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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.03.2014

Begegnungen mit Stanisław Skrowaczewski (5/5)

„Ich würde sie gern so lieben....“ – Dirigent und Komponist in einer Person

Stanisław Skrowaczewski (Intermusica)
Stanisław Skrowaczewski (Intermusica)

r dürfte einer der ältesten, wenn nicht der älteste aktive Dirigent im internationalen Konzertleben sein - Stanisław Skrowaczewski. Der polnisch-amerikanische Maestro wurde im letzten Oktober 90 Jahre alt. Unermüdlich reist er um die Welt, um als gern gesehener Gast Konzerte bei renommierten Orchestern von Japan bis Polen zu leiten. Wo er auch ans Pult tritt, erhalten die musikalischen Abende eine besondere Aura – die Aura eines klassischen Ernstes wie auch origineller Frische und Kraft, die sich aus Skrowaczewskis ereignisreichem Leben speisen.

Von Lwów (Lemberg) führte ihn sein Weg über Breslau, Krakau, Kattowitz, Warschau und Paris bis nach Minneapolis. Bis heute ist der Maestro auch in Deutschland regelmäßig zu Gast. Hohes Aufsehen erregte zum Beispiel sein kompletter Zyklus aller elf (!) Bruckner-Sinfonien mit der Deutschen Radiophilharmonie in Saarbrücken.

Mit vielen großen Musikern wie David Oistrach, Henryk Szering und Artur Rubinstein hat er zusammengearbeitet. Bei Nadja Boulanger nahm er als Komponist Unterricht in Paris. George Szell und Leopold Stokowski holten ihn nach Amerika. Eine enge Beziehung pflegte er zu Kollegen wie z.B. Witold Lutosławski, Gunther Schuller oder Krzysztof Penderecki.

Und er komponiert bis jetzt – erhaben und elegant wirkende Musik, in die seine Lebenserfahrungen einfließen, ein Leben zwischen äußerer Gewalt, Glück und Unglücksfällen und innerer Stärke, die nicht zuletzt von einer unerschöpflichen Liebe zur Musik geprägt wird.

Volker Michael hat im vergangenen November und Dezember mit Stanisław Skrowaczewski in Saarbrücken und Berlin Studiogespräche geführt, um ein reiches Leben Revue passieren zu lassen.

In der fünften und letzten Folge geht es um Skrowaczewskis Rolle als Komponist. Eigentlich war er schon schöpferisch tätig, bevor er zu dirigieren begonnen hatte. Als Kind schrieb er für die Hausmusik seiner Eltern, ganz im Stile seiner großen Vorbilder Mozart, Beethoven und Schubert. Eine eigene Ouvertüre klang so sehr nach Mozart, dass der junge Stanisław einen Scherz daraus machte: Xaver Mozart, der Sohn des großen Salzburgers, lebte einige Jahre in Lemberg und habe eine unbekannte Ouvertüre hinterlassen. Niemand hat den jungen Stanislaw des Plagiats überführt, schließlich handelte es sich ja um sein eigenes Stück.

Nach seinem Studium bei Nadja Boulanger in Paris errang er später einige Erfolge mit seinen eigenen Werken. „Präludium, Fuge und Postludium“ – auch dieses Jugendwerk, eines seiner ersten vollgültigen, verweist auf die großen klassischen Vorbilder. In den aufregendsten Jahren seiner Dirigentenkarriere stoppte sein kreativer Schaffensfluss. Um später umso kräftiger wieder auszubrechen.

Skrowaczewski hat sich durchaus mit den Techniken der Avantgarde auseinandergesetzt. Doch nachvollziehbarer Ausdruck sind ihm immer wichtig geblieben. „Ich würde sie gern so lieben wie die Beethovens und Bruckners ...“ – das hat er einmal über seine eigenen Werke gesagt. Viele Musiker und ein großer Teil des Publikums, vor allem in „seinen“ Städten Minneapolis und Saarbrücken haben diese Liebe durchaus schon empfunden.

Viele große Dirigenten wie Leopold Stokowski und Wilhelm Furtwängler haben (nebenbei) komponiert. Die Musik Skrowaczewskis hat gute Chancen, ein Eigenleben zu entfalten.

 
Begegnungen mit musikalischen Zeitzeugen - 
der Dirigent Stanisław Skrowaczewski (5/5)
„Ich würde sie gern so lieben wie die Beethovens und Bruckners" -
der Dirigent als Komponist wichtiger Werke

Stanisław Skrowaczewski
Uwertura Radosna
Großes Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks Kattowitz
Leitung: Stanisław Skrowaczewski

Music at Night, daraus: I. Allegro drammatico
Deutsche Radiophilharmonie
Leitung: Stanisław Skrowaczewski

Konzert für Englischhorn und Orchester (Ausschnitt)
Thomas Gimnich, Englischhorn
hr-Sinfonieorchester
Leitung: Stanisław Skrowaczewski

Fantasie per Sei (Ausschnitt)
Ensemble Capriccio,
Karl Paulnack, Klavier
William Schrickel, Kontrabass
John Snow, Oboe
 
Konzert für Orchester, daraus: Anton Bruckners Himmelfahrt
Minnesota Orchestra
Leitung: Stanisław Skrowaczewski

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