Mit Pferde-, Esel- und Ochsenkarren ziehen sie in ein Tal an der Spree.

"Wenn man seinen eigenen Herrschaftsraum ausdehnen will, braucht man natürlich auch Menschen, die Abgaben zahlen, die das Land besiedeln, die Rohstoffe gewinnen, und ein Fürst wollte natürlich auch Geld dazu verdienen. Und dazu brauchte er Menschen, die das tun konnten."

Westlich der Spree entsteht Cölln, östlich Berlin

Die Pioniere - zumeist Handwerker und Bauern - gründen merkwürdigerweise gleich zwei Siedlungen: Westlich der Spree bauen sie Cölln auf, Cölln mit C geschrieben. Östlich des Flusses entsteht Berlin. Dazwischen: eine Furt. Erst 500 Jahre später vereinen sich beide Orte zur Stadt Berlin.

"Ich nehme mal an, dass damals zwischen Berlin und Cölln durchaus auch Konkurrenz da war, wobei das vielleicht dadurch eingeschränkt war, weil Berlin deutlich die größere und etwas mächtigere Stadt war. Aber ich habe nicht davon gehört, dass sich die Cöllner und die Berliner irgendwann mal mit Schwertern in größerem Maße bekriegt haben, ja."

Soweit die gängige Gründungsstory. Der Berliner Hobby-Historiker und Autor Norbert Meier hat sie akribisch recherchiert. "Berlin im Mittelalter". Fachleute loben die differenzierte und anschauliche Publikation.

"Also das ist eine Sache, die ist ziemlicher Quatsch, ja."

Hat es eine Furt gegeben?

Hansjürgen Vahldiek ist ebenfalls ein Berliner Hobby-Historiker und hat auch ein Berlin-Buch geschrieben: "Cölln an der Spree". Der grauhaarige 78-Jährige hantiert mit einem Sperrholz-Relief, das er in seinem Keller zugesägt hat. Es besteht aus grünen, blauen, gelben und braunen Platten, die - übereinander gelegt - Berlins geologischen Untergrund darstellen. Vahldieks Bastelstück zeigt Erstaunliches: nämlich dass es gar keine Furt gegeben hat zwischen Berlin und Cölln.

"Also hier in Cölln diese Küste, die war steil! Die war steil! Das waren dreieinhalb Meter bis zum Wasser. Steil! Also es war ein an sich schlechter Übergang."

Der Rentner hat meterweise geologische Akten gewälzt - und schließlich eine abweichende Theorie der Stadtgründung entwickelt. Berlin sei ausschließlich wegen des Fernhandels entstanden, erklärt Vahldiek. Handelsrouten von Hamburg und Magdeburg seien über die Spree hinweg bis nach Stettin und Posen gegangen. Um Fisch, Stoffe, Getreide, Holz und  Bronzewaren über den Fluss zu kriegen, habe man keine Furt benutzt, sondern gleich eine Brücke gezimmert. Mit massiven Wachbauten an beiden Enden.  

"Das müssen eigentlich solche Türme sein, also acht mal acht Meter, Steintürme. Das waren so früher Kontrollpunkte zum Schutz des Überganges. Wenn Handelsgut kommt und man ist Wegelagerer, dann kann man sich ja leicht Verdienst machen, indem man den überfällt und ausraubt. Also solche Machenschaften gab es schon immer, und die werden da auch eine Rolle gespielt haben."

Vahldieks Bilanz: Die beiden Orte links und rechts der Spree entstanden lediglich als "Service-Stationen" für die Brücken-Passage. Berlin - eine Werkstattsiedlung.

"Also es mussten ja Fahrzeuge repariert werden, Pferde beschlagen und so weiter. Also das wird Berlin und Cölln alles geleistet haben."

Wer hat nun recht? Besiedelten die Fürsten das Spree-Tal, um ihre Wirtschaftsmacht zu stärken? Oder wollten etwa die Markgrafen von Brandenburg, die Askanier, Berlin und Cölln  wirklich nur als Brückenköpfe nutzen? Alles unklar: Es gibt keine Original-Quellen aus dieser Zeit.

"Ist alles umstritten. Also wie gesagt. Man stochert so im Leeren und versucht sich so zu Recht zu finden, nicht."

"Wir sind jetzt hier in der Breiten Straße. Und zwar in der ehemaligen Hauptstraße von Berlin-Cölln. Und wir haben jetzt hier ein Grundstück vor uns, das also zum mittelalterlichen Stadtkern der Stadt gehörte. Und wir legen hier eben die Spuren frei vom Mittelalter. Das Mittelalter ist die schriftlose Zeit. Und das bedeutet, dass also jede Spur, die wir freilegen, jeder Fund, der wird ja interpretiert. Und das ist ein kleiner Mosaikstein zur Berliner Geschichte."

