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Fazit | Beitrag vom 06.02.2019

Berliner GeneralmusikdirektorSchwere Vorwürfe gegen Daniel Barenboim

Rainer Pöllmann im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Ist Daniel Barenboim ein autoritärer Machtmensch? Im Onlinemagazin "VAN" werden schwere Vorwürfe erhoben. (Staatsoper Berlin / Holger Kettner)
Ist Daniel Barenboim ein autoritärer Machtmensch? Im Onlinemagazin "VAN" werden schwere Vorwürfe erhoben. (Staatsoper Berlin / Holger Kettner)

In einem aktuellen Artikel des Magazins "VAN" wird Daniel Barenboim als jemand beschrieben, der seine Wut nicht unter Kontrolle hat und unberechenbar ist. Unser Musikredakteur Rainer Pöllmann spricht von "verstörenden Szenen".

Der Artikel des Onlinemagazins "VAN" beschreibt Daniel Barenboim als Choleriker, der seine Wut nicht zügeln kann, seine Musiker und Musikerinnen beleidigt und ihnen misstraut. Die Autoren Hartmut Welscher und Jeffrey Arlo Brown schreiben:

"In Musikerkreisen sind Barenboims Launen legendär. Er hat Wutanfälle bekommen, weil ein Bratscher die Augen verdrehte, weil ein Sänger sich zum falschen Zeitpunkt verbeugte, weil ein von ihm bevorzugter Stimmführer im Urlaub war. Er hat einen Musiker angeschnauzt, der sich wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht so gut konzentrieren konnte wie sonst. Er hat einen Arzt beleidigt, der einen Musiker wegen einer Magen-Darm-Grippe für zu krank befand, um aufzutreten. Zwei Mitarbeiter berichten, dass Barenboim sie wütend gepackt und geschüttelt habe."

"Das sind schon verstörende Szenen", sagt Deutschlandfunk Kultur-Musikredakteur Rainer Pöllmann.

Strukturen, die Machtmissbrauch fördern

Pöllmann schätzt "VAN" als seriös und den Artikel, für den die Autoren mit mehr als einem Dutzend Menschen sprachen, als differenziert ein:

"Der Artikel stellt den Kulturpolitiker Barenboim vor, der enorm viel für seine Staatsoper herausgeholt hat und herausholt. Ebenfalls erstmal positiv der manische Künstler, der bis zur Erschöpfung sich und alle anderen fordert. Aber es wird eben auch geschildert der sehr launische, der aggressive Chef, der seine Angestellten bloßstellt und demütigt", so Pöllmann.

Doch nicht nur Barenboim wird als unberechenbar beschrieben, auch die strukturellen Umstände werden kritisiert. Pöllmann: "Der Alleinherrscher über eine Staatsoper, die seit einem Vierteljahrhundert von einem Menschen abhängig ist. Ohne den nichts geht und gegen dessen Willen gar nichts geht. Wo nicht einmal der Intendant der Staatsoper wirklich das Sagen hat."

Der Anfang einer Diskussion

Intendant Matthias Schulz ist der einzige Mensch, der in dem Artikel mit seinem Namen vorkommt. Er sagt, er habe von Problemen mit Barenboim nichts mitbekommen.

"Die Anonymität der Zeugen ist das Manko des Artikels", sagt Rainer Pöllmann, "wir haben in vielen Debatten gelernt, dass eigentlich Vorwürfe konkret werden, wenn auch Personen mit ihrem Namen dafür gerade stehen. Andererseits: Das Charakterbild, das hier gezeichnet wird, ist nicht ganz neu und als Klatsch und Tratsch sind diese Vorwürfe schon lange in der Welt. Und da ist jetzt trotz dieser Anonymisierung eine andere Konkretheit erreicht."

Für Pöllmann kann dieser Artikel "nur der Anfang einer Diskussion sein", die nun geführt werden müsse. Der Artikel sei die Konsequenz einer veränderten Diskussionslage der vergangenen Jahre. Er habe "der künstlerisch-gesellschaftlichen Diskussion einen guten Dienst erwiesen".

"Auch die Klassik muss sich den allgemeinen gesellschaftlichen Fragen stellen. Und dazu gehört auch der Umgang miteinander und die Legitimation von Macht", sagt Pöllmann.

(nh)

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