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Konzert / Archiv | Beitrag vom 04.08.2018

"Beatrice Cenci" bei Bregenzer FestspielenPackende Oper über Mord und Korruption

Moderation: Volker Michael

Eine Szene aus Berthold Goldschmidts Oper "Beatrice Cenci" bei den Bregenzer Festspielen (Karl Forster/Bregenzer Festspiele)
Eine Szene aus Berthold Goldschmidts Oper "Beatrice Cenci" bei den Bregenzer Festspielen (Karl Forster/Bregenzer Festspiele)

Brutal ist Graf Francesco Cenci, pervers und dekadent. Doch er ist reich, und die Kirche deckt seine Schandtaten. Seine Tochter Beatrice leidet am meisten. Berthold Goldschmidt hat aus diesem Renaissance-Stoff eine spannende Oper gemacht.

Jährlich präsentieren die Bregenzer Festspiele mindestens eine Entdeckung, eine selten oder nie gespielte Oper. Im Sommer 2018 ist das der Dreiakter "Beatrice Cenci" des aus Hamburg stammenden Komponisten Berthold Goldschmidt. Er erlebte einen erfolgreichen Start seiner Musikerlaufbahn in den 1920er Jahren, war Student von Franz Schreker in Berlin und musste dann ins englische Exil fliehen, vertrieben wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner Beziehungen zur musikalischen Avantgarde. Seine erste Oper "Der gewaltige Hahnrei" wurde noch kurz vor der Machtübergabe an die Nazis uraufgeführt.

Späte Anerkennung

1947 wagte er sich dann daran, eine Oper aus dem Cenci-Stoff zu machen, der ihm bereits in seiner Jugend in der Erzählung von Stendhal begegnet war. Aber erst Ende der 1980er Jahre wurde diese Oper konzertant in London uraufgeführt - und dann 1994 auf der Bühne erstmals gegeben - in Magdeburg. Da Berthold Goldschmidt das gesegnete Alter von 93 Jahren erreichte, konnte er die späte Anerkennung und Aufführung seiner Werke noch miterleben.

Blutrünstige Geschichte

Den historisch verbürgten Stoff der Beatrice Cenci haben viele Literaten und mindestens vier Komponisten so interessant gefunden, dass sie daraus neue Kunstwerke geschaffen haben. Berthold Goldschmidt meinte, er habe eine regelrechte Belcanto-Oper zu dieser blutrünstigen Geschichte geschrieben, was zunächst erstaunlich klingt. Doch natürlich hat auch die grausamste Handlung ihre schönen Passagen, allzumal wenn es um eine junge Frau wie Beatrice Cenci geht, die sich gegen ihren despotischen und perversen Vater zu wehren versucht.

Am Ende dieser Version der römischen Tragödie lässt der Papst Beatrice und ihre Stiefmutter, die das Mordkomplott mitgeschmiedet hat, hinrichten, auch um zu verdecken, dass er selbst zu lang das mörderische Treiben des Grafen Francesco geduldet hat.

Eine Szene aus Berthold Goldschmidts Oper "Beatrice Cenci" bei den Bregenzer Festspielen (Karl Forster/Bregenzer Festspiele)Eine Szene aus Berthold Goldschmidts Oper "Beatrice Cenci" bei den Bregenzer Festspielen (Karl Forster/Bregenzer Festspiele)

Bregenzer Festspiele
Festspielhaus
Aufzeichnung vom 18. Juli 2018

Berthold Goldschmidt
"Beatrice Cenci", Oper in drei Akten
Libretto: Martin Esslin nach "The Cenci" von Percy Shelley, deutsche Fassung von Berthold Goldschmidt

Graf Francesco Cenci - Christoph Pohl, Bass
Lucrezia - Dshamilja Kaiser, Mezzosopran
Beatrice - Gal James, Sopran
Bernardo - Christina Bock, Mezzosopran
​Kardinal Camillo - Per Bach Nissen, Bass
Orsino, ein Prälat - Michael Laurenz, Tenor
Marzio, ein gedungener Mörder - Wolfgang Stefan Schwaiger, Bariton
Olimpio, ein gedungener Mörder - Sébastian Soulès, Bass
Ein Richter - Peter Marsh, Tenor
Prager Philharmonischer Chor
Wiener Symphoniker
Leitung: Johannes Debus

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