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Im Gespräch | Beitrag vom 28.09.2021

Autor und Journalist Niklas FrankWenn der "Schlächter von Polen" der eigene Vater ist

Moderation: Tim Wiese

Porträtfoto des Autors und Journalisten Niklas Frank (Mario Chavarria)
Als einziges Kind der Familie setzte sich Niklas Frank aktiv mit seinem Vater auseinander und recherchierte jahrelang zur Familiengeschichte. (Mario Chavarria)

Sein Vater war Generalgouverneur unter Hitler, berüchtigt als "Schlächter von Polen": Dieses Erbe begleitet den Sohn Niklas Frank ein Leben lang. Vor vielen Jahren schon schrieb er eine Abrechnung. Jetzt besorgt Frank das Aufleben alter Nazi-Rhetorik.

Als Sohn von Hans Frank, in der NS-Zeit Generalgouverneur von Polen, wuchs Niklas Frank die ersten sechs Jahre seines Lebens in Wohlstand auf. Schon früh merkte er, welche Macht die Familie hatte: "Zwei Sachen wusste ich: Polen gehört uns, den Franks, und mein Vater war der mächtigste Mann, den es überhaupt gibt." Als "Schlächter von Polen" ging sein Vater in die Geschichte ein. "Diese Karriere hat er eiskalt zuungunsten jedes Menschenrechts verfolgt."

1946 wurde er im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet. Niklas Frank erinnert sich an "Einkaufsfahrten" mit der Mutter ins Ghetto, wo diese den jüdischen Bewohnern Pelze und Schmuck abkaufte. "Wir waren eine durch und durch korrupte Familie", stellt er trocken fest.

Schreiben gegen das Schweigen

Die Distanz, die auch aufgrund einer frühzeitigen Ablehnung des Vaters ihm gegenüber entstanden war, habe ihm das Leben gerettet, meint Frank. Anders als seine Geschwister war der damals Siebenjährige nicht traurig über die Hinrichtung. So hat er später auch nie versucht, die Taten des Vaters zu rechtfertigen oder zu relativieren. Im Gegenteil: Als einziges Kind der Familie setzte er sich aktiv mit seinem Vater auseinander und recherchierte jahrelang zur Familiengeschichte.

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1987 erschien sein Buch "Der Vater" - eine schonungslose Abrechnung; ein Buch, in dem er Hans Frank als den selbstsüchtigen und skrupellosen Mann beschreibt, der er seiner Ansicht nach war. "Der Anlass, der mich immer stärker dazu getrieben hat, dass ich richtig recherchiere, war das fortdauernde Schweigen in Deutschland." Ein Vorabdruck einiger Kapitel erfolgte im Stern, für den Frank viele Jahre als Journalist gearbeitet hat.

Jetzt hat Niklas Frank ein Buch mit Briefen seines Vaters aus dem Gefängnis an die Familie veröffentlicht: "Meine Familie und ihr Henker". Darin zeigt der Vater sich als Mensch, der seine eigene Verantwortung kein Stück anerkennt, einer, der sich immer wieder mit dem "Schicksal" herausredet und sich offensichtlich selbst leidtut: "Er war eine große Kitschnudel, er ist ein großer, schwülstiger Daherschreiber", erklärt Frank.

Als Zeitzeuge in die Schulen

Aktuell macht er sich Sorgen, dass ein im Nationalsozialismus üblicher Sprachgebrauch nun erneut Einzug in bestimmte Kreise halte: "Was die AfD heute macht, das ist wie aus dem Lehrbuch meines Vaters. Genau diese scheinheiligen Sätze, die man nicht gleich per Gesetz verbieten kann." Dass das so hingenommen wird, beunruhigt ihn: "Wir wissen, wohin mangelnde Zivilcourage führen kann, nämlich bis in die Gasöfen von Auschwitz. Und was machen wir? Wir bewegen uns wieder in diese Richtung der absoluten Empathielosigkeit."

Um dieser Empathielosigkeit entgegenzuwirken, geht Frank als Zeitzeuge und eben als Sohn eines Nazi-Verbrechers auch in Schulen, liest dort aus seinen Büchern und spricht mit den Schülern und Schülerinnen. "Es gab bis jetzt noch keine Schule, wo nicht eine unglaublich interessierte und interessante Diskussion kam." Seine Botschaft am Ende dieser Diskussionen: "Redet gegen alle an, die diesen widerlichen Dreck zum Beispiel gegen die Flüchtlinge sagen."

(mah)

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