Nach Informationen graben

Eine gigantische Baugrube, fünf Meter tief. Bagger, Schubkarren, Schaufeln, Kiesberge. Eine Handvoll Frauen und Männer, die kratzen, schaben, sieben und pinseln. Auf einem Campingtisch: eine Kiste voller Keramik- und Steinsplitter. Michael Hofmann vom Berliner Landesdenkmalamt lässt 800 Jahre alte Grundstücke freilegen. Dafür hat er Archäologen engagiert - wie Matthias Antkowiak.

"Das waren, soweit wir das jetzt rekonstruieren können, Grundstücke, die ungefähr, naja so 50 Meter vielleicht breit waren und darauf waren dann Häuser und auf den Grundstücken selber gab es dann je nach Bewohner unterschiedliche kleine Nebengebäude. Es gab Gärten, wir haben also Gartenhorizonte hier aus dem Mittelalter. Da sieht man die Spatenspuren zum Beispiel der ersten mittelalterlichen Siedler, die mir ihren Holzspaten da diesen Garten umgegraben haben."

Weitere Trophäen der Mittelalter-Forscher: Brunnensteine, Überreste verkohlter Holzbalken und zerbrochene Kugeltöpfe.

"Es gibt aber auch alle möglichen Kleinfunde, wie bronzene Gürtelschnallen, kleine

Spielwürfel, Messerklingen haben wir in dem Bereich und ja, alles Mögliche, was eben auch zur Tracht einfach gehört."

In den neuen Siedlungen Berlin und Cölln herrscht reges Treiben. Holzkirchen werden errichtet und Wasser-Mühlen gebaut. Die Müller und Händler machen ordentlich Umsatz.

"Die Mühlen waren damals wirklich ein sehr wesentliches Argument dafür, weshalb eine Stadt groß wurde oder auch nicht."

Marktstadt Berlin

Die Markgrafen verfügen, dass vorüber ziehende Kaufleute ihre Waren abladen und eine Zeitlang feilbieten müssen. Egal, ob sie mit einem Ochsenkarren oder einem Schiff kommen. Dieses sogenannte Stapel- bzw. Niederlagsrecht bringt die Märkte links und rechts der Spree mächtig in Schwung.

"Die Märkte waren das Highlight des Jahres. Es gab fünf große Jahrmärkte, abgesehen von Wochenmärkten. Und das war sicherlich das große Event, wo alle Bauern aus der Umgebung mit ihren Waren hierher kamen. Da wird Hokuspokus, Unterhaltung dabei gewesen sein und natürlich man konnte alles kaufen, seien es Lebensmittel, seien es Rüstungen, Schwerter und eventuell auch exotische Waren, wie Gewürze, oder Zucker. Was damals eine sehr exotische Ware war. Denn es wurde grundsätzlich nicht mir Zucker gesüßt, noch nicht einmal bei den reichen Patriziern. Es wurde grundsätzlich nur mit Honig gesüßt."

Das Leben des normalen Ur-Berliners ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Harte Arbeit, einfaches Essen sowie Krankheit, Seuchen, Überflutungen, Feuersbrünste und die Gefahr vor Raubrittern bestimmen seinen Alltag. So der studierte Chemiker, Hobby-Historiker und Autor Norbert Meier.


"Einer der wesentlichen Funde war, dass man unter der Nikolaikirche Reste eines alten Friedhofs gefunden hat. Und was immer man herausgefunden hat bei den alten Skeletten, wies darauf hin, dass die Lebenserwartung nicht allzu hoch war. Dass das Leben sehr hart gewesen sein muss für die ersten Siedler, die hier angesiedelt haben."

Noch 800 Jahre später wird man den Ort aufsuchen können, wo die ersten Siedler wohnten, arbeiteten und starben. Es handelt sich um das Areal rund um den Berliner Mühlendamm.

"Also das ist so ein Unsinn, das ... das kann man gar nicht für ernst nehmen."

Hansjürgen Vahldiek schüttelt den Kopf. Der rüstige Rentner schichtet die Sperrholzplatten seines geologischen Reliefs übereinander und zeigt auf die blaue Mittelplatte - den Fluss. In der Gründungszeit der Stadt habe es weder eine Furt noch eine Brücke gegeben am legendären Mühlendamm, schimpft er. Die erste Überquerung - mit den Wachtürmen - sei weiter nördlich gebaut worden, an der heutigen Rathausbrücke.

"Da war die engste Stelle der Spree, also die war 60 Meter - während es am Mühlendamm über 100 Meter war. Und wenn da einer ne Brücke bauen will, dann wird er sich ja eigentlich immer, Holz war ja knapp, wird er immer die kürzeste Stelle nehmen. Und diese Stelle ist die einzige Stelle in Berlin, wo es solche Situation gab."

