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Fazit | Beitrag vom 16.02.2021

Ausstellung "Europa auf Kur"Nach der Krankheit bleibt die Kultur

Daniel Hess im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Schwarzweiß Foto eines Sanatoriums vor einem sehr farbigen Berg-Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner. (Germanisches National Museum/Kirchner Museum/Medizinmuseum Davos Davos/)
Davos als "Salon Europa": Lungensanatorium vor einem Bild von Ernst Ludwig Kirchner. (Germanisches National Museum/Kirchner Museum/Medizinmuseum Davos Davos/)

Wer vor mehr als hundert Jahren von einer Lungenkrankheit befallen wurde, reiste zur Liegekur nach Davos. Das hatte kulturelle Auswirkungen, wie eine Ausstellung in Nürnberg zeigt. Und bringt Erkenntnisse, die auch heute hilfreich sind.

"Davos ist ein Who's who der europäischen Kulturgeschichte", sagt Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Ob Ernst Ludwig Kirchner, Albert Einstein oder Thomas Mann, sie alle haben Verbindungen zu dem Luftkurort in der Schweiz, in dem sich Anfang des letzten Jahrhunderts die Tuberkulosekranken heilen ließen.

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Am berühmtesten ist wohl der Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann, der in einem Sanatorium in Davos spielt. Mann kannte den Ort gut, seine Frau Katja war dort wegen einer Lungenkrankheit zur Liegekur.

Die Inszenierung der Illusion

Es würden sich alle Facetten der Kultur in diesem "Salon Europa" spiegeln, sagt Hess. Die Ausstellung "Europa auf Kur. Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos" blickt aus ganzheitlicher Perspektive auf das Thema: "Die eben nicht die Kunst, die Literatur, den Sport separiert, sondern zeigt, das gehörte ursprünglich zusammen." Um das zu illustrieren, werden Objekte wie das Grammophon von Ernst Ludwig Kirchner oder Notizbücher von Thomas Mann gezeigt.

Ein Museum sei nicht nur Forschung und Wissenschaft, betont Hess, sondern auch Inszenierung: "Wir haben die Zauberberge durch einen Frankfurter Bühnenmaler auf die Wände malen lassen. Das ist eine schöne Illusion."

Am Ende bleibt Kultur

In einer anderen Installation wird einer der typischen Davoser Liegestühle mit einem Sportbob kontrastiert: "Der eine zerdehnt die Zeit, man weiß nicht, ob er die Krankheit überlebt, beim anderen geht es um eine maximale Beschleunigung im Eiskanal."

Die Coronapandemie habe der Ausstellung zu einer zusätzlichen Dimension verholfen, meint Hess: "Was übrig geblieben ist vom Kurort Davos, von der Krise, ist Kultur. Das ist eine Botschaft für heute: ein Brückenschlag von der Krise zur Kultur."

(beb)

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