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Interview | Beitrag vom 23.09.2019

Barbara Unmüßig zum Klimagipfel"Deutschland muss ambitioniert zeigen, wie der Umbau funktioniert"

Moderation: Julius Stucke

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Windräder drehen sich hinter Hochspannungsleitungen bei Teutschenthal in Sachsen-Anhalt. (dpa / Jan Woitas)
Klimafreundliches Handeln werde auch weiterhin Wachstum erzeugen, so Barbara Unmüßig. (dpa / Jan Woitas)

Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung fordert, dass Deutschland beim Klimaschutz voran gehen müsse. Es sei wichtig, dass eine Exportnation wie Deutschland zeigt, dass der Umstieg auf eine grüne Ökonomie zu schaffen sei.

An dem UN-Klimagipfel in New York nahm auch Angela Merkel (CDU) teil. In einer Rede am Montag beschrieb die Bundeskanzlerin das Maßnahmenpaket der Bundesregierung für den Klimaschutz als Beginn eines "tiefgreifenden Wandels" in Deutschland. Kurz zuvor hatte die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen beim Klimaschutz vorgeworfen.

Auch Barbara Unmüßig, Vorsitzende der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, Klima-Experten und Ko-Autorin des Buchs "Kritik der grünen Ökonomie", fordert ein größeres Engagement der Internationalen Staatengemeinschaft – vor allem von Deutschland.

Barbara Unmüßig, Politologin und Vorstandsmitglied der Heinrich Böll Stiftung. Eine Frau mit kurzen Haaren sitzt in einem hellen Raum an einem Tisch. (picture alliance / dpa / Sina Schuldt)Barbara Unmüßig, Politologin und Vorstandsmitglied der Heinrich Böll Stiftung (picture alliance / dpa / Sina Schuldt)

"Es ist absolut wichtig, dass eine Exportnation wie Deutschland zeigt, dass wir den Umstieg schaffen auf Nullemissionen bis zum Jahr 2050, wenn wir wirklich 1,5 Grad mittlere Klimaerwärmung ernst nehmen."

So müsse gerade auch jetzt im Zuge des Klimagipfels in New York Deutschland "ambitioniert zeigen", wie der Umbau in einem Industrieland funktioniere, sagt Unmüßig.

"Wir müssen auch schrumpfen"

Klimafreundliches Handeln, der Ausbau von Ladesäulen und der Umbau der Mobilität werde auch weiterhin Wachstum erzeugen, so die Politologin. Man müsse aber gleichzeitig darüber reden, "an welch anderer Stelle wir schrumpfen müssen".

So sei der Materialverbrauch in Deutschland pro Kopf bei Kleidung und Plastik "ganz, ganz hoch", und ein geringerer Verbrauch sei ein zentrales Thema. So brauche es Beispielsweise in der Agrarindustrie Anreize, um die Massentierhaltung umzustellen.

"Wir sind dabei, sensible Ökosysteme zu zerstören"

Barbara Unmüßig gilt aber auch als Kritikerin der grünen Ökonomie. Obwohl sie betont, dass sie grundsätzlich nichts daran störe, "wenn drin ist, was drauf steht". Ihr gehe es darum zu begreifen, dass z.B. der Abbau von Lithium, Mineralien und anderen Rohstoffen in Dritte-Welt-Ländern Folgen hinterlasse:

"Wir sind dabei, sensible Ökosysteme z.B. in Bolivien oder in anderen Ländern zu zerstören. Dort machen wir z.B. die Salzseen kaputt."

Jahrhundert Jahre alte Kakteen am Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien. (imageBROKER/Erich Schmidt)Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien: "Dabei, sensible Ökosysteme zu zerstören." (imageBROKER/Erich Schmidt)
Natürlich sei ein Umbau, Effizienz und Alternativen nötig, sagt Unmüßig: "Aber bitte lasst uns darüber nachdenken, ob wir hier nicht wieder neue Fehler produzieren."

Der Einstieg in die erneuerbaren Energien und der hohe Anteil der Produktion an den Primärenergien in Deutschland sei "absolut wertvoll", sagt die Politologin. "Aber wir sprechen in Deutschland doch auch über das Energieparadoxon."

Einerseits sei Deutschland führend, erneuerbare Energie auszubauen, gleichzeitig sei Deutschland aber nicht in dem Maße aus der Kohle ausgestiegen, wie das hätte geschehen müssen. "Wir sind nach wie vor Weltmeister in der Braunkohleproduktion, und deswegen sind die Emissionen in Deutschland pro Kopf überhaupt nicht gesunken."

Man müsse nicht nur drüber reden, wie man in der Stromgewinnung effizienter sein könne, sondern wie man auch Strom sparen könne, sagt Unmüßig.

(jde)

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