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Tonart | Beitrag vom 29.03.2021

Berliner Pilotprojekt im ClubCoronakonformer Stuhltanz im Säälchen

Gesine Kühne im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Zuschauer sitzen bei einem Testkonzert mit dem Titel "Operation Heartbeat" im "Säälchen" auf dem Berliner Holzmarkt-Gelände unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes schachbrettartig auf Stühlen. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)
Wie Figuren auf einem Schachbrett saßen die Gäste im Berliner Säälchen und lauschten dem ersten Konzert dort in Coronazeiten. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)

Clubbesuch in Coronazeiten? - Das geht! Berlin hat am Wochenende einen ersten Testlauf gestartet. Von Partystimmung kann man allerdings nicht sprechen. Reporterin Gesine Kühne war dabei und saß pandemiegerecht auf einer Art Schachbrett.

Am 19. März ist in Berlin ein Pilotprojekt für Kulturveranstaltungen gestartet, in dem das Publikum vor den Vorstellungen auf das Coronavirus getestet wird. So sollen die Hygiene- und Abstandskonzepte in Theatern, Opern und Philharmonie erprobt werden.

Am Wochenende gesellte sich zur Hochkultur nun sogar eine Clubveranstaltung für 70 Gäste. Diese fand am Samstag in dem zum Holzmarkt gehörenden Säälchen im Bezirk Kreuzberg statt. Einen Tag später verordnete der Berliner Senat dem Pilotprojekt wegen steigender Infektionszahlen allerdings wieder eine Zwangspause.

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Unsere Reporterin Gesine Kühne war bei dem "Operation Heartbeat" genannten Event dabei und kann berichten, ob den Veranstaltenden von der Clubcommission Berlin die Operation gelungen ist. "Ich fand es toll, mal wieder laut Musik zu hören", resümiert sie.

Die schachbrettartige Sitzanordnung sowie das Getränkeverbot aufgrund der Maskenpflicht seien aber schon ein Hindernis gewesen – besonders, wenn man in Begleitung dort war. 

Bevormundung statt "Eskapismus und Loslassen"

Die Tickets für 20 Euro waren nach wenigen Sekunden ausverkauft und schlossen die Kosten für einen Coronatest ein. Bei der Buchung wurde man direkt zu einem Termin in einem anliegenden Covid-19-Testzentrum geleitet, erzählt Gesine Kühne, um dort einen Termin vor dem Clubbesuch zu vereinbaren. Auch das trage dazu bei, dass "man sich sehr bevormundet fühlt an einem Ort, wo sonst der Fokus auf Eskapismus und Loslassen liegt."

Ein anderer Gast berichtet von einem ähnlichen Gefühl: "Wenn ich ehrlich bin, wäre ich am Anfang am liebsten direkt wieder rausgerannt, weil ich auf einmal in dem kleinen weißen Viereck saß", sagt Musiker Stefan Posé. "Aber die Musik war cool, die hat mir gut gefallen." Die Bedingungen seien aber eine "völlige Entwürdigung" gewesen, "aber man macht halt den Blödsinn gerade so willenlos mit".

Cello trifft Wald-Sound

Auftreten durfte die Künstlerin Bison Rouge, die mit ihrem Cello live Samples gemacht und geloopt hat, so Gesine Kühne. "Ich musste sofort an das Wort wunderlich denken." Daneben gab es Samples vom Computer zu hören, die Bison Rouge im Wald aufgenommen hatte und zu denen sie sang. "Das war melodiös, streckenweise nicht das Poppigste, aber es hatte eine gute Energie für den Anfang", sagt Gesine Kühne. 

Im Anschluss sang und spielte die Gruppe Reecode, die aus der Berliner "Bar25" bekannt ist. "Ein Typ mit rauchiger Stimme mit Effekt sang auf sehr harte, teilweise düstere, fast schon technoide Beats", beschreibt Gesine Kühne die Musik. "Da war es komisch, zu sitzen." Eine Besucherin habe sich daher zu einem "Stuhltanz" hinreißen lassen.

Besucher stehen vor dem "Säälchen" auf dem Berliner Holzmarkt-Gelände Schlange für den Einlass zu einem coronakonformen Testkonzert. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)Schlange stehen vor dem Säälchen sieht in Nicht-Coronazeiten deutlich anders aus. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)

Nach rund eineinhalb Stunden verstummte die Musik, die Gäste mussten aber zunächst auf ihren Plätzen bleiben. Sicherheitsmitarbeiter sorgten für ein geordnetes Verlassen des Säälchens, damit die Menschen sich nicht zu nah kamen und verhinderten einen Stau.

Dennoch zieht Gesine Kühne ein positives Fazit des Club-Testlaufs: "Insgesamt ein ganz ungewohntes Ausgehen. Bei mir hat die Freude überwogen, sodass ich dieses ein bisschen überwachte Gefühl, dass man auch niemandem zu nahe kommt, nur am Rande wahrgenommen habe."

(lsc)

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