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Interview | Beitrag vom 29.05.2021

Autor zu 30 Jahre ICE"Ich ärgere mich natürlich über die Unpünktlichkeit"

Klaus Gietinger im Gespräch mit Ute Welty

Ein Intercity Express, aufgenommen 1991. (dpa / DB handout)
Vor 30 Jahren fuhren zum ersten Mal Intercity-Express-Züge auf deutschen Schienen. (dpa / DB handout)

Mit 280 Stundenkilometern von A nach B - das schaffte Intercity Express der Deutschen Bahn, erste Generation. Vor 30 Jahren kam er zum ersten Mal aufs Gleis. Autor Klaus Gietinger würdigt den schnittigen Schnellzug, der allzu oft Verspätung einfährt.

Ein schönes Design und Komfort verbindet der Autor, Regisseur und Sozialwissenschaftler Klaus Gietinger noch immer mit dem deutschen Schnellzug Intercity Express.

Wenngleich die Beinfreiheit mal besser und auch die Bordrestaurants in den 1990ern größer und bequemer waren, sagt der Autor, der unter anderem das 2019 erschienene Buch "Vollbremsung – Warum das Auto keine Zukunft hat" geschrieben hat.

"Leider haben sie dann die Plätze immer enger gebaut, und auch den Speisewagen sehr stark reduziert. Das finde ich auch sehr schade."

Mehr Züge, höherer Takt

Der schnellste Zug der Deutschen Bahn feiert seinen 30. Geburtstag. So lange schon rauscht er über die Trassen des Landes - zumindest wenn nichts dazwischen kommt, und der ICE mal wieder Verspätung einfährt.

"Ich ärgere mich natürlich über die Unpünktlichkeit", sagt Gietinger. "Damals, 1991, waren die Züge wesentlich pünktlicher. Man müsste viel mehr Züge einsetzen und den Takt erhöhen." Oft seien die Wagen total überladen - jedenfalls vor der Corona-Pandemie.

"Integraler Taktverkehr"

Großprojekte wie Stuttgart 21 hätten die Infrastruktur der Bahn zerstört. Zu lange habe man im Unternehmen nur an die geraden, schnellen "Bolz-Strecken" gedacht - und zu wenig an ein attraktives Bahnnetz. 

"Bei einem Zug muss man immer den Netzgedanken im Kopf haben", sagt Gietinger.

"Nicht, wie schnell komme ich von A nach B? Sondern, wie komme ich von A nach B und von B nach und von B nach D und von B nach E? Und da brauche ich einen integralen Taktverkehr so wie in der Schweiz."

Mit einer Sternfahrt zum neu gebauten Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe wurde am 29. Mai 1991 der erste Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland eingeweiht. Wenige Tage später, am 2. Juni, kam der ICE1 erstmals im Linienbetrieb von Hamburg nach München zum Einsatz. 280 Kilometer pro Stunde erreicht der Zug in der Spitze. 

(huc)

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