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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 20.01.2015

Berlin Fashion WeekViel Tamtam in einer bodenständigen Stadt

Von Gesine Kühne

Ein Model auf dem Laufsteg bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin 2015 - das Model trägt eine Kreation der deutschen Designerin Anja Gockel (Imago / Xinhua)
Ein Model auf dem Laufsteg bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin 2015 (Imago / Xinhua)

Ist Berlin der richtige Standort für Mode? Kann die deutsche Hauptstadt mit den Haute Couture-Städten Paris, Mailand und New York mitziehen? Die Berliner Fashion Week schafft zumindest die richtige Grundlage.

"Keine Highlights", "langweilig", "die Großen ziehen sich zurück", "nur C-Prominenz" – das sind nur ein paar Schlagworte, die es jedes Jahr wieder über die Berliner Modewoche zu lesen gibt. Ja, es stimmt, Hugo Boss und Escada zum Beispiel zeigen seit nun schon zwei Jahren nicht mehr in Berlin. Und so richtig Haute Couture gibt es in der Hauptstadt auch ganz selten.

Aber seien wir doch mal ehrlich: Berlin ist in den letzten Jahren sehr wohl zu einer kleinen Modestadt herangewachsen.

Vor zehn Jahren gab es nicht mal eine Fashion Week. Hier und da zeigten Berliner Designer in Hinterhöfen ihre Werke. Es gab auch eine Messe, für die PR-Berater Florian Müller damals gearbeitet hat.

Florian Müller: "Es ist sehr viel passiert im Vergleich zu früher, deswegen finde ich ist es eine sehr positive Entwicklung, auch wenn Berlin sicherlich noch nicht da angekommen ist, wo es ankommen könnte. Damit es eine Fashion Week ist, die international vergleichbarer ist."

Vergleichbarer mit Mailand, London, Paris und New York – das sind die Großen, die immer angeführt werden. Natürlich stinkt Berlin gegen die renommierten Standorte ab, weil der Otto-Normal-Deutsche, der mit der Kaufkraft, generell ein schwieriges Verhältnis zu Mode hat.

Berlin hat aber einen großen Vorteil gegenüber den anderen Standorten, sagt Jungdesignerin Marina Hoermanseder, die mit ihren orthopädischen Lederkorsagen vor einem Jahr für großes Aufsehen sorgte.

C-Prominente halten ihre Gesichter in die Kameras

Marina Hoersmanseder: "Die Berlin Fashion Week, die Organisation, das Zelt ist unglaublich professionell und großartig, um dann zu sagen: das ist alles zu klein und zu wenig international und zu wenig Prominenz. Ich hab vor einem Jahr hier in Berlin eine Chance bekommen als unbekanntes Label, als Diplomkollektionslabel, hab ich die Chance bekommen im Zelt zu zeigen, wo bei der ersten Show fast 1000 Leute waren - und das ist eine Chance, die bekommt man nirgends woanders auf der Welt."

Wahrscheinlich das wichtigste Argument für die Berliner Fashion Week: Junge Labels bekommen hier eine Plattform, unterstützt vom Senat, die sie über die Stadt- und auch Landesgrenzen hinweg bekannt macht.

Florian Müller: "Mode steht im Fokus, nicht die VIPs."

Da kann die Dschungelcampprominenz noch so sehr ihre glänzenden Visagen in die Kameras halten, die deutsche Modepresse – ja, auch die gibt es – schreibt über Talente wie Vladimir Karaleev:

"Seitdem wir auf der Fashion Week 'ne Show hatten, hat es die Sache rund gemacht. Vervollständigt. Früher haben wir im Showroom gezeigt, dann kommen die Sachen in die Läden und das war es. Man bekommt auch ein Feedback von der Fachpresse. Das ist wichtig. Berlin ist ein guter Standort, um Mode zu machen und zu präsentieren."

Durch seine Modenschauen hat sich Karaleev in den letzten Jahren international einen Namen gemacht. Jetzt wird es Zeit wieder Geld zu verdienen. Also zurück in den Showroom: Kundenakquise!

"Mode ist ein knallhartes Geschäft."

Überleben funktioniert nur durch Verkäufe und jahrelange harte Arbeit. Und bei all der Funktionskleidung auf deutschen Straßen, muss der gebürtige Bulgare auf die asiatischen Länder hoffen, um seine alles andere als langweiligen Sachen zu verkaufen.

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