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Konzert / Archiv | Beitrag vom 30.03.2016

Begegnungen mit Juan Allende-BlinImmer ein politischer Impuls

Der kritische Chronist

Der Komponist und Musikpublizist Juan Allende-Blin (Jan Rothstein/privat)
Der Komponist und Musikpublizist Juan Allende-Blin (Jan Rothstein/privat)

Juan Allende-Blin, geboren 1928 in Santiago de Chile und seit 1951 in Deutschland lebend, ist nicht nur ein wichtiger Komponist der Nachkriegs-Avantgarde, sondern auch Musikpublizist, Forscher, (Wieder-)Entdecker, Kurator von Konzerten. In sechs Folgen der Reihe "Begegnungen" erzählt Juan Allende-Blin über sein Leben in Chile und Deutschland, über seine Werke und seine musikalische Ästhetik, aber auch über sein Wirken als Kurator und Forscher.

Als Komponist steht Juan Allende-Blin in der Tradition der Wiener Schule um Arnold Schönberg, realisiert darüber hinaus aber auch Hörspiele und Klangkunst. 1983 erhielt er dafür den renommierten Karl-Sczuka-Preis. Er schrieb aber auch Chansons in der Tradition des großen Berliner Cabarets der 1920er-Jahre. Lebenslang setzte er sich für die von den Nazis oder dem Stalinismus verfemten Komponisten ein.

So geht die Wiederentdeckung des russischen Futurismus, in von Allende-Blin kuratierten Programmen für die Berliner Festwochen, maßgeblich auf seine Initiative zurück. Seine Erfahrungen mit der sowjetischen Kulturbürokratie schildert Juan Allende-Blin in der abschließenden Folge der "Begegnungen" ebenso wie seine Erlebnisse mit John Cage in New York, er spricht über seine Freundschaft mit György Ligeti und die Zusammenarbeit mit Mauricio Kagel.

"Meine ganze Musik ist imprägniert von aller Musik, die ich je gehört habe, von der Gregorianik bis zur Musik der Gegenwart", sagt Juan Allende-Blin. Auch in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden Werke ganz unterschiedlichen Zuschnitts: Werke für den Konzertsaal wie auch Radiocollagen, in denen die autobiographischen Erfahrungen besonders eng mit dem eigenen künstlerischen Schaffen verwoben sind.

Am Ende der "Begegnungen" stehen zwei Werke, die geradezu paradigmatisch sind für das Denken und das Komponieren von Juan Allende-Blin: Ein bitteres Chanson von Georg Kreisler über die Verdrängung der Vergangenheit und "Die Kunst einer Fuge" von Allende-Blins Lebensgefährten Gerd Zacher, in der die große musikalische Vergangenheit und die Gegenwart ineinanderfließen.

Begegnungen mit dem Komponisten Juan Allende-Blin (6/6)
Der kritische Chronist – Begegnungen und Erfahrungen
Frank Schneider und Rainer Pöllmann im Gespräch mit Juan Allende-Blin

Arnold Schönberg
Streichquartett Nr. 2 fis-Moll op. 10
Clemence Gifford, Sopran
Kolisch Quartett

Juan Allende-Blin
"Le Voyage", Kantate für Bariton und zehn Instrumente
auf Verse von Charles Baudelaire
Hans-Christoph Begemann, Bariton
Ensemble Saiten Winds
Leitung: Celso Antunes

Mauricio Kagel
"Improvisation ajoutée" für Orgel
Gerd Zacher, Orgel
Yngve Jan Trede & Juan Allende-Blin, Registranten

Philipp Herschkowitz
Vier Lieder nach Gedichten von Paul Celan
Eva Nievergelt, Sopran
Tomas Bächli, Klavier

Georg Kreisler
"Lassen Sie nur meine Tante"
Georg Kreisler, Gesang und Klavier

Gerd Zacher
"Die Kunst einer Fuge"
Johann Sebastian Bachs "Contrapunctus I" in zehn Interpretationen
Gerd Zacher, Orgel

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