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Fazit | Beitrag vom 22.07.2019

Ausstellung "Point of No Return"Ein Umbruch, der die Kunst erschütterte

Christoph Tannert im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ausschnitt aus dem Gemälde "Große Passage" von Doris Ziegler (1989-1990, Mischtechnik auf Leinwand, 295x350cm, Privatbesitz) - zu sehen in der Ausstellung "Point of No Return" in Leipzig. (Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019)
Ausschnitt aus dem Gemälde "Große Passage" von Doris Ziegler (1989-1990, Mischtechnik auf Leinwand, 295x350cm, Privatbesitz) - zu sehen in der Ausstellung "Point of No Return" in Leipzig. (Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019)

Der Blick der ostdeutschen Kunst auf den Mauerfall und die gesellschaftlichen Folgen bekommt in Leipzig erstmals einen großen musealen Rahmen. In der Ausstellung "Point of No Return" gebe es viel Neues zu entdecken, sagt Kurator Christoph Tannert.

Die Ausstellung sei ein Ritt durch die ostdeutsche Kunstlandschaft von der Mitte der 70er Jahre bis über den Fall der Mauer und in die Gegenwart hinein, sagt Kurator Christoph Tannert. "Wir haben auch einige ganz junge Künstlerinnen und Künstler, die in der DDR noch Schulkinder waren aber von heute aus zurückblicken." 

Frustration und Euphorie nach dem Mauerfall

Bei dem Blick auf die Übergangsperiode nach dem Fall der Mauer habe man in der Ausstellung die Sichtweise staatstragender DDR-Künstler wie Willi Sitte oder Bernhard Heisig und die Sichtweise jüngerer Künstler, die zum Staat auf Distanz gegangen seien, nebeneinander gestellt. "Bei Willi Sitte gibt es ein Gefühl der Frustration über den Fall der Mauer, während die Jüngeren euphorisch reagieren." Dabei ließe sich beobachten, dass viele Künstler durch den Umbruch erschüttert seien und sich neu positionierten.

Ausschnitt aus dem Gemälde "Die reizende Mauer" von Wasja Götze (1988, Öl/Hartfaserplatte, 92x123cm, Privatbesitz) - zu sehen in der Ausstellung "Point of No Return" in Leipzig. (Foto: Wasja Götze, © Wasja Götze)Ausschnitt aus dem Gemälde "Die reizende Mauer" von Wasja Götze (1988, Öl/Hartfaserplatte, 92x123cm, Privatbesitz) - zu sehen in der Ausstellung "Point of No Return" in Leipzig. (Foto: Wasja Götze, © Wasja Götze)

In der Ausstellung könne man auch Werke von Künstlern sehen, die die DDR vor ihrem Ende verlassen haben. "Werke dieser Künstlerinnen und Künstler konnten nach ihrem Weggang nicht mehr ausgestellt werden. Sie waren quasi nicht mehr existent. Wir holen sie als Teil der ostdeutschen Kunstgeschichte wieder zurück, weil sie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung ostdeutscher Kunst in den 80er Jahren geleistet haben", so Tannert.

Auf Augenhöhe mit internationaler Kunst 

Bisher seien staatstragende und subkulturelle DDR-Künstler immer in getrennten Ausstellungen zu sehen gewesen. "Aber nach 30 Jahren kehrt auch bei uns als Kuratoren eine Art Altersmilde ein. Es ging uns darum zu zeigen, wie unterschiedlich die Zeit der Wende und des Umbruchs erlebt wurde und wie sich die Künstlerinnen und Künstler sich jeweils pro und contra dazu verhalten haben." 

Ausschnitt aus dem Gemälde "Zungenabschneider" von Trak Wendisch (1988, Mischtechnik auf Leinwand, 130x130cm,Privatbesitz) - zu sehen in der Ausstellung Point of No Return" in Leipzig. (Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019)Ausschnitt aus dem Gemälde "Zungenabschneider" von Trak Wendisch (1988, Mischtechnik auf Leinwand, 130x130cm, Privatbesitz) - zu sehen in der Ausstellung Point of No Return" in Leipzig. (Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019)

Für Menschen, die DDR-Kunst gar nicht kennen, werde die Ausstellung Neuland sein. "Für diejenigen, die sich einigermaßen damit auskennen, bleiben immer noch 70 bis 80 Prozent an unbekannten Werken zu entdecken. Da wird sehr viel über ostdeutsche Befindlichkeiten gesagt, aber das in einer Sprache, die auf Augenhöhe steht mit internationalen Strömungen."

Point of No Return
Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst
Museum der bildenden Künste Leipzig
23. Juli bis 3. November 2019

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