Geschichts-Ruhestand

Ist die Keimzelle Berlins mehrere hundert Meter weiter entfernt zu suchen als bislang

angenommen? Vahldieks Theorie stößt in Fachkreisen auf Skepsis. Doch der Freizeit-Forscher erinnert daran, dass die Wissenschaft auch lange Zeit glaubte, Berlin sei aus slawischen Fischerdörfern entstanden. Eine These, die längst widerlegt ist. Der 78-Jährige klagt über weiteren "Geschichts-Unsinn". Etwa dass Berlin um 1230 das Stadtrecht erhalten habe.

"Wir nehmen ja heutzutage an, dass da - liest man manchmal - 3000, 6000 Leute gewohnt haben. Und das ist ein völliger Quatsch! Da ist um 1230... sind vielleicht 200 Personen gewesen. Also es ist ein ganz kleines Örtchen gewesen, nicht. Gar keene Stadt."

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Berlin, genauer: seine Schwesterstadt Cölln, am 28. Oktober 1237 - auf einem Pergament mit sieben Siegeln. Die Archäologen in der Berliner City wissen aber, dass die deutsche Hauptstadt viel älter ist. Dendrochronologische Analysen, also Untersuchungen der Jahresringe von Holzresten, führen bis in das Jahr 1174. Dennoch, erklärt Landesdenkmal-Vertreter Michael Hofmann, bleibe Berlin beim offiziellen Gründungsdatum 1237.

"Man bezieht sich immer auf die erste urkundliche Quelle, aber die Archäologie kann sicherlich fast überall nachweisen, dass die deutsche Besiedlung eher einsetzte. Hier lebten natürlich, weil es günstig war am Wasser und auf diesen trockenen Talsandinseln, lebten schon seit der Steinzeit Menschen."

Das Grabungsteam um Matthias Antkowiak ist in der Breiten Strasse auf spektakuläre Relikte gestoßen: auf Feuerstein-Splitter. Das Material wurde in der Mittelsteinzeit, also vor rund 8000 Jahren, hergestellt - quasi vom Ur-Ur-Ur-Berliner.

"Wir können einen sogenannten Schlagplatz lokalisieren. Das heißt: Jemand hat sich hingesetzt und hat Steinwerkzeuge produziert. Und hat die Abfälle um sich herum liegen lassen. Diese Konzentration von Steinabfällen und auch Werkzeugresten beweisen einfach, dass hier jemand wahrscheinlich sein Zelt aufgestellt hat, hier eine Zeitlang gejagt hat, gelebt hat und eben Werkzeuge hergestellt hat."

Ob Steinzeit oder Mittelalter - die Hauptstädter interessieren sich für ihre Wurzeln, weiß der Experte. Die Grabungsstätte sei ein Publikums-Magnet - nicht nur bei offiziellen Führungen.

Schatzsuche in Berlin

"Viele Leute stehen natürlich am Zaun und der erste Satz ist dann: Wie viel Gold haben sie denn schon gefunden? Und das ist natürlich klar, das ist bedingt durch das Bild, was man im Allgemeinen so von der Archäologie hat: Das sind halt Ausgräber, Schatzgräber und es geht um tolle Funde. Und wir versuchen das dann natürlich auch ein bisschen gerade zu rücken und die Leute auch wirklich zu informieren, was wir hier machen."

Tatsächlich sind die Berliner Archäologen auch auf mittelalterliche "Schätze" gestoßen. Mehrere hundert Jahre lang stand vor dem heutigen Roten Rathaus ebenfalls ein Rathaus.

"Und die größte Überraschung war, dass wir dort Hunderte von Münzen gefunden haben. Aus fünf oder sechs Jahrhunderten. Das Rathaus war im Mittelalter eigentlich eine Markthalle. Zumindest das Untergeschoss. Und erst weiter oben waren die Amtsstube und die Waffenkammer und die Stadtkasse untergebracht. Und aufgrund dessen, das also dort 200 Jahre wenigstens dort Markt gehalten wurde, sind unheimlich viele Kleinmünzen in diesen Holzdielen verloren gegangen. Und da die Münzen zufällig verloren wurden, können wir sagen: So viele Münzen kamen aus auswärtigen Territorien, aus Sachsen, aus Böhmen, aus Pommern. Also das ist eine ganz spannende Sache."

Wassermühlen, Märkte, Rathaus und zwei Feldsteinkirchen: die Nikolaikirche in Berlin und die Petrikirche in Cölln. Eine Ziegelkirche folgt: die Marienkirche. Bis zu sieben Meter dicke Stadtmauern werden hochgezogen. Der Franziskaner-Bettelorden und auch die Dominikaner errichten jeweils ein Kloster. An das Rathaus wird die "Gerichtslaube" angebaut, um Prozesse gegen Diebe und Mörder zu führen. Der Originalbau landet später in Potsdam; im wiedererrichteten Berliner Nikolaiviertel ist heute eine Kopie der Laube zu sehen. 

