"Ausverkauf der Handschriften wäre Ausverkauf des Kulturstaats"

"Stundenbuch des Markgrafen Christoph I.von Baden" von 1490 aus der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek. © AP
29.09.2006
Die Leiterin der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek, Claudia Fabian, hat den geplanten Verkauf von mittelalterlichen Handschriften im Wert von 70 Millionen Euro aus dem Bestand der Badischen Landesbibliothek scharf kritisiert.
Im Deutschlandradio Kultur sagte sie, "dreist, skandalös und Vandalismus, das sind alles Begriffe, die hier passen." Die Handschriftenexpertin wies darauf hin, dass noch nicht alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft seien, um diese Pläne zu verhindern. Auch müsse der öffentliche Protest gehört werden: "Wir leben schließlich in einer Demokratie und in einem Kulturstaat. Ein Ausverkauf der Handschriften wäre ein Ausverkauf des Kulturstaats."

Fabian forderte, für einen möglichen Ankauf der Handschriften nach Kooperationspartnern zu suchen. Dies sei eine "nationale Aufgabe."

Außerdem müssten die Besitzverhältnisse geklärt werden. Sollten sich die Schriften im Besitz des Markgrafenhauses Baden befinden, dann könnten sie in die Liste des "bedeutsamen deutschen Kulturgutes" eingetragen werden. Dies würde zumindest den Verkauf ins Ausland erschweren. "Wenn sie aber dem Land gehören, dann steht eine solche Veräußerung gar nicht zur Debatte."

Sie können das völlständige Gespräch mit Claudia Fabian für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören.