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Interview | Beitrag vom 12.10.2018

Berliner Musikerkollektiv boykottiert Red Bull "Image des coolen Musikförderers bröckelt"

Christoph Möller im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Der Rapper Juice J auf der Bühne der Red Bull Music Academy in Detroit. (picture alliance / AP Photo / Tanya Moutzalias)
Red Bull veranstaltet große Events: Hier der Rapper Juice J bei der Red Bull Music Academy in Detroit. (picture alliance / AP Photo / Tanya Moutzalias)

Das Berliner Kollektiv Live From Earth hat sich öffentlich gegen Red Bull positioniert. Sie wollen an einer Veranstaltung der Red Bull Music Academy nicht teilnehmen wegen rechtspopulistischer Äußerungen des Konzernchefs.

Red Bull ist einer der wichtigsten Geldgeber im Musikbereich: Der Energydrink-Hersteller betreibt Musikstudios rund um den Globus, einen Radiosender und veranstaltet große Events wie die Red Bull Music Academy - aktuell in Berlin. Dort geben große Stars Interviews und der Nachwuchs wird gefördert.

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz ist der Mann hinter dem Geld und vertritt öffentlich rechtskonservative Positionen. Er kritisiert die "sogenannte intellektuelle Elite" und das "Meinungsdiktat des politisch Korrekten".

Kaum Protest aus der Musikszene

In der Musikszene hat sich dagegen bislang kein Protest geregt. Das Berliner Kollektiv Live From Earth hat sich in dieser Woche nun öffentlich gegen Red Bull positioniert. Eigentlich sollten sie heute Abend den Abschluss der Red Bull Music Academy in Berlin kuratieren. In einem Statement erklären sie ihre Absage mit den rechtspopulistischen Äußerungen des Konzernchefs.

Musikredakteur Christoph Möller findet die Absage mutig. Erstmals positioniere sich ein Kollektiv aus Musikerinnen und Musikern aktiv gegen Red Bull. Dadurch werde eine Öffentlichkeit für das Thema geschaffen. Es sei ein Bruch in der Fassade des Unternehmens. Gleichzeitig kritisiert Möller, dass jetzt ein großer Druck auf andere Künstler aufgebaut wird, sich auch zu positionieren. Auch öffentliche Einrichtungen und Clubs müssten Stellung beziehen, denn auch die würden von Red Bull gesponsert werden.

Viele Musiker sind auf Red Bull angewiesen

Warum Musiker, die als liberal und offen gelten, überhaupt Geld von Red Bull annehmen, begründet Möller mit einer prekären Musikbranche. Künstlerinnen und Künstler seien mehr und mehr auf Musikförderung und Sponsoren angewiesen. Große Marken würden dabei immer wichtiger. Es falle ihm als Beobachter schwer, dieses Dilemma aufzulösen. Dennoch seien nicht nur kleine Künstlerinnen und Künstler bei der Red Bull Music Academy zu Gast, sondern zum Beispiel auch die Sängerin Janelle Monáe, der es auf Grund ihrer Bekanntheit leichter fallen würde, sich deutlicher von Red Bull abzugrenzen.

"Red Bull gibt sich als cooler Musikförderer"

Angesprochen auf den Einfluss der Marke im Musikbereich, sagt Möller, dass Red Bulls Engagement als größer wahrgenommen wird, als es tatsächlich ist. Das würde an der Omnipräsenz des Logos liegen. Man spüre das Geld. Warum Red Bull überhaupt Musik fördert, begründet Möller mit der Logik der Marke. Es gehe darum, einen Lifestyle passend zum Energydrink zu verkaufen. Durch die Förderung junger, internationaler Underground-Musik wie R'n'B, Hip-Hop oder elektronischer Clubmusik sichere man sich den Ruf des "coolen Musikförderers". Der Name der Marke werde subtil, aber doch sehr wirksam rund um die Welt getragen.

Den Eindruck, Red Bull sei aus der Musikindustrie kaum wegzudenken, bestätigt Möller nicht. Es gebe in Deutschland oder Österreich durchaus Möglichkeiten, sich öffentlich und unabhängig fördern zu lassen.

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