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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.09.2018

Ausstellung im Museum Europäischer Kultur Warum wir von Hochzeit träumen

Ute Frevert im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Links schwarze Hose, schwarze Schuhe, rechts der untere Teil eines weißen Kleides. Darunter grüne Wiese. (Unsplash / Gianni Scognamiglio)
Viele Paare setzen die allergrößten Erwartungen in ihren Hochzeitstag. (Unsplash / Gianni Scognamiglio)

Der Hochzeitstag ist für viele Paare der wichtigste Tag im Leben. Eine Ausstellung in Berlin beleuchtet die Bedeutung des ehelichen Bundes durch die Jahrhunderte. Historikerin Ute Frevert sagt, durch die Ehe für alle stehe die Hochzeitsfeier wieder hoch im Kurs.

Hochzeit – der große Traum und für viele Paare der wichtigste Augenblick im Leben. Das Museum Europäischer Kultur in Berlin zeigt in seiner Ausstellung "Hochzeitsträume", wie dieser Traum von Zweisamkeit in den verschiedenen Kulturkreisen aussieht und vor allem: was sich durch die Jahrhunderte geändert hat.

Für viele immer noch der Traum schlechthin

Die Historikerin Ute Frevert, Spezialistin auf dem Gebiet "Geschichte der Gefühle" am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, hat die Ausstellungsmacher beraten. Warum ist die Hochzeit für viele Menschen immer noch der Traum schlechthin? Frevert sagt:

"Offenbar sehnen sich fast alle nach einer Zweisamkeit, auf die man sich verlassen kann, nach einem Partner, dem man absolut vertrauen kann. Den man vielleicht nicht besitzen, aber doch für sich haben möchte und mit dem man in eine besondere, auch rechtlich eingehegte Beziehung treten möchte." Dieses Bedürfnis nach Glück sei offenbar so massiv, dass manche Menschen immer wieder neu suchten und neu heirateten – auch wenn es zuvor schief gegangen sei.

Ute Frevert, Direktorin des Forschungsbereiches „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. (imago / Hans Scherhaufer)Ute Frevert, Direktorin des Forschungsbereiches „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. (imago / Hans Scherhaufer)

Die Berliner Ausstellung zeigt, dass Ehe mitnichten immer mit Liebe verknüpft war – dass vielmehr die Vernunft- oder arrangierte Ehe die Regel war und die reine Liebesheirat eine Errungenschaft erst unserer modernen Zeit ist. Trotzdem gebe es auch heute – neben den Zwangsehen in bestimmten Kulturkreisen – noch Vernunftehen, sagt Frevert.

Gleich und gleich gesellt sich immer noch gerne

"Es gibt immer noch eine Endogamie." Das bedeute, dass Menschen andere Menschen heiraten, die ihnen nahe seien – in sozialer, finanzieller oder auch religiöser Hinsicht. Man suche sich in der Regel keine Menschen aus, die einem ein Buch mit sieben Siegeln seien. "Es kommt Mist zu Mist – wie man so schön sagt."

Zu dem Phänomen, dass Menschen die allergrößten Erwartungen in diesen einen Tag setzen – und wenn dieser dann daneben geht bereits die erste große Ehekrise heraufdämmern sehen, sagt Frevert, die meisten Paare wollten, dass dieser Tag herausrage und ihre Einzigartigkeit als Paar widerspiegele. Deshalb müsse jedes Detail stimme. "Und jede kleine Änderung ist dann eine Katastrophe."

Die Segnungen von Kirche und Staat für alle

Interessant sei auch, dass Hochzeiten beziehungsweise Hochzeitsfeiern wieder hoch im Kurs stünden, seit es offiziell die Ehe für alle, also auch für homosexuelle Paare, gebe.

Sie erlebe, "dass gerade die, die von den Segnungen einerseits der Kirche, aber auch des Staates ausgeschlossen werden sollten, mit einer ungeheuren Macht und Energie und Leidenschaft dafür gekämpft haben, auch diese Segnungen zu genießen." (mkn)

"Hochzeitsträume", Ausstellung im Museum Europäischer Kulturen in Berlin, 28.September 2018 bis 28.Juli 2019.

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