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Fazit | Beitrag vom 07.04.2019

Ausstellung über Modedesignerin Mary QuantRevolutionäre Mode für emanzipierte Frauen

Von Christine Heuer

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Exponate in der Ausstellung "Mary Quant" im Victoria & Albert Museum in London. (V&A Press Office)
Die Mode von Mary Quant ist Teil der englischen DNA. Sie hat Spuren im Alltag hinterlassen – und in der Welt der Schönen, Reichen und Berühmten ihrer Zeit. (V&A Press Office)

Das Londoner Victoria & Albert Museum widmet der legendären Modedesignerin Mary Quant eine Retrospektive. Die Ausstellung zeigt die Jahre zwischen 1955 und 1975, als Quant die Mode revolutionierte und einen völlig neuen Look für Frauen erschuf.

Mary Quant hat den Minirock nicht erfunden, aber sie hat ihn hoffähig gemacht. In ihrer Boutique Bazaar war das, in der King's Road in Chelsea, in den frühen 60er-Jahren. Die Swinging Sixties hatten noch gar nicht begonnen. Mary Quant bereitete ihnen in der Mode den Weg.

Als sie 1955 ihre Boutique eröffnete, war die Lebensmittelrationierung gerade erst aufgehoben worden. Es war eine graue, triste Zeit, erinnert sich Quants frühere Pressesprecherin Heather Tilbury an die Nachkriegsjahre in London: "Junge Frauen zogen sich an wie ihre Mütter: Twinset und Perlen. Einengende Röcke und hohe Absätze. Die sie ausschlossen von jeder Art von Ausgelassenheit oder Freiheit."

Der Minirock gab ein Gefühl der Freiheit

Heather Tilbury ist selbstverständlich im Quant-Kleid zur Eröffnung der Ausstellung im Victoria & Albert Museum gekommen. Sie freut sich sichtlich, ihre Chefin und deren Werk zu feiern. In den Glasvitrinen um sie herum Schaufensterpuppen in Quant-Entwürfen: Mini, Maxi, Hosen, Strumpfhosen, Regenmäntel, Schuhe, Schlafanzüge, Unterwäsche - alles, was Frau so braucht. Die verschiedensten Stoffe und Muster, bunte Farben: alles kombinierbar mit etwas Mut. Der Quant-Stil in 120 Kleidungsstücken plus Accessoires, Kosmetik und Schnittbögen.  

Exponate in der Ausstellung "Mary Quant" im Victoria & albert Museum in London. (matrix / imago-images)Mary Quant wollte Mode bezahlbar machen, sagte ihre frühere Pressesprecherin Heather Tilbury bei der Ausstellungseröffnung in London. (matrix / imago-images)

Und wie war das jetzt gleich mit dem Minirock? Heather Tilbury: "Sie hatte tolle Beine. Und sie hat ihre Röcke kürzer und kürzer getragen. Ihre Kundinnen kamen in den Laden und sagten, wir wollen die Säume höher tragen, wir wollen unsere Röcke kürzer. Und das war toll für die jungen Frauen. Es war viel bequemer. Man konnte damit rennen, hüpfen, auf den Bus aufspringen - sie gaben ein Gefühl von Freiheit."

Bezahlbare Mode abseits der Haute Couture

Mary Quants Geschmack trifft den Zeitgeist perfekt. Und sie ist eine gute Verkäuferin. Während sie in Paris Haute Couture für die lucky few machen, verkauft die englische Designerin ihre Mode schon bald auch über Kaufhäuser und Kataloge. Sogar Schnittbögen kann man erwerben und Quant-Modelle selber nähen. Tilbury: "Sie wusste, dass Haute Couture für Normalsterbliche nicht möglich ist. Sie wollte Mode bezahlbar machen, damit die Leute Kleidung kaufen, zusammenstellen und so ihre Garderobe aufbauen konnten."

Exponate in der Ausstellung "Mary Quant" im Victoria & Albert Museum in London. (V&A Press Office)Quant experimentierte im Laufe der Jahre immer stärker. Sie fertigte auch Regenmäntel aus PVC. (V&A Press Office)

In den 50er-Jahren war Quants Mode weder Mini noch bunt. Im ersten Teil der Londoner Ausstellung sind frühe Entwürfe zu sehen: braun, dunkelblau, gedeckte Farben, züchtige Säume - zehn Zentimeter unterm Knie. Was schon da ist in den frühen Jahren: Trägerkleider, die bequeme A-Linie, Bubi-Kragen. Quant experimentiert immer stärker. Sie fertigt Regenmäntel aus PVC und - ebenfalls ganz neu - maßgeschneiderte Damenhosen. Die jungen Frauen der Swinging Sixties emanzipieren sich. Sie sind berufstätig. Genau wie Mary Quant.

Mary Quant als Rollenvorbild einer Generation

Tilbury: "Sie hatte einen Sohn und musste wie alle anderen vieles unter einen Hut bringen: Mann, Heim, Kinder und gleichzeitig ein selbst gewählter Beruf. Hätte sie ein besseres Vorbild sein können?"

Unter dem Hashtag #WeWantQuant haben die Kuratoren der Ausstellung die Briten letzten Sommer um Leihgaben gebeten: Quant-Kleider, Fotos und Erinnerungen. Die Reaktion war überwältigend. Im Mittelpunkt der Ausstellung sind jetzt Modelle aus privaten Kleiderschränken zu sehen und Fotos der Besitzer, wie sie sie tragen. Mary Quant ist Teil der englischen DNA. Sie hat Spuren im Alltag hinterlassen. Und in der Welt der Schönen, Reichen und Berühmten ihrer Zeit.

Mary Quant (vorn mi.) mit Models bei der Vorstellung ihrer Quant Afoot Footwear Collection am 1.8.1967 in London.  (PA Archive)Mary Quant (vorn mi.) mit Models bei der Vorstellung ihrer "Quant Afoot Footwear Collection" am 1.8.1967 in London. (PA Archive)

Tilbury: "Als Patti Boyd George Harrison geheiratet hat, trugen sie beide Mary Quant. Cilla Black, Audrey Hepburn, Sandy Shaw - viele, viele bekannte Gesichter. Sogar Brigitte Bardot." Und natürlich Twiggy, die Mary Quants Mode auf den Laufstegen und in den Hochglanz-Magazinen vorführte wie keine zweite.

Die Mary Quant-Ausstellung ist bis zum 16. Februar 2020 im V&A London zu sehen.

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