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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 15.05.2016

Berlin-TempelhofDer größte deutsche Sportplatz ist ein Flugfeld

Von Elmar Krämer

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Radfahrer auf dem Tempelhofer Feld - die große Rund ist über sechs Kilometer lang. (Eric Pawlitzky)
Radfahrer auf dem Tempelhofer Feld (Eric Pawlitzky)

380 Hektar, keine Ampeln, keine Autos. Ein idealer Ort zum Sporttreiben und der wahrscheinlich größte deutsche Sportplatz - das ist das Flughafengelände in Berlin-Tempelhof. Jährlich kommen rund zwei Millionen Besucher dorthin. Auch unser Reporter Elmar Krämer war da.

Sonntag, später Nachmittag. Ich mache mich auf den Weg zum Tempelhofer-Feld – mit dem Fahrrad durch die Karl-Marx-Straße, die Flughafenstraße – keine Gegend, in der man entspannt Radfahren kann – doch das ändert sich schlagartig, als ich auf das Rollfeld rolle.                                                                                          

Über der Wiese flattert eine Feldlerche und zwitschert, als würde sie das sportliche Geschehen kommentieren.Die Sonne scheint, weiße Wolken unterstützen die Weite. Eine Joggerin kommt vorbei:  

"Der Himmel ist das Schöne an diesem Feld. Ich finde, wenn man das Feld betritt, hat man den Eindruck, es ist ein friedlicher Ort."        

Alltagsstress muss draußen bleiben

380 Hektar, die zum Sporttreiben einladen. Eine Runde um das Feld ist über sechs Kilometer lang, keine Ampeln, keine Autos. Ideal für Laufveranstaltungen, Radrennen und viele andere Wettkämpfe, die hier stattfinden. Aber vor allem Ideal für Freizeitsport, finden Adrian und Lewin:

"Perfekt zum Laufen, perfekt zum Skaten – ich lauf Rollschuh gerade -  perfekt zum Fußballspielen. Wir kicken hier am Sonntag – kein Leistungsfußball, wir spielen einfach nur, um Spaß zu haben. Wir haben uns jetzt nach dem Fußball noch getroffen und ein bisschen hin- und her gepasst den Ball. Jeder ist willkommen und jeder der will, kann mitmachen." 

Es scheint, als würden die Menschen den Alltagsstress am Eingang lassen. Die Größe des Feldes und die Weite machen den Ort einmalig – nicht zuletzt für die Kite-Surfer. Seit einem tödlichen Unfall Ende des vergangenen Jahres dürfen die sich allerdings von ihren gigantischen Lenkdrachen nur noch über die Nordwiese und ein Stück der südlichen Rollbahn ziehen lassen.

(Deutschlandradio / Elmar Krämer)Auch viele Kite-Surfer kommen Woche für Woche aufs Tempelhofer Feld (Deutschlandradio / Elmar Krämer)

Henrik sortiert gerade seine Ausrüstung, legt die Leinen des Kites gerade. Er hat auf dem Meer angefangen – doch bis zur Ostsee ist es weit, so ist er jetzt regelmäßig in Tempelhof. 

"Es ist eigentlich stadtnah der einzige Spot, wo der Sport geht – es ist absolut nicht wegzudenken, für jemanden, der kitet, der in Berlin wohnt. Ist eine schöne Alternative, auf einem kurzen Weg den Sport auszuüben, ohne weit fahren zu müssen. Auch spontan auf Windbedingungen zu reagieren und zu sagen, hey, ich gehe jetzt einfach mal zwei Stunden aufs Tempelhofer Feld."

Fast die Hälfte der Besucher nutzt das Feld als Sportplatz

Während Henrik noch an seinem Schirm bastelt, saust Marius schon auf einer Art Skateboard mit großen Reifen vom Kite gezogen über die Wiese, hebt ab, fliegt zwei, drei Meter, landet, fährt eine Kurve. Der Student nutzt jede Gelegenheit, sein Kite in den Wind zu stellen - seit drei Jahren ist er süchtig danach, so sagt er. Auch nach der Stimmung auf dem Feld: 

"Ich habe auch hier auf dem Feld angefangen. Am Anfang alleine und dann hab ich zu den anderen Leuten gefunden und jetzt treffen wir uns hier regelmäßig zum Kiten. Es ist nicht nur der Kitesport, sondern auch, dass man sich hier trifft – zum Grillen auch mal, wenn kein Wind ist."

Schätzungen zufolge besuchen rund zwei Millionen Menschen im Jahr das Tempelhofer Feld. Bei Besucherbefragungen gaben rund 40 Prozent an, zum Sporttreiben auf das Gelände zu kommen. Vor allem zum Radfahren, Joggen, Inlienskaten, Kitesurfen – doch auch Kampf- und Fitnesssportler, Frisbee-Spieler und viele andere trainieren hier regelmäßig.

Ein Zufluchtsort - auch für die Feldlerche

Und während sie ihre Runden drehen, sind in den Hangars Flüchtlinge untergebracht, und auf dem Hangar-Vorfeld soll nun eine Art Flüchtlingsdorf entstehen. Da denkt man auch beim Sport schon drüber nach, sagt die Joggerin: 

"Das weiß man, aber tatsächlich merken tut man das nicht, finde ich. Vielleicht schärft es das Bewusstsein dafür, wie toll das ist, dass man überhaupt so etwas wie freie Zeit und Sport so frei leben kann und machen kann – das vielleicht. Mehr aber auch nicht, weil man ja trotzdem weiterjoggt."

Das ehemalige Flughafengelände bietet einen Zufluchtsort, Sport und Natur. Von April bis August wird übrigens ein Teil der Wiesen für Besucher gesperrt – da nistet dann die Feldlerche. Das gehört auch dazu, findet Robert aus Los Angeles:   

"It’s the sound of nature here – it is really springtime. And this is beautiful, man – there is no place like this."

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