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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.06.2016

Berliner Philharmoniker mit Juanjo MenaDas Orchester als Riesengitarre

Aufzeichnung aus der Philharmonie

Der spanische Dirigent Juanjo Mena. (imago)
Der spanische Dirigent Juanjo Mena. (imago)

Spanische Musik: eine französische Erfindung? Juanjo Mena stellt Werke von Claude Debussy und Manuel de Falla einander gegenüber, Marie-Pierre Langlamet spielt das Harfenkonzert von Alberto Ginastera.

Manche Debüts brauchen ihre Zeit. Der aus dem spanischen Baskenland stammende Dirigent Juanjo Mena wurde vor 50 Jahren geboren und ist damit deutlich älter als die Jungstars, die seit einigen Jahren bei den Berliner Philharmonikern den Ton angeben. Mena, Schüler Sergiu Celibidaches und Chefdirigent des BBC-Orchesters in Manchester, hat in den USA bereits viele bedeutende Klangkörper geleitet. In Europa ist er als Konzertdirigent noch zu entdecken.

Mit einem Programm rund um den spanischen Kulturkreis stellt sich Mena bei den Berliner Philharmonikern vor – mit Werken von Claude Debussy, Alberto Ginastera und Manuel de Falla, für deren Interpretation der spanische Dirigent gerühmt wird. Mehr als einmal wird das Orchester an diesem Abend als Riesengitarre erscheinen, denn alle Komponisten hatten eine Vorliebe für gezupfte oder angerissene Saiten. In seinem Zyklus "Ibéria" traf Debussy den spanischen Ton perfekt, obwohl er selbst nur wenige Stunden seines Lebens auf spanischem Boden verbracht hatte – ja, er traf ihn sogar so perfekt, dass Manuel de Falla dieses französische Fantasie-Spanien seinen spanischen Landsleuten als musikalisches Vorbild empfahl. De Fallas renommierte, aber selten vollständig zu hörende Ballettmusik "El sombrero de tres picos" ("Der Dreispitz") ist das Hauptstück des Abends, in dem die Berliner Philharmoniker die Bühne in eine Arena der Leidenschaften verwandeln und dabei mit anfeuernden "Olé!"-Rufen zusätzlich zu hören sein werden.

Ganz anders Alberto Ginastera: Der vor einhundert Jahren geborene Argentinier griff in seiner Musik heimatliche ebenso wie spanische Impulse auf, fand aber dann zu einer hochmodernen, völlig unabhängigen Kunstmusik, die den argentinischen Machthabern ein steter Dorn im Auge war. Hatte de Falla Argentinien noch als Zufluchtsort vor dem Franco-Regime gewählt, so verließ Ginastera Argentinien nun in Richtung Schweiz, wo er 1983 starb. Mit seinem fulminanten Harfenkonzert bricht die philharmonische Solo-Harfenistin Marie-Pierre Langlamet eine Lanze für den hierzulande völlig unterschätzten Komponisten.

Philharmonie Berlin

Aufzeichnungen vom 26. bis 28. Mai 2016

Claude Debussy

"Ibéria" (Nr. 2 aus "Images pour orchestre")

Alberto Ginastera

Konzert für Harfe und Orchester op. 25

Manuel de Falla

"El sombrero de tres picos" ("Der Dreispitz"). Ballett mit Gesang in zwei Teilen

Marie-Pierre Langlamet, Harfe

Raquel Lojendio, Sopran

Berliner Philharmoniker

Leitung: Juanjo Mena

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