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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 06.02.2020

Automatisiertes KochenPasta vom Roboter-Küchenchef

Von Martina Weber

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Bild vom Kochroboter DaVinic (DaVinci Kitchen / Andreas Lander)
Das Komplizierteste ist das Umrühren: Der Kochroboter bei der Arbeit. (DaVinci Kitchen / Andreas Lander)

Ein Leipziger Start-up hat einen Roboter umfunktioniert für die massentaugliche Küche. In wenigen Minuten bereitet dieser aus einem Pool an Rezepten Pasta-Gerichte. Wird Kochen also bald überflüssig?

Mittags, ein Uhr, in einem Büro in Leipzigs Innenstadt: Von einer Traube hungriger Menschen umringt steht Marco Schnell vom DaVinci-Kitchen-Team vor einer Pop-up-Küche – gebaut aus Maschinen und Codes. Statt Kochlöffel halten die Gäste ihre Smartphones bereit. Hier kocht nämlich der Leichtbau-Industrieroboter Panda.

"Du siehst hier schon den gesamten Kiosk, mit dem Roboterarm in der Mitte und den Zutaten dahinter, vorne die Woks und da hinten die Pastamaschine aus der frische Pasta hergestellt wird. Und hier vorne, das ist das einzige, was du brauchst, das ist unser Tablet, wo du dir einfach dein Menü aussuchst."
 
Ich entscheide mich für die Pasta-Pilz-Sahnesoße, drücke beim Tablet auf "bestellen". Los geht es. Der Roboter setzt sich in Bewegung.

Keine scheppernden Töpfe, kein Knallen der Schubladen. Nur mit einem leisen Surren bewegt sich der Roboter mit einem Maschinenarm über das Kochfeld. Holt mit seiner übergroßen Playmobilhand das Pastasieb aus dem kochenden Wasser. Allerdings noch etwas ruckartig. Ohne die Mise-en-Place, also die gute Vorbereitung des Arbeitsplatzes mit den befüllten Behältern und den Computern im Hintergrund, wäre dieser Chefkoch aufgeschmissen.

"In der ganzen Küche sind über 15 Rechner verteilt, also 15 Computer arbeiten zusammen. Das Beispiel Nudelwasser, das wird auch von einem Computer gesteuert. Da ist ein Temperatursensor drin, der darauf achtet, dass das Nudelwasser immer zum richtigen Zeitpunkt kocht. Der Roboterarm ist letztendlich nur ein Teil dieser ganzen Küche und die große Aufgabe ist, dass alle 15 Computer untereinander kommunizieren können und alle wissen, worum es gerade geht – und wer was zu welchem Zeitpunkt machen muss."
Ein Mensch mit Tablet udn ein Kamera-Team stehen vor dem Kochroboter DaVinci. (DaVinci Kitchen / Andreas Lander)Bestellt wird per Tablet. Dann beginnt der Kochroboter mit der Zubereitung. (DaVinci Kitchen / Andreas Lander)
Fabian Freihube ist Robotik-Ingenieur und beobachtet den Kochprozess seines KI-Zöglings. Diese Art von Roboter wird bereits im Getränkebereich eingesetzt und besitzt sogenannte Gelenk-Drehmomentsensoren, die in allen sieben Achsen des Roboterarms verbaut sind. Damit dieser seinen Greifer öffnen oder schließen, sich in allen Richtungen bewegen kann und die Zutaten präzise im Kochlöffel landen, programmiert Freihube und sein Team die passenden Bewegungsabläufe, welche als Code hinterlegt sind.

"Einer der komplexesten Bewegungen, die wir haben, ist das Umrühren zurzeit, weil es eine sehr genaue Verteilung der Kraft benötigt, die man aufwendet, um den Spachtel in der Pfanne umher zu bewegen. Umrühren klang so: Okay, ich lass das Ding in einem Kreis fahren und fertig. Auch als Mensch rührt man vollkommen unterschiedlich um. Und so was dem Arm beizubringen, ist sehr schwer, aber der Roboter hat die Features, um damit klarzukommen."

Trotzdem kleckert er mit der Soße, gibt zu viel Zwiebeln in die Pfanne oder bleibt manchmal auch einfach stehen. Der Roboterkoch hat durchaus etwas Menschliches.

Werden in Restaurants bald nur noch Kochroboter arbeiten?

Könnte er Fließbandarbeiten in der Systemgastronomie dauerhaft ersetzen? Wenn der Roboterkoch planmäßig Ende dieses Jahres auf den Markt kommt, soll er etwa drei Jahresgehälter eines Kochs kosten. Dafür kann die KI 24/7 arbeiten, also drei Mal so viel an Arbeitsleistung erbringen. Mit einer prophezeiten Lebensdauer von drei bis fünf Jahren. Für die Gastronomie als chronisch unterbezahlte Branche wäre das wohl keine Kosteneinsparung, aber ein Garant für ein immer gleiches Koch-Ergebnis.

"Uns gefällt aber nicht der Gedanke, dass irgendwann mal zehn Roboterarme nebeneinander stehen werden und dann im Gleichtakt quasi dir Essen zubereiten werden. Das ist schon fast ein bisschen erschreckend. Uns gefällt eigentlich der Gedanke, dass ein Kiosk für sich alleine steht, dann lieber an verschiedensten Orten der Stadt, wo dann jeder vor seiner Haustür alle 500 Meter oder einen Kilometer so einen Pastaroboter hat, als jetzt eine ganze Batterie da hinzustellen, weil: Das geht schon in die industrielle Fertigung und das ist nicht unsere Absicht. Wir wollen tatsächlich mit dem Kiosk, die Art wie wir ihn fertigen, wie das Design sein wird, auch was haben, wo man hingucken kann, wo man gerne hingeht, wo man die Frische der Zutaten erkennt und wo man letztendlich auch den Kochprozess bewundert."

Ob Buletten-Wender Flippy in Kalifornien, der Roboter-Asia-Imbiss AI Wok in Düsseldorf – automatisierte und standardisierte Küchen werden immer populärer. Womöglich sind wir nicht mehr weit davon entfernt, dass selbstlernende Maschinen auch eine Art Kreativität entwickeln und eigene Rezepte kreieren, wie der IBM-Koch-Bot Watson. Aber auch wenn ein Roboterkoch eines Tages ein Gericht schneller, besser und kostengünstiger zubereiten kann als ein Mensch, fällt dadurch etwas Essenzielles weg: das sinnliche und soziale Erlebnis des Kochens.

Genauso gut wie selbst gemacht?

Der Roboter wackelt mit der Pfanne. Das fertige Gericht landet auf den Teller. Die Pasta ist schön weich. Allerdings: Es fehlt Salz - und die Zwiebeln sind ein bisschen zu roh.

"Ist schon vergleichbar mit Selbstgemachtem", meint ein anderer Testesser. "Und nicht zu vergleichen ist natürlich, dass ich keinen Aufwand damit hatte." Bis zu zehn Euro wären einige der Umstehenden bereit, für die Roboterpasta zu zahlen. Wenn sie denn komplett frisch ist.

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