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Fazit | Beitrag vom 06.06.2020

Baukulturelle LeitlinienRegierung will Bewusstsein für Architektur stärken

Turit Fröbe im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Der Mini-Tapiola-Spielplatz befindet sich im Zentrum des berühmten Nachkriegsstadtteils Tapiola in Espoo. (Turit Fröbe)
Der Mini-Tapiola-Spielplatz befindet sich im Zentrum des berühmten Nachkriegsstadtteils Tapiola in Espoo, der zweitgrößten Stadt Finnlands. (Turit Fröbe)

Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr baukulturelle Leitlinien verabschieden. Damit will sie das Bewusstsein für Architektur in der Gesellschaft stärken. Die Urbanistin Turit Fröbe erklärt, was man dabei von Finnland lernen kann.

Seit 1998 gibt es in Finnland eine offizielle Architekturpolitik. Bürgerinnen und Bürger sollen ein besseres Verständnis für Architektur und die ästhetische und soziale Bedeutung von Baukultur entwickeln. 

Das Land ist bei diesem Thema Vorreiter. Gut 20 Jahre später wird auch in Deutschland über dieses Thema intensiv nachgedacht. Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr baukulturelle Leitlinien verabschieden.

Die Urbanistin und Architekturhistorikerin Turit Fröbe hat sich die Situation in Finnland genauer angesehen und gerade ein Buch über die dortige Architekturpolitik und baukulturelle Bildung veröffentlicht. Sie sagt, die Finnen würden sich sehr gut in ihrer Architekturgeschichte auskennen und seien auch sehr stolz auf diese. 

Mit dem neuen Grundrecht kamen auch neue Pflichten

Der Grund für die Architekturpolitik liege aber in einer Entscheidung aus dem Jahr 1995. Damals wurde das Recht auf angemessen und gesund gestaltete Umgebung in den Grundrechtskatalog der finnischen Verfassung aufgenommen, wie die Urbanistin ausführt. Doch "damit kamen auch Pflichten", sagt Fröbe, nämlich die, sich um das kulturelle Erbe zu kümmern und sich an Prozessen in der eigenen Lebensumgebung zu beteiligen.

Figuren an der Fassade des Hauptbahnhofes in Helsinki. (Turit Fröbe)Figuren an der Fassade des Hauptbahnhofes in Helsinki. (Turit Fröbe)

"Dieses Grundrecht hat es erforderlich gemacht, dass auch die baukulturelle Bildung, also das Bewusstsein für Baukultur, in der Gesellschaft verbessert wurde, und deshalb hat man diese Architekturpolitik aufgelegt."

Das sei eigentlich eine landesweite Bildungskampagne gewesen, sagt die Architekturhistorikerin. Und diese baukulturelle Bildung habe einen hohen Stellenwert in der finnischen Kulturpolitik, berichtet Fröbe.

Vielfältige Reformen

Dazu habe man das Thema in den Schulen, der Ausbildung von Lehrkräften und in der Erwachsenenbildung verankert sowie Politiker und Entscheidungsträger geschult. In Deutschland sei das Thema zwar in den Lehrplänen verankert, doch werde baukulturelle Bildung an Schulen nicht angeboten, weil entsprechend ausgebildete Lehrkräfte fehlten, sagt Fröbe.

Der Strand im Osten von Helsinki. (Turit Fröbe)Der Strand im Osten von Helsinki. (Turit Fröbe)

Eine weitere Besonderheit in Finnland sei, dass Bürger schon sehr früh beteiligt werden, wenn Bauprojekte aufgelegt werden. Während in Deutschland Projektentwürfe erst veröffentlicht würden, nachdem eine Jury sie gesichtet hat, würden sie in Finnland der Bevölkerung viel früher gezeigt.

Auf einer Online-Plattform könnten Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen und ihre Meinung kundtun – "lange bevor die Jury die Sachen zu sehen bekommt". Zwar beeinflusse die Bürgermeinung nicht wirklich das Endresultat, erklärt Fröbe. Trotzdem handle es sich aber um ein Erfolgsmodell: "Initiativen bilden sich heraus, die bestimmte Projekte bewerben und die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich mitgenommen."

(ckr)

Turit Fröbe: "Architekturpolitik in Finnland: Wie Baukulturelle Bildung gelingen kann"
Jovis Verlag, Berlin 2020
192 Seite, 35 Euro

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