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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.08.2018

BBC National Orchestra of Wales bei den PromsBegabt, weiblich, vergessen

Moderation: Volker Michael

Die französische Komponistin Lili Boulanger (imago stock&people)
Die französische Komponistin Lili Boulanger gewann als erste Frau 1913 den begehrten Prix de Rome. (imago stock&people)

Mit Werken Lili Boulanger und Morfydd Owen gedenkt das BBC National Orchestra of Wales bei den BBC Proms zweier Komponistinnen, die bei ihrem Tod vor 100 Jahren noch nicht einmal 27 waren.

Lange Zeit war das Komponieren reine Männersache. Nur wenige Komponistinnen konnten sich mit eigenen Werken einen Namen machen, eine große Karriere blieb den meisten verwehrt. Die BBC Proms wollen einigen dieser Frauen in ihrer diesjährigen Ausgabe ein Gesicht geben.

Arbeiten gegen die Zeit

Nur 24 Jahre alt war Lili Boulanger, als sie im März 1918 an den Folgen einer langen Krankheit starb. Dabei hatte die junge Französin in ihrem kurzen Leben einiges erreicht, so schaffte sie es, als erste Frau 1913 den begehrten Prix de Rome zu gewinnen. "D’un matin de printemps" (An einem Frühlingsmorgen) und "D'un soir triste" (An einem traurigen Abend) sind vermutlich die letzten Stücke, die Lili Boulanger kurz vor ihrem Tod unter größter Anstrengung zu Papier brachte.

Während "D’un matin de printemps", trotz kräftiger Akzente, ganz und gar dem Impressionismus verhaftet ist, spiegeln sich in "D'un soir triste" mit großer Wucht die Trauer und Bedrückung des eigenen Schicksals wider.

Waliser Sinfonik

Als "nationale Tragödie" galt der Tod der Waliserin Morfydd Owen im September 1918, kurz vor ihrem 27. Geburtstag. Über 180 Werke für unterschiedliche Besetzungen hat die Komponistin, Pianistin und Mezzo-Sopranistin hinterlassen, vor allem in ihren Gesangsstücken hat sie sich immer wieder auf ihre walisische Heimat bezogen. So schnell, wie sie mit ihrer Musik in Wales und London Karriere gemacht hatte, so schnell war sie nach ihrem plötzlichen Tod auch wieder vergessen.

Erst nach und nach werden ihre Werke wieder aus den Archiven geholt und aufgeführt. Für ihr zartes und hochmelodiöses Nocturne erhielt Morfydd Owen 1913 die silberne "Charles Lucas"-Medaille der Royal Academy of Music.

Urgesteine der Romantik

Mit komponierenden Frauen kannten sich zwei Komponisten besonders gut aus: Felix Mendelssohn Bartholdy, der schon als Junge mit seiner Schwester Fanny Hensel um die Wette komponierte. Und Robert Schumann, der in den Werken seiner Frau Clara Schumann immer wieder Anregungen zu seiner eigenen Musik fand.

Auch diese beiden Urgesteine der Romantik kommen in diesem Konzert zu Wort, Bertrand Chamayou spielt Mendelssohn Bartholdys erstes Klavierkonzert in g-Moll, ein Jugendwerk, das der Komponist zwar oft zum besten gab, restlos überzeugen konnte ihn sein "schnell dahingeworfnes Ding" allerdings nicht.

Den Abschluss bildet Robert Schumanns vierte Sinfonie. Wir hören sie ohne die späteren Überarbeitungen und Neuinstrumentierungen in der Originalversion von 1841, so, wie er sie Clara zu ihrem 22. Geburtstag geschenkt hat.

Der Dirigent Thomas Søndergård (Andy Buchanan/Musikfest Berlin)Der Dirigent Thomas Søndergård leitet das BBC National Orchestra of Wales. (Andy Buchanan/Musikfest Berlin)

BBC Proms
Royal Albert Hall, London
Aufzeichnung vom 20. Juli 2018

Lili Boulanger
"D'un matin de printemps"
"D'un soir triste"

Felix Mendelssohn Bartholdy
Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25

Morfydd Owen
"Nocturne"

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120 (Originalversion 1841) "Symphonische Fantasie"

Bertrand Chamayou, Klavier
BBC National Orchestra of Wales
Leitung: Thomas Søndergård

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