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Fazit | Beitrag vom 30.05.2021

Ausstellung in der Stevenson Galerie in KapstadtSüdafrikas Kunstszene probt neue Wege

Von Leonie March

Die Künstlerin Khanyisile Mawhayi poträtiert in ihrem Werk "Embraced between a rock and a hard place" sich selbst. Sie verwendet dafür das fotografische Verfahren der Cyanotypie (Blaupause), mit Hilfe von Eisensalzen und Wasser wird so ein Negativ erstellt, welches blau schimmert. (Stevenson Gallery / Khanyisile Mawhayi)
Die Künstlerin Khanyisile Mawhayi poträtiert in ihrem Werk "Embraced between a rock and a hard place" sich selbst. Sie verwendet das fotografische Verfahren der Cyanotypie (Blaupause). (Stevenson Gallery / Khanyisile Mawhayi)

Mit „Stage“ präsentiert die renommierte Stevenson Galerie in Kapstadt junge Künstlerinnen. Denn die hatten während der Pandemie besonders schwere Startbedingungen. Die Ausstellungsmacher erhoffen sich Impulse für Südafrikas Kunstszene.

Khanyisile Mawhayi sitzt zwischen den Stühlen: buchstäblich auf einer ihrer Fotografien und im übertragenen Sinn. Als Kunstabsolventin, die nun nach Wegen sucht, sich als professionelle Künstlerin zu etablieren. Und als junge Südafrikanerin auf der Suche nach ihrer kulturellen Identität: Ihre Mutter gehört der Zulu-Bevölkerungsmehrheit an, ihr Vater der Tsonga-Minderheit.

"Die Stühle symbolisieren meine Eltern. Es ist, als würde ich mit ihnen ein Gespräch führen", sagt Mawhayi, "Eines, das ich nie führen konnte." Ihr Vater sei gestorben und für ihre Mutter sei dieses Thema "mit zu viel Schmerz verbunden".

Der Vater habe in der ländlichen Heimatprovinz Limpopo eine Familie gehabt. "Wir waren seine Familie in der Großstadt." Damit seien natürlich Spannungen und Konflikte verbunden gewesen. "Als Folge habe ich kein so enges Verhältnis zur Tsonga-Kultur, wie ich es mir wünschen würde."

Khanyisile Mawhayi hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater, der verstorben ist. Er spielt unter anderem eine zentrale Rolle in den Fotografien von Khanyisile Mawhayi, die sie als Blaupause (Cyanotypie) produziert hat. (Stevenson Gallery / Khanyisile Mawhayi)Khanyisile Mawhayi hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater, der verstorben ist. Er spielt eine zentrale Rolle in ihren Fotografien. (Stevenson Gallery / Khanyisile Mawhayi)

"Ambivalent Blueprint" hat die 23-Jährige die Serie über ihre ambivalente kulturelle Identität genannt, die sie mittels der historischen fotografischen Blaupause-Technik auf Papier gebannt hat. Die kleinformatigen Werke hängen im Ausstellungsraum der renommierten Stevenson Galerie in Kapstadt, gleichwertig zu Bildern und Skulpturen etablierter Künstler.

Das Monopol der großen Namen

Im Innenhof sitzt Sinazo Chiya in der Sonne, sie ist eine der Direktorinnen der Galerie. Unter dem Eindruck der Pandemie hat sie diese neue Ausstellungsreihe für junge Künstlerinnen mitkonzipiert. "Stage" heißt sie, in Anlehnung an die unterschiedlichen Stufen des Lockdowns, diese besondere Phase in der Geschichte und den Begriff einer Bühne, auf der sich die Künstler präsentieren können.

"Es ist ein Ausdruck unseres Wunsches, das Umfeld, in dem wir arbeiten, stärker als zuvor zu würdigen und einzubeziehen", sagt Chiya. So habe Stevenson bereits während des Lockdowns jungen Künstlerinnen und Künstlern, die von keiner Galerie repräsentiert gewesen seien, eine virtuelle Plattform geboten.

Galerien hätten einen enormen Einfluss "in unserem Ökosystem" und die großen Namen der Szene eine Art Monopol, erklärt Chiya. Dabei seien sie nur ein Teil eines vielfältigeren Netzwerks: "Uns geht es darum, einen Austausch und Dialog anzuregen. Es gibt so viele begabte Künstler, die wir nicht alle unter Vertrag nehmen können, deren Arbeit oder Ideen deshalb jedoch nicht weniger wert sind."

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Jungen Künstlern und Künstlerinnen, die frisch von der Kunsthochschule kommen, fehle es an Ausstellungsräumen, an Möglichkeiten, zu experimentieren und zu lernen, wie die Kunstwelt funktioniere, betont auch Khanyisile Mawhayi. Deshalb sei auch der Blick hinter die Kulissen der "Bühne" wichtig, den ihr die Stevenson Galerie bietet.

Die Bedeutung von Vernetzung und Inklusion

Die Ausstellung sei für Mawhayi ein großer Schritt am Anfang ihrer Karriere: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal bei Stevenson ausstellen würde. Und ich habe so viel gelernt: Über wichtige Arbeitsabläufe in der Kunstwelt, über die wir im Studium nichts erfahren."

Zum Beispiel habe sie gelernt, wie sie mit einer Galerie über Prozente und Kommissionen verhandele. Außerdem habe die Galerie sie mit Fachleuten vernetzt, die ihr gezeigt hätten, wie sie ihre Blaupausen verbessern kann.

Ein Schwarz-Weiß-Porträt der südafrikanischen Künstlerin und Fotografin Khanyisile Mawhayi. (Lesole Tauatswala )Ein Schwarz-Weiß-Porträt der südafrikanischen Künstlerin und Fotografin Khanyisile Mawhayi. (Lesole Tauatswala )

Fachliche Unterstützung, ein kleines Budget, die Zusammenarbeit mit einer international tätigen Galerie – für Mawhayi ist das eine einmalige Chance. Sie ist bereits zu mehreren Gruppenausstellungen eingeladen.

Das freut auch Sinazo Chiya. Schon in der Vergangenheit hat ihre Galerie Projekte mit jungen Künstlern ins Leben gerufen, doch die Bedeutung einer engeren Vernetzung, einer inklusiveren Kunstwelt sei ihrem Team durch die Pandemie noch klarer geworden.

Eine achtsamere Kunstszene

"Wir hoffen alle, dass die Art, wie wir die Dinge angehen, etwas bedachtsamer und mitfühlender geworden ist", sagt Chiya, "Bei dieser Pandemie geht es ja auch darum, dass alle ihren Teil zum Wohl der gesamten Gesellschaft beitragen". Weil die Kunstszene erlebt habe, wie einige Künstlerinnen und Institutionen gelitten hätten, würden alle wieder mehr aufeinander achten.

"Hoffentlich bedeutet das, dass wir auch in Zukunft mehr teilen. Statt miteinander zu konkurrieren und in alte destruktive Muster zurückzufallen, sollten wir neue Wege für die Zusammenarbeit finden." Sie hofft, dass "Stage" andere Galerien zu ähnlichen Projekten inspirieren könne.

Virtuell wird bereits mit neuen Ideen experimentiert, etwa mit Kooperationen mehrerer Galerien oder digitalen Plattformen, auch für noch unbekanntere Künstler. Mit diesen "Bühnen" öffnet sich die südafrikanische Kunstwelt auch für ein neues Publikum.

Info: Die Ausstellung "Stage" ist bis zum 26. Juni 2021 in der Stevenson Gallery in Kapstadt zu sehen.

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