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Interview | Beitrag vom 12.11.2018

Autor Haslinger über den Umgang mit Geflüchteten"Wir dürfen den Populisten nicht das Feld überlassen"

Moderation: Julius Stucke

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Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger (dpa / picture-alliance / Jens Wolf)
Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger (dpa / picture-alliance / Jens Wolf)

"6 Degrees" ist eine kanadische Initiative, die sich intensiv mit Zuwanderung beschäftigt. Auf ihrer Tagung in Berlin saß auch der Autor Josef Haslinger auf dem Podium. Und er redet lieber von "Inklusion" statt von "Integration".

Der österreichische Autor Josef Haslinger spricht bewusst nicht von "Integration", sondern von "Inklusion", wenn es um Menschen geht,  die aus politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Gründen Asyl in Europa suchen und bleiben wollen. Vorbildhaft findet er dabei Kanada, wo es ein extra Ministerium für Migration, Immigration und Staatsbürgerschaft gebe: 

"Das ist eine Begriffsschärfung, die ich von den Kanadiern übernommen habe. ‚Integration‘ beinhaltet ja wieder so etwas wie eine deutsche Leitkultur. Und die Menschen haben sich gefälligst zu integrieren in eine andere Kultur. ‚Inklusion‘ heißt, dass man die Menschen nicht kulturell umformen will und ihnen auch noch ihre Religion und ihr sonstiges Verhalten nehmen will. Sondern, dass man versucht, einen Freiraum zu schaffen in der Gesellschaft, in dem dies als zusätzlicher kultureller Ausdruck auch möglich ist."

Fängt man einen Kampf an, der nur schlecht ausgehen kann?

Das alles sei längst Realität, betonte Haslinger im Deutschlandfunk Kultur. Die Frage sei nur: "Nimmt man diese Realität zur Kenntnis und versucht man das Beste für die Gesamtgesellschaft daraus zu machen? Oder fängt man einen Kampf an, der für beide Teile der Bevölkerung eigentlich nur schlecht ausgehen kann?"

"6 Degrees", eine Initiative des Institute for Canadian Citizenship, nimmt diese Realität zur Kenntnis und fördert die globale Auseinandersetzung mit dem Thema Staatsbürgerschaft und Inklusion. Alljährlich findet in Toronto eine intensive dreitägige Veranstaltung zur Gesellschaft der Zukunft statt sowie eine Reihe eintägiger Zusammenkünfte an anderen Orten in Kanada und der ganzen Welt. 

Aufnahmebereitschaft kann man lernen

Am heutigen Montag fand nun erstmals eine "6 Degrees"-Tagung in Berlin statt – mit Gesprächen und Aktionen zu den Themen Immigration und Flüchtlinge, Zuwanderung und Zugehörigkeit und darüber, wie die Aufnahmebereitschaft von Gesellschaften kultivieren kann. Neben Josef Haslinger saßen zahlreiche renommierte Künstler und Wissenschaftler wie der chinesische Künstler Ai Weiwei, der Autor Bernhard Schlink oder die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan auf dem Podium.

Mittelfristig solle diese Tagung zu einem Forum der gegenseitigen Unterstützung ausgebaut werden, sagte Haslinger. Gemeinsam werde überlegt und erarbeitet, was konkret getan werden müsse, um den Menschen die diffuse Angst vor dem Fremden zu nehmen. "Wir dürfen den Populisten nicht das Feld überlassen."

(mkn)

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