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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 14.11.2020

Autorin Jenni Zylka"Solange wir nicht in Isolationshaft sind, haben wir Kultur"

Jenni Zylka im Gespräch mit Anke Schaefer

Der Schriftzug "Ohne Kunst und Kultur wird's still" steht an der Fassade des Yorck Kinos in Berlin Kreuzberg. (imago images / Bildgehege)
"Ohne Kunst und Kultur wird's still" steht an der Fassade eines Kinos in Berlin. Die Zukunftssorgen Kulturschaffender findet Jenni Zylka berechtigt. (imago images / Bildgehege)

"Systemrelevant" sei die Kultur nicht: Diesen Begriff hält die Autorin Jenni Zylka für falsch, denn die Kultur sei durch die Corona-Maßnahmen nicht weg. Dennoch müsse man verhindern, dass Kulturschaffende bankrott gehen, fordert sie.

Die aktuellen Corona-Maßnahmen, durch die Kultureinrichtungen derzeit geschlossen und Konzerte und große Veranstaltungen verboten sind, seien richtig und wichtig, sagt Schriftstellerin und Journalistin Jenni Zylka. "Es hat gesundheitliche Gründe und nicht den Grund, eine Kultur oder Kulturschaffende zu zerstören."

Die Kultur ist nicht weg

Allerdings seien Kulturschaffende nicht systemrelevant, so wie es Ärztinnen oder Pfleger seien. "Wir haben nämlich Bücher und Filme und Bilder, und wir können singen und tanzen. Und solange wir nicht in Isolationshaft sind, haben wir Kultur", sagt Zylka.

Dennoch gebe es die berechtigte Sorge von Kulturschaffenden um ihre Zukunft. Es dürfe nicht passieren, dass sie zugrunde gehen, Kulturprojekte für immer verschwinden. Allerdings sei das ein wichtiger Unterschied. "Die Gesellschaft geht nicht bankrott, wenn jetzt mal drei Jahre lang oder ein Jahr lang oder so keine Platte von irgendwem rauskommt. Das wäre zwar bescheuert, und dann leiden viele Leute darunter. Aber natürlich brauchen wir das nicht zum Leben."

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Musik, Konzertmitschnitte, Filme und Bücher seien derzeit nicht weg. "Wir können alle mit den alten Sachen eine Weile überleben", so die Autorin.

Der Sänger Herbert Grönemeyer hat vorgeschlagen, dass die Reichen die Kulturschaffenden unterstützen sollten, denn eine Gesellschaft sei wie eine Familie. Das sei eine "super Idee", findet Zylka, allerdings wenig realistisch.

(nho)

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