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Alte Musik | Beitrag vom 21.10.2020

Bachs Motetten und ihre Rezeption nach 1750"Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen läßt!"

Von Andreas Glöckner

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Gußeisernes Denkmal des Komponisten vor der Thomaskirche. (imago images / Kosecki)
Die Kantaten und Motetten, die Johann Sebastian Bach für die Thomaner schrieb, blieben immer im Repertoire des Traditionschores. (imago images / Kosecki)

Als Mozart im April 1789 in Leipzig weilte, wurde ihm die Motette "Singet dem Herrn" dargeboten. Danach soll er enthusiastisch ausgerufen haben: "Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen läßt!" Damit prägte er die weitere Rezeption.

Im Schaffen Bachs nehmen seine Motetten eine Sonderstellung ein. Gehören sie doch zu einer Werkgattung, deren Blütezeit bereits vergangen war. Gemäß seinem Leitspruch "Es muß alles möglich zu machen seyn", schuf Bach Kronjuwelen der Musikliteratur, die auch für seine Söhne und Schüler einzigartige Vorbilder waren.

In den regulären Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen hatten Bachs Motetten keine Funktion. Fast alle sind sie für Gedächtnisgottesdienste Verstorbener beziehungsweise Beerdigungen (Kasualien) bestimmt. Allerdings ist nur von einem Werk der Entstehungsanlass authentisch überliefert.

Am Leipziger Thomaskantorat hatten Bachs Motetten, im Unterschied zu seinen Kantaten, auch nach 1750 eine ungebrochene Aufführungstradition. Als Paradestücke zählten sie zum festen Repertoire des Chors. Spontan konnten sie aufgeführt werden, wenn prominente Gäste nach Leipzig kamen und die Thomasschule besuchten.

Begeisterter Besucher

Wolfgang Amadeus Mozart ist einer der renommiertesten Zeitzeugen dafür. Nachdem er im April 1789 die Motette "Singet dem Herrn" von 40 Sängern gehört hatte, soll er enthusiastisch ausgerufen haben: "Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen läßt!"

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