Berliner Kulturszene fordert rasche Konsequenzen nach Wedl-Wilsons Rücktritt

Berlins Kulturszene drängt nach dem Rückzug von Senatorin Wedl-Wilson wegen einer beanstandeten Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus auf Konsequenzen. Der Vorsitzende der Clubcommission Berlin, Weber, sagte im RBB, es müsse jetzt jemand berufen werden, der für die Kulturszene kämpfe. Dieser Rücktritt bedeute vor allem erstmal wieder eine große Verunsicherung und Instabilität. Auch die Vorständin der Berliner Kulturkonferenz, Stoff, hatte rasch Stabilität an der Spitze der Kulturverwaltung gefordert. Der Direktor der Deutschen Oper und Vorsitzende des Bühnenvereins Berlin, Fehrle, bedauerte den Rücktritt der Senatorin. Es tue ihm persönlich sehr leid für sie, weil sie ihre Arbeit wirklich sehr engagiert gemacht habe und kompetent sei, "was ja auch nicht selbstverständlich ist in dem Bereich". Der Intendant des Berliner Ensembles, Reese, teilte mit, für die Berliner Kulturlandschaft sei es fatal, dass innerhalb einer Legislaturperiode bereits der zweite Senatoren-Rücktritt erfolge. Während Wedl-Wilsons Vorgänger Chialo "eindeutig eine Fehlbesetzung" gewesen sei, habe Wedl-Wilson sich für die Kultur starkgemacht. Fünf Monate vor der Abgeordnetenhaus-Wahl war Wedl-Wilson am Freitag zurückgetreten. Die parteilose 56-Jährige, die von der CDU nominiert worden war, zog Konsequenzen aus der Affäre um die Förderung von Projekten zur Antisemitismusprävention. Der Rechnungshof hat diese als rechtswidrig bewertet. Teile der CDU-Fraktion hatten Wedl-Wilson offenbar zu der Förderung gedrängt. Die Berliner CDU-Generalsekretärin Klein bezeichnete die Kritik aus der Opposition und von SPD-Spitzenkandidat Krach als "Wahlkampfgetöse".