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Buchkritik | Beitrag vom 21.06.2019

Ben Moore: "Mond. Eine Biografie"Von der Faszination des Mondes

Von Susanne Billig

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Montage: Buchcover von "Mond" und Astronauten Edwin Eugene - Buzz - Aldrin Jr. und Neil Alden Armstrong (beide USA) mit der amerikanischen Nationalflagge auf der Mondoberfläche während der Apollo 11-Mission. (Kein & Aber Verlag / imago / UPI Photo)
Ben Moore erzählt in "Mond" auch Anekdoten über die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die als erste Menschen den Mond betraten. (Kein & Aber Verlag / imago / UPI Photo)

Während Neil Armstrong den Mond betrat, war sein Astronautenkollege Buzz Aldrin mit menschlichen Grundbedürfnissen beschäftigt. Anekdotenreich und detailliert erzählt Ben Moore von der Sehnsucht nach dem Mond, uralte Mythen und moderne Wissenschaft.

Vor 50 Jahren betrat der erste Mensch den Mond, ein Fünftel der Weltbevölkerung saß atemlos daheim vor den Fernsehgeräten, um den epochalen wissenschaftlichen Durchbruch live mitzuerleben. In seinem neuen Buch "Mond. Eine Biografie" beginnt Ben Moore die Geschichte der Mondlandung lange vor dieser Zeit – mit der Erfindung der Rakete im China des 13. Jahrhunderts, einer Art überdimensionalem Feuerwerkskörper, der im Krieg gegen die Mongolen Chinas Feinde in Angst und Schrecken versetzen sollte.

Um zum Mond zu gelangen, so erläutert der Autor seinen Einstieg, braucht man ein Gefährt, das die Anziehungskraft der Erde überwinden und das Vakuum des Weltalls durchqueren kann, ohne dass die atmenden Lebewesen darin sterben – es waren Jahrhunderte des Tüftelns nötig, bis eine solche Rakete bereitstand.

Wettlauf zum Mond

Wunderbar detailliert schildert Ben Moore den Erfindungsreichtum der Forscher in Sachen Raketenantriebsformen, chemische Explosionen, die Schubkraft erzeugen, und Flüssigtreibstoffe aller Art. Tief gräbt er sich hinein in den wissenschaftlichen Wettlauf zwischen Sowjetunion und USA und öffnet sein Thema im Laufe des Buches weit.

So nimmt er auch die Suche nach Wasser und Leben auf dem Erdtrabanten in den Blick, wägt die komplexen und bis heute wissenschaftlich nicht recht entschiedenen Theorien über dessen Entstehung gegeneinander ab, berichtet über die Reaktionen der Ozeane und der Erdorganismen auf Mondlicht und Mondzyklen und träumt am Ende seines Buches von neuen bemannten Mondexpeditionen. Um Argumente ist er dabei nicht verlegen: Astronomie, lunare Geologie, Materialkunde, Gesundheitsforschung, Projekte zum Wohnungsbau im All, Mondtourismus und sogar "Öffentlichkeitsarbeit und Inspiration" könnten davon profitieren.

Technik, Wissenschaft und Anekdoten

Wunderbar dicht weiß Ben Moore zu erzählen, wandert leichtfüßig und abwechslungsreich von uralten Mythen und antiker Mondexegese zur neuesten Astrophysik, streift alte und neue Verschwörungstheorien, blickt in Forschungslabore und durch Riesenteleskope, schildert eigene Forschungsträume und -rückschläge und lässt vor allem seine persönliche Faszination für die Mond- und Himmelskunde hell strahlen.

Technik und Wissenschaft schildert der Autor so detailliert und informiert, dass sich auch die altbekannte erste bemannte Raumfahrt liest wie beim ersten Mal, zumal Moore als ausgewiesener Mond- und Weltallforscher intime Kenntnissen der astrophysikalischen Szene besitzt und seine Mondbiografie mit entzückenden Anekdoten anreichern kann: Ja, Neil Armstrong sandte beim Ausstieg aus dem Landemodul den berühmten Satz vom "großen Sprung für die Menschheit" hinunter zur Erde. Sein Astronautenkollege Buzz Aldrin jedoch war mit menschlichen Grundbedürfnissen beschäftigt. "Ich habe mir einen Moment Zeit genommen, um meinen Urinbehälter ein wenig zu füllen", erklärte er öffentlich. Ben Moore aber weiß, was wirklich passiert ist: Als Buzz Aldrin auf die Mondoberfläche hüpfte, riss sein Urinbehälter und sein schöner großer Mondstiefel füllte sich mit dessen Inhalt. Herrlich!

Ben Moore: "Mond. Eine Biografie"
Aus dem Englischen von Katharina Blansjaar
Kein & Aber, Zürich 2019, 320 Seiten, 24 Euro.

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