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Tonart | Beitrag vom 12.10.2021

BADBADNOTGOOD: "Talk Memory"Der Soundtrack für einen noch zu drehenden Film

Von Frank Sawatzki

Eine Band steht auf der Bühne. Die Beleuchtung ist in blau gehüllt. Zu sehen ist unter anderem ein Schlagzeug. (picture alliance / dpa / Photoshot)
Die Band BADBADNOTGOOD erklärt Jazz zum Hotspot von Diversität. (picture alliance / dpa / Photoshot)

Das kanadische Jazzensemble BADBADNOTGOOD machte anfangs vor allem mit Coverversionen auf sich aufmerksam. Nun haben die Musiker ihr neues Album "Talk Memory" vorgelegt. Zu hören ist darauf ein größer werdendes Spektrum von Eindrücken und Stilen.

Leland Whitty bildet heute mit Drummer Alexander Sowinski und Bassist Chester Hansen den Kern des Ensembles BADBADNOTGOOD. Ein eingespieltes Team, das aber auch ständig auf der Suche nach frischen Einflüssen ist.

"Ich habe Jazz studiert, das fühlte sich wie eine sehr ernste Sache an, man versuchte, handwerklich aufs höchste Level zu gelangen", erzählt Multiinstrumentalist Leland Whitty. "Als ich in die Band kam, haben die Jungs mich erst einmal mit DJ-Kultur vertraut gemacht. Wie nützlich und interessant das ist, nach neuer Musik zu suchen. Und welch ein enzyklopädisches musikalisches Wissen DJs haben."

Aufs Mitspielen einlassen

Für die Aufnahmen zum neuen Album "Talk Memory" hatte sich die Band reichlich Studiozeit genommen, sie verlustiert sich mit ihren Gästen in zahlreichen Improvisationen und dehnt ihre Idee vom Jazz bis ins Sinfonische. Whitty betrachtet Jazz als eine Schule, aus der man jede Menge mitnehmen kann, wenn man sich nur auf seine Mitspieler einlässt.

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"Das Albumprojekt hat uns klar gemacht, wie wichtig es ist, dass die Generationen voneinander lernen können", sagt Whitty. "Wir konnten auch von den Älteren etwas mitnehmen, die auf der Platte mitmachten, von Laraaji, Terrace Martin und Brandee Younger. Hoffentlich sind diese Erfahrungen in unserer Musik zum Leben erweckt worden und hoffentlich können wir sie an die nächste Generation weiterreichen."

Im Mehrgenerationenhaus des Jazz, das die Kanadier da aufgemacht haben, überrascht vor allem der Beitrag von Artur Verocai. Der legendäre brasilianische Produzent und Arrangeur, der in den 1970-ern Samba und Bossa Nova einer psychedelischen Nachbelichtung unterzogen hatte, wurde erst in den vergangenen Jahren von einem größeren europäischen Publikum wahrgenommen. Badbadnotgood lernten den Grandseigneur der populären brasilianischen Musik 2019 bei einem Auftritt in São Paulo kennen.

"Bevor die Idee einer Zusammenarbeit mit Verocai entstand", berichtet Whitty, "haben wir uns schon auf seine Musik bezogen. Wie er die Improvisation im Jazz mit brasilianischen Harmonien verbindet, mit üppigen Streicher- und Bläserarrangements oder mit psychedelischen Synthesizersounds und Progressive-Rock-Elementen. Er war definitiv ein großer Einfluss."

Folk-Einflüsse integriert

Die Aufnahmen zum Album hatte die Band im März 2020 abgeschlossen, knapp bevor der Ernst der Pandemie allgegenwärtig wurde. Die Klausur im Studio nutzten BADBADNOTGOOD auch, um an ihrem Sound zu arbeiten, erzählt Whitty:

"Wir wollten rauer klingen und mehr improvisieren. Wir haben versucht, Folk-Einflüsse in den Jazz zu integrieren, so als hätte uns Nick Drake zu einer John-Coltrane-Improvisation inspiriert."

"Talk Memory" klingt über weite Strecken wie ein Soundtrack für einen noch zu drehenden Film. Manchmal deuten sich instrumentale Geschichten in den Songs an, im nächsten Moment aber verlassen diese die Handlungsebene und wildern in freien Sphären.

BADBADNOTGOOD stehen auch mit diesem Album wieder ziemlich weit vorn im aktuellen Jazz, nicht zuletzt, weil sie ein größer werdendes Spektrum von Eindrücken und Stilen hörbar werden lassen. Weil sie Jazz zum Hotspot von Diversität erklären.

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