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Thema / Archiv | Beitrag vom 07.02.2014

BerlinaleZerstörerischer Fanatismus

Der Wettbewerbs-Beitrag "Kreuzweg" von Dietrich Brüggemann

Von Susanne Burg

Jesus am Kreuz (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
Brüggemann entfaltet das Seelenleiden seiner jungen Protagonistin in den 14 Bildern des Kreuzwegs. (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Der deutsche Wettbewerbsfilm "Kreuzweg" handelt von christlichem Fundamentalismus. Die Kapitel der Geschichte einer hoch religiösen Familie hat Regisseur Dietrich Brüggemann mit den Namen der 14 Kreuzwegstationen überschrieben.

"Wenn wir jetzt hier zur Tür hinausgehen, dann sehen wir Menschen, Autos, Häuser, aber keine Feinde …"

Pater Weber sitzt zusammen mit sechs Jugendlichen an einem Holztisch und bereitet seine Zöglinge auf die anstehende Firmung vor. Darauf, was es heißt – wie er es sagt – Soldat Jesu Christi zu sein.

"Ob es nun aufreizende Kleidung ist, obszöne Bilder auf Plakatwänden, satanische Musik oder schädliche Filme. Jeden Tag geraten wir hundertmal in Versuchung und jedes Mal ist es eine kleine Schlacht zwischen Gott und dem Widersacher, dem Satan. Und wir sind die Soldaten in dieser Schlacht."

Eine der Jugendlichen ist Maria. Sie ist 14 und Mitglied in der Priesterbruderschaft St. Paulus, einer fiktiven Gemeinde, die sehr an die Piusbruderschaft erinnert. Die Reformen, die die katholische Kirche seit den 1960ern durchgeführt hat, lehnen die Mitglieder ab. Hier wird der strenge Glaube gelehrt. Und in Marias Familie auch gelebt.

"Ich wollte da vielleicht mal in nem Chor mitsingen."

Maria ist in der Schulbibliothek mit einem Mitschüler ins Gespräch gekommen. Der hat sie zur Chorprobe in seinem Chor eingeladen. Und nun berichtet sie ihrer Mutter davon bei der Heimfahrt im Auto.

"Und was singen die da? Viele Bachchoräle. Und'n bisschen Soul und Gospel." – "Soul und Gospel? Und du erwartest, dass ich dir das erlaube?"

Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist angespannt. Die Mutter ist herrisch, kontrolliert Maria, maßregelt sie. In 14 festen Einstellungen erzählt "Kreuzweg" die Geschichte von Maria, die beschließt, ihr Leben für Jesus zu opfern. Jedes Filmtableau beginnt mit einer Kapitelüberschrift der 14 Kreuzwegstationen von Jesus. "Kreuzweg" ist die Geschichte einer hoch religiösen Familie, aber es ist auch ein Film über fundamentale Glaubensvereinigungen und die zerstörerische Kraft religiösen Fanatismus.

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