Bahnhof des Jahres

    Respekt vor den Reisenden

    09:08 Minuten
    Blick auf das sanierte Gebäude des Hauptbahnhofes Cottbus.
    Der Cottbuser Hauptbahnhof wurde für viel Geld saniert. Doch oft tut sich die Deutsche Bahn nicht gerade als Innovationsgeberin hervor, sagt Thomas Krüger. © picture alliance / dpa / Patrick Pleul
    Thomas Krüger im Gespräch mit Ute Welty · 15.09.2021
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    Modern, freundlich, sauber: Der Hauptbahnhof in Cottbus ist "Bahnhof des Jahres". Doch was macht die Qualität eines solchen Ortes aus? Ankommen und abfahren müssten ein "erhabenes Erlebnis" sein, sagt der Architekt Thomas Krüger.
    Der Umbau hat 30 Millionen Euro gekostet, jetzt kommt die Belohnung: Der Hauptbahnhof von Cottbus ist vom Verein "Allianz pro Schiene" zum "Bahnhof des Jahres" gekürt worden.
    "Aus dem Zweckbau im Stil der 1970er-Jahre ist ein moderner, freundlicher, sauberer und kundenfreundlicher Bahnhof geworden", lautet die Begründung. Züge und örtlicher Nahverkehr seien effektiv vernetzt, der Umstieg dank kurzer Wege komfortabel.
    Eine "große Aufenthaltsqualität" und "architektonische Bedeutung" sieht der Architekt Thomas Krüger als erforderliche Kriterien für einen modernen Bahnhof an. Weder sollte man Bahnreisende in unterirdische Tunnel "verbannen", noch "Kaufhäuser mit Gleisanschluss" bauen, sagt er. Es gehe schließlich nicht nur um Konsum:
    "Das, was die alten Bahnhöfe hatten, dieses erhabene Erlebnis, in einer Stadt anzukommen oder aus einer Stadt wegzufahren, ist keineswegs veraltet, sondern das wird auch wieder gepflegt und gebaut. Und das ist auch notwendig, vor allen Dingen, wenn man jetzt in diesen Zeiten vom Flugverkehr ein bisschen abkommt und wieder auf die gute alte Bahn setzt."
    Blick auf den Bahnhof Rottenbach in Thüringen
    Der Bahnhof Rottenbach in Thüringen wurde dank einer Bürgerinitiative erneuert: ein "Musterbeispiel", wie Thomas Krüger findet.© picture alliance / dpa / Martin Schutt
    Der Architekt kritisiert dabei, dass die Deutsche Bahn nicht gerade "Innovationsgeberin" sei. Bahnhöfe seien in der Vergangenheit oft geschlossen worden, es fehle an "Respekt vor dem Bahnreisenden, der minimale Komfortansprüche" habe, wenn er wegfahre: Kaffee trinken, Zeitung holen, Geld abheben.
    "Das ist eine große Fehlentwicklung gewesen, sich von diesen Bahnhöfen als soziale Orte zu verabschieden", so Krüger.
    Der Bahnhof im 21. Jahrhundert muss nach seiner Ansicht auch wieder dem Gemeinwohl dienen. In Rottenbach in Thüringen zum Beispiel seien ein Bürgerbüro und ein genossenschaftlich geführter Bioladen in den ehemals stillgelegten Bahnhof eingezogen. Schulkinder steigen dort um, Touristen kommen. Das sei ein Musterbeispiel, wie es gehen könne, sagt Krüger.
    (bth)
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