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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.04.2017

Bachs Markus-Passion neu komponiertAbgründige Klangbrücke

Aufzeichnung aus dem Merseburger Dom

Der Pianist und Komponist Steffen Schleiermacher (Xavier Miró)
Steffen Schleiermacher hat Bachs Markuspassion neu gedacht (Xavier Miró)

Der Leipziger Komponist Steffen Schleiermacher hat Johann Sebastian Bachs Markus-Passion neu geschrieben. Die "Nach Markus.Passion" wurde bei den Merseburger Orgeltagen von der Merseburger Hofmusik unter Leitung von Michael Schönheit aufgeführt.

Eine Klang- und Zeitbrücke über fast 300 Jahre hinweg: der Leipziger Komponist Steffen Schleiermacher hat mit und aus dem Torso von Bachs Markus-Passion etwas Neues geschaffen.
Johann Sebastian Bachs Passion nach dem Markus-Evangelium – als Text komplett, doch als Komposition nur fragmentarisch erhalten – war gelegentlich auch schon in ihrer unvollständigen Form zu hören. Selbst als Torso ist sie bewundernswert, aber dennoch spürt man Brüche und Leerstellen. Für das vorjährige Leipziger Bachfest und die Merseburger Orgeltage hat Steffen Schleiermacher – Wahl-Leipziger wie seinerzeit Bach selbst – einen anderen, ebenso respektvollen wie zugleich radikal mutigen Ansatz gesucht und Bachs Bruchstücke mit eigenen Teilen zu einem neuen Ganzen gefügt.

Zwar gibt es da keine Kompromisse etwa im Sinne einer pseudo-barocken Stilistik; wohl aber, wie der Journalist Peter Korfmacher als Ohrenzeuge der Uraufführung vor einem knappen Jahr schrieb, eine "rätselhafte Sicherheit", mit der Schleiermacher "an den Nahtstellen zu Bach dessen Gestus, emotionalen Gehalt und Farbe aufnimmt und sie ins Heute trägt". Auch vom "großen Verstummen" des Todes als einem der Leitthemen dieser wie jeder Passion schreibt Korfmacher und davon, mit welcher stillen Erschütterung die Hörer diese "zweieinviertel Stunden zwischen den Zeiten" erlebten.

Es bleibt ein kühnes Experiment, bei dem sich der zeitgenössische Komponist für die Textierung seiner neuen Teile mit dem Dresdner Lyriker Christian Lehnert und dessen gleichermaßen wild-expressiver wie mystischer Sprache verbündete. Eine Klang- und Zeitbrücke über fast 300 Jahre hinweg, unter der sich, damals wie heute, existenzielle Abgründe auftun. Schleiermachers "Nach Markus.Passion" ist vielleicht keine "runde" Sache – aber mit Sicherheit eine eindringliche. 

Merseburger Orgeltage 2016
Merseburger Dom
Aufzeichnung vom 11. September 2016

Steffen Schleiermacher
"Nach Markus.Passion"

Gesine Adler, Sopran
Britta Schwarz, Alt
Eric Stoklossa, Tenor
Dirk Schmidt, Bass
Collegium Vocale Leipzig
Merseburger Hofmusik
Leitung: Michael Schönheit

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