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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.02.2020

Berlinale-Kamera für Ulrike OttingerIm Paris der 60er Jahre ins Kino eingetaucht

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Ulrike Ottinger, Künstlerin und Regisseurin, erhält die Auszeichnung Berlinale Kamera bei der 70. Berlinale in 2020. (Michael Kappeler/dpa)
Paris war für die Regisseurin und Künstlerin Ulrike Ottinger in jungen Jahren eine Quelle an neuen Bekanntschaften und Kinokultur. (Michael Kappeler/dpa)

Die Regisseurin Ulrike Ottinger ist mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet worden. Gleichzeitig hatte ihr neuer Film "Paris Calligrammes" über ihre Zeit im Paris der 60er Jahre Premiere. Dort lernte sie berühmte Künstler kennen und den Film lieben.

Mit 20 Jahren war für Ulrike Ottinger klar: Ihre Zukunft liegt nicht in Deutschland. Da das französische Militär in Süddeutschland stationiert war, war ihre "Edukation" in Konstanz schon sehr französisch geprägt. "Und ich bin dann mit 20 Jahren nach einem kurzen Umweg über München nach Paris aufgebrochen, weil das damals in der Kunst - übrigens auch intellektuell - einfach eine Stadt war, wo ich dachte: Da möchte ich sein, da möchte ich jetzt arbeiten und etwas erfahren über diese Welt", so Ottinger.

Freundschaften mit der Pariser Bohème

In ihrem Film "Paris Calligrammes" zeigt die Regisseurin die Bekanntschaften und Freundschaften, die sie damals dort schloss - von dem Buchhändler Fritz Picard und seiner "Librairie Calligrammes" bis zu dem Künstlerpaar Philippe und Re Soupault, von den Vorlesungen von Levy-Strauss bis zum jungen Daniel Cohn-Bendit.

Aussenansicht der Buchhandlung "Librairie Calligrammes " in Paris in dem gleichnamigen Film von Ulrike Ottinger (Ulrike Ottinger)Die Buchhandlung "Librairie Calligrammes " war für Ulrike Ottinger ein Ort der Begegnung und der gelebten Diskussionskultur. (Ulrike Ottinger)

Die kleine Buchhandlung "Librarie Calligrammes" in Paris in einer Seitenstraße in St. Germain sei äußerlich "unscheinbar" gewesen. Aber: "Ich wüsste heute keinen Ort mehr, wo so etwas geschieht und wo soviel verhandelt wird, was die Gesellschaft betrifft, was künstlerische Entwicklungen, politische Entwicklungen betrifft." Und dort sei sie den Dadaisten Raoul Hausmann und Tristan Tzara sowie Max Ernst und Walter Mehring begegnet. Es habe ein große "Diskussionskultur" gegeben damals.

Am liebsten beobachtend durch die Straßen streifen

Im turbulenten Paris der späten 60er Jahre sei sie eine "Beobachterin" gewesen. "Als ich nach Paris kam, oder auch als ich das erste Mal nach Berlin kam, ging ich durch die Straßen. Und das ist das, was ich am liebsten tue, und ich beobachte. Oder ich sitze in einem Kaffeehaus und beobachte und höre, was die Leute sich so erzählen." Das sei "hochinteressant". Für ihre Arbeit als Filmemacherin sei dies sehr inspirierend, "dass ich Dinge sehr lange angucke und eigentlich so lange, bis ich sie verstehe oder vielleicht auch glaube, sie zu verstehen."

Paris sei auch der Ort gewesen, wo sie ihre Filmausbildung erhalten habe, eingetaucht sei in die Filmgeschichte, viel gelernt habe über das russische Kino und über den deutschen expressionistischen Film sowie die Independents und cineastischen Werke aus den französischen Kolonien. Damals habe sich dann auch bei ihr die Idee festgesetzt, selber Filme machen zu wollen. 

Der Film "Paris Calligrammes" läuft am 5. März in den Kinos an. 

(kpa)

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