"Man sieht heutzutage noch sowohl an der altrekonstruierten Gerichtslaube, als auch an der neuen, den sogenannten Kaak. So ein Mittelding zwischen Vogel und Mensch. Also ein hockender Vogel mit menschlichem Antlitz und auch noch Eselsohren, der so als Spottfigur dienen sollte. Und das war quasi der Pranger der Stadt. Darunter wurden dann die Urteile durchgeführt. Da wurden dann zum Beispiel Auspeitschungen oder es wurde ein Mal in die Wange gebrannt - wie auch das Urteil ausgesehen haben mag."

Judenhass in der mittelalterlichen Stadt

Das mittelalterliche Berlin besitzt ein eigenes jüdisches Viertel, den Großen Jüdenhof. Die Juden werden allerdings zu jener Zeit diskriminiert, sie dürfen zum Beispiel nicht als Handwerker arbeiten. Deshalb sind viele als Geldverleiher tätig. Das führt dazu, dass Fürsten, die sich verschuldet haben, ihre Gläubiger gern wieder loswerden wollen. So wird im Jahre 1510 ein folgenreicher Schauprozess in Berlin inszeniert - vor der Marienkirche. Die Justiz wirft dutzenden Juden aus dem benachbarten Spandau vor, christliche Hostien geschändet zu haben.

"Es war ein Schauprozess unter reger Anteilnahme der Berliner Bevölkerung."

Andrea Theissen vom Kunstamt Berlin-Spandau hat die Geschichte des skandalösen Verfahrens für eine Ausstellung rekonstruiert: 38 Juden landen auf dem Scheiterhaufen, zwei werden geköpft. Pogrome folgen, in der gesamten Region.

"Das Verhängnis war, dass die jüdische Elite in dieser Zeit quasi ausgerottet worden ist. Und die andere wichtige Folge war, dass die übrigen Juden aus der Mark Brandenburg vertrieben worden sind."

In Berlin und Cölln geht das Leben weiter, die Doppelstadt boomt. Im Spätmittelalter stehen hier insgesamt drei Rathäuser, drei Hospitäler, mehrere Kirchen sowie der Sitz des Markgrafen. Rund 8500 Einwohner leben zu jener Zeit links und rechts der Spree.

"Wahrscheinlich. Also wir wissen es nicht."

Schlampige Chronisten

Hobbyhistoriker Hansjürgen Vahldiek, der auch als Stadtführer arbeitet, glaubt den überlieferten Quellen nicht mehr. Schließlich hätten die Chronisten bei der geologischen Analyse, beim Spree-Übergang sowie bei den Einwohnerzahlen geschlampt. Jahrhunderte lang.

"Die Berlin-Literatur besteht nicht aus wissenschaftlicher Arbeit, sondern aus wortwörtlichem Abschreiben. Und das wird dann, wenn ein Journalist schnell einen Artikel über irgendwas machen will, dann guckt der irgendwo rein, schreibt das ab, ohne zu wissen, wie die Zusammenhänge sind und schon ist wieder ein Fehler drin."

"Wir haben hier eine Situation in Berlin, die unterscheidet uns von allen anderen Städten."

Bilanziert Professor Matthias Wemhoff, der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte.

"Es gibt kaum eine Stadt, in der man so Tabularasa mit seine Geschichte gemacht hat. Mir fällt als Vergleich eigentlich nur Königsberg, Kaliningrad ein. Da sieht es genauso desaströs aus im Zentrum der Stadt. Und es ist unsere Aufgabe, darauf wieder eine Antwort zu finden, die auch eine Brücke schlägt in die Vergangenheit."

Wemhoff, zugleich Berliner Landesarchäologe, beklagt, dass heute nur noch Reste der Stadtmauer, die Ruine des Franziskanerklosters sowie die Nikolai- und Marienkirche zu bewundern sind. Der Experte will das mittelalterliche Berlin, trotz der raren baulichen und schriftlichen Überreste, wieder aufleben lassen. So plant er ein archäologisches Zentrum sowie einen Wegweiser, der alte und neue Grabungsstätten miteinander verbinden soll.

"Wenn das an vielen Stellen passiert, dann ist ein archäologischer Pfad entstanden, der so nachvollziehen lässt: Ja, hier war die Kirche, die sind ja auch zum großen Teil abgerissen in Berlin, hier stand das Rathaus, hier lebten die Juden, hier stand vielleicht die Mühle. Also diese Bezüge müssen wir neu erschließen, damit man überhaupt die Genese Berlins versteht."

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