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Konzert / Archiv | Beitrag vom 11.11.2015

Begegnungen mit Helmut Lachenmann (3/4)Meine Musik ist nie unverständlich

Anknüpfen an die Tradition? Die Werke der 1980er Jahre

Komponist und Kompositionslehrer Helmut Lachenmann kommt zur Verleihung des 7. Deutschen Musikautorenpreises am 21.05.2015 in Berlin. Der Preis wurde 2009 von der GEMA ins Leben gerufen und wird in zehn Kategorien verliehen. Foto: Jörg Carstensen/dpa (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Der Komponist Helmut Lachenmann wird dieser Tage 80 (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Am 27. November 2015 feiert Helmut Lachenmann seinen 80. Geburtstag – und die Musikwelt feiert einen Komponisten, der wie kaum ein anderer unsere Art des Hörens und des Denkens über Musik verändert hat. Aus diesem Anlass wiederholt Deutschlandradio Kultur vier Folgen der Reihe "Begegnungen mit Helmut Lachenmann", in denen der Komponist über seine künstlerische Entwicklung, seine Ästhetik und seine Erlebnisse mit Musikern und Institutionen spricht. Die dritte Folge behandelt die Werke der 1980er Jahre und ein stärkeres Anknüpfen an die Tradition.

Helmut Lachenmann, geboren 1935 in Stuttgart, ist einer der wichtigsten und wirkungsmächtigsten Komponisten der Gegenwart, der unsere Hörgewohnheiten und unser Denken über Musik grundlegend verändert hat. Ein Komponist, der seit mehr als einem halben Jahrhundert Jahren mit seiner differenzierten Klangwelt und seinem konsequent die Gesellschaft herausfordernden Kunstbegriff Vorbild und Herausforderung für Generationen von Komponisten und Kunstschaffenden ist.

Sein Werk steht im Kontext abendländischer Musiktradition, die aber einer kritischen Reflexion unterworfen wird. Vermeintliche Sicherheiten werden in Frage gestellt, Verkrustungen und alte Gewohnheiten aufgebrochen. Nicht zuletzt ist Helmut Lachenmann auch ein scharfer und hellsichtiger Beobachter der politischen Verhältnisse, ein unerbittlicher Kämpfer die Freiheit der Kunst von inneren und äußeren Zwängen, gegen ihre Vereinnahmung und Funktionalisierung.

Im Jahr 2013 hat sich Rainer Pöllmann über mehrere Tage hinweg mit Helmut Lachenmann unterhalten – über dessen künstlerische Entwicklung und Ästhetik, aber auch über Lachenmanns Erlebnisse mit Musikern und Institutionen. Diese Gespräche flossen in die siebenteilige Sendereihe "Begegnungen mit Helmut Lachenmann" ein, die Deutschlandradio Kultur im Sommer 2014 ausstrahlte. Zum 80. Geburtstag Helmut Lachenmanns am 27. November wiederholen wir vier Folgen dieser Reihe, ergänzt durch ein O-Ton-Feature mit dem Titel "Vom Widerstand und der Magie. 80 Kapitel zu Helmut Lachenmanns 80. Geburtstag".

Die Musiques concrète instrumentale, von Lachenmann entwickelt Ende der 1960er-Jahre, erlebt Mitte der 70er Jahre eine Erweiterung durch die Einbeziehung konkreter musikalischer Gestalten und ein deutlicheres, wenngleich natürlich auch jetzt immer kritisch-analytisches Anknüpfen an die Tradition. Was mit Orchesterwerken wie "Accanto" oder "Tanzsuite mit Deutschandlied" begann, setzt sich in den 80er-Jahren fort. Einbezogen werden jetzt auch konkrete musikalische Gesten. Exemplarisch dafür sind Werke wie "Allegro sostenuto" oder das Ensemblestück "Mouvement (– vor der Erstarrung)", die heute zu den meistgespielten Werken Lachenmanns gehören.

Auch biographisch bringen diese Jahre eine Veränderung. Nach Lehraufträgen in Basel, Stuttgart und Ludwigsburg wird Helmut Lachenmann im Jahr 1976 Professor für Tonsatz an der Musikhochschule in Hannover. 1981 wird er als Kompositionsprofessor an die Musikhochschule Stuttgart berufen. Zu seinen Schülern zählen unter anderem Manuel Hidalgo, Pierluigi Billone, Mark Andre, Juliane Klein, Stefan Streich, Cornelius Schwehr und Nikolaus Brass. Und auch bei den Darmstädter Ferienkursen für neue Musik, die für Lachenmann am Beginn seiner kompositorischen Entwicklung entscheidende Weichenstellungen brachten, ist der Komponst nun Lehrer und Dozent.

Die vierte Folge der Begegnungen mit Helmut Lachenmann senden wir am 18. November 2015 um 20:03 Uhr. Im Zentrum stehen dann die Werke seit 1998 und die Frage eines Alterswerks.

Begegnungen mit dem Komponisten Helmut Lachenmann
Teil 3: Anknüpfen an die Tradition? Die Werke der 1980er Jahre

Mit Ausschnitten aus folgenden Werken:

Helmut Lachenmann
"Kontrakadenz" für großes Orchester (1970/71)
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart
Leitung: Michael Gielen

Helmut Lachenmann
"Mouvement (– vor der Erstarrung)" für Ensemble
Ensemble Modern
Leitung: Peter Eötvös

Helmut Lachenmann
"Mouvement (– vor der Erstarrung)" für Ensemble
Ensemble Musikfabrik
Leitung: Emilio Pomàrico

Helmut Lachenmann
"Allegro sostenuto" Musik für Klarinette/Bassklarinette, Violoncello und Klavier
Trio Catch

Helmut Lachenmann
"Akiko" aus: "Ein Kinderspiel" für Klavier
Helmut Lachenmann, Klavier

Manuel Hidalgo
"Hacia" Streichquartett Nr. 1
Ensemble Resonanz

Wolfgang Rihm
Musik für drei Streicher
trio recherche

 

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