Samstag, 28.11.2020
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.09.2020

Barockoper "Arsilda Königin von Pontus"Václav Luks erweckt Vivaldi

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent animiert lachend und mit großer Geste seine Musiker zum engagierten Spiel.  (Václav Luks / Petra Hajská)
Der Dirigent Václav Luks ist ein Barock-Kenner. (Václav Luks / Petra Hajská)

Vacláv Luks hat Lust auf das Wiederentdecken. So hat er eine bahnbrechende Neuaufführung von Vivaldis unbekannter Oper "Arsilda" mit Solisten und seinem Collegium Vocale 1704 auf die Bühne gebracht - ein Szenarium voller Verwechslungen und unbändiger Liebe.

Antonio Vivaldis siebenter Beitrag zur Gattung Barockoper, "Arsilda – Regina di Ponto", ist ein wenig bekanntes Kleinod. Im November 2019 haben der Dirigent Václav Luks, sein Collegium und Collegium Vocale 1704 und einige Solistinnen und Solisten das Werk im Prager Rudolfinum konzertant auf die Bühne gebracht.

Inszenierte Aufführungen gab es bereits in den Monaten zuvor an mehreren Orten, u.a. in Bratislava. Václav Luks steht also im Stoff. Er gibt in dieser Sendung Auskunft über Inhalt und Bedeutung der Oper.

Musiker und Sängerinnen stehen auf einer rötlich beleuchteten Bühne und nehmen ihren Beifall entgegen. (Collegium 1704 / Michal Adamovský)Collegium Vocale 1704 und Collegium 1704 im Rudolfinum Prag (Collegium 1704 / Michal Adamovský)

Antonio Vivaldi war lange Zeit nur als Komponist von Instrumentalmusik bekannt. Auch weil er selbst ein hervorragender Geiger war. Doch seine Liebe und Fantasie bezogen sich auch auf alle anderen Instrumente und nicht zuletzt auf die menschliche Stimme, solistisch oder chorisch.

Dass er fast einhundert Opern komponiert habe, soll er selbst behauptet haben. Überliefert sind nur gut dreißig Musikdramen. Und die zum Teil auch nur mit ihrem Text, nicht mit der Musik. Das tut Rang und Wichtigkeit des Venezianischen Komponisten keinen Abbruch.

Liebe, Eifersucht und Betrug

Im Jahr 2019 haben wir Ihnen an dieser Stelle bereits das Oratorium "Juditha Triumphans" vorgestellt in all seiner Länge und Schönheit - in einer Aufnahme des polnischen Festivals Wratislavia Cantans. Nur wenige Monate vor diesem Oratorium hat Antonio Vivaldi die Oper "Arsilda Regina di Ponto" komponiert.

Musikalisch gesehen sind beide Werke also nah miteinander verwandt, zum Teil klingen sie sogar ähnlich. Anders als das biblische Judith-Oratorium hat die Oper "Arsilda" aber keinerlei politischen Hintergrund. Hier geht es zuvorderst um menschliche Gefühle, um Liebe, Eifersucht, Betrug, Verwechslung und Verkleidung.

Fantasieland Kleinasien

Die Handlung der Oper Vivaldis ist komplex und im alten Vorderasien angesiedelt. Zu einer undefinierbar antiken Zeit treffen Prinzessinnen, Hofdamen, Könige und Berater aufeinander. Verwirrend ist das Ganze deshalb, weil mindestens zwei Personen sich verkleidet haben und eine andere Person zu sein vorgeben.

Keiner kann der anderen Person also vertrauen, hinter jeder Aussage aus Rezitativ oder Arie liegt also ein doppelter Boden verborgen. Das ist eine reizvolle Herausforderung für den Komponisten – Antonio Vivaldi hat sie mit aller verfügbaren Fantasie angenommen und gemeistert. Domenico Lalli, ein bekannter italienischer Librettist, hat den Text für die Oper geschrieben. Außer Vivaldi scheint kein weiterer Komponist diese Opernvorlage vertont zu haben.

Die Münze zeigt einen Kopf, er von prächtigen Locken umgeben ist. (imago images / Artokoloro)Eine antike Silbermünze aus der Stadt Tarsus in Kilikien (Kleinasien). (imago images / Artokoloro)

Die handelnden Personen sind Tamese und Lisea, ein Zwillingspaar, das nach dem Willen der Mutter die Herrschaft im Königreich Kilikien antreten soll. Tamese liebt Arsilda, die Prinzessin von Pontos, und Lisea hat sich mit dem König von Lydien, Barzane verlobt.

Außer diesen vier jungen Adligen treten noch Cisardo, der Onkel der Zwillinge, Nicandro als Tameses Freund und Mirinda als Liseas Vertraute auf. Zudem gibt es einen Chor, der die Stimme des Volkes ist. Spielort ist im Wesentlichen die Stadt Ama, die Hauptstadt Kilikiens. Lydien, Pontos und Kilikien waren in den Jahrhunderten um Christi Geburt tatsächlich kleine Königreiche auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Die Personen in Vivaldis Oper sind aber wohl frei erfunden.

Instrumental innovativ

Das Instrumentarium, das Vivaldi hier verwendet, ist in Teilen exquisit und innovativ. Eine Arie erhält die Begleitung eines Salterio, einer Kastenzither, Jagdhörner erklingen im Duett, denn die Jagd ist ein wichtiges Sujet in der Oper. Nicht zuletzt erhält das Fagott solistische Passagen – ebenfalls in Begleitung einer Arie.

Das Gespräch mit dem Dirigenten Václav Luks können Sie hier nachhören:

Aufzeichnung vom 12. November 2019 im Rudolfinum Prag

Antonio Vivaldi
"Arsilda, Regina di Ponto", Oper in drei Akten RV 700
Libretto: Domenico Lalli

Mirinda - Lenka Máciková, Sopran
Nicandro - Helena Hozová, Sopran
Arsilda - Mireille Lebel, Mezzosopran
Lisea - Aneta Petrasová, Mezzosopran
Barzane - Kangmin Justin Kim, Countertenor
Tamese - Fernando Guimarães, Tenor
Cisardo - Abadie Lisandro, Bass
Collegium Vocale 1704
Collegium 1704
Leitung: Václav Luks

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