Beethoven pur

Ludwig van Beethoven (undatierte Zeichnung) © AP
27.10.2011
Die Gelegenheiten werden seltener: Nikolaus Harnoncourt macht sich auf dem Podium rar. Nun dirigiert er wieder einmal die Berliner Philharmoniker und setzt Akzente mit einem reinen Beethoven-Programm – in heutigen Sinfoniekonzerten nicht unbedingt üblich.
1991 dirigierte Nikolaus Harnoncourt erstmals die Berliner Philharmoniker – damals eine Sensation. Denn Herbert von Karajan hatte einen Auftritt Harnoncourts bei "seinem" Orchester stets verhindert. Zwei Jahre nach Karajans Tod lernten die Philharmoniker dann mit Harnoncourt, dass klassische Musik wilder und beredter klingen kann als gewohnt. Aus dem gewagten Experiment wurde eine solide Partnerschaft; Harnoncourt ist in Berlin ein gern gesehener Gast. Aus Altersgründen musiziert der ungebrochen lebhafte Österreicher nur noch selten in Deutschland – womit dieses Konzert zwar keine Sensation mehr, aber eine besondere Gelegenheit sein dürfte.

Das Programm kreist um den Grundton C: Beethovens C-Dur-Messe op. 86 im ersten Teil, Beethovens fünfte Sinfonie c-Moll op. 67 im zweiten Teil; auch hier spielt C-Dur im triumphalen Finale mit seinen ausufernden Schlussakkorden eine gewichtige Rolle. "Durch Nacht zum Licht", mit diesen (und anderen) Schlagworten wurde die Dramaturgie dieser überaus populären Sinfonie von Anfang an belegt.

Während das einprägsame "Tatatataaa" der Fünften zum Fanal der klassischen Musik schlechthin wurde, ist die C-Dur-Messe ein fast unbekanntes Werk, das jedenfalls sehr im Schatten der späteren "Missa solemnis" Beethovens steht. Die konzentrierte, textnahe, traditionellen Elementen abholde C-Dur-Messvertonung löste in ihrer Zeit überwiegend Verwirrung aus – aber auch die Zustimmung E.T.A. Hoffmanns, der schrieb, Beethovens C-Dur-Messe habe "den Ausdruck eines kindlich heitern Gemüths, das, auf seine Reinheit bauend, gläubig der Gnade Gottes vertraut und zu ihm fleht". Größer könnte der Kontrast zu der prometheisch-selbstbewussten fünften Sinfonie kaum sein!

Live aus der Philharmonie Berlin


Ludwig van Beethoven
Messe für Soli, Chor und Orchester C-Dur op. 86

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
Olaf Wilhelmer im Gespräch mit Nikolaus Harnoncourt

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67


Julia Kleiter, Sopran
Elisabeth von Magnus, Alt
Werner Güra, Tenor
Florian Boesch, Bass
Rundfunkchor Berlin
Berliner Philharmoniker
Leitung: Nikolaus Harnoncourt