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Interview | Beitrag vom 28.10.2020

Ausstellung "Der erschöpfte Mann"Was Zinedine Zidane mit Laokoon verbindet

Juri Steiner im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Bild der Laokoon-Gruppe, die Laokoon und seine Söhne im Todeskampf zeigt. (Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Skulpturhalle)
Einst schockierenden für das Publikum: Die Laokoon-Gruppe ist die bedeutendste Darstellung des Todeskampfs Laokoons und seiner Söhne in der bildenden Kunst. (Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Skulpturhalle)

Mut, Kraft, Stärke: Männliche Helden sind in Kunstwerken oft idealisiert worden. Eine Ausstellung in Zürich zeigt nun, dass es den "erschöpften Mann" nicht erst seit heute gibt. Kurator Juri Steiner erklärt Rollenbilder.

Helden, Götter, Schöpfer: An diese Darstellung von Männlichkeit war das Publikum in der Antike gewöhnt. Umso schockierter reagierte es auf die Marmorplastik des Apollon, die diesem heldenhaften Bild nicht entsprach. Diese ist jetzt Ausgangspunkt der Ausstellung "Der erschöpfte Mann" im Landesmuseum Zürich.

Kurator Juri Steiner erklärt die Bedeutung der Skulptur: Zum ersten Mal habe man einen Mann gesehen, der "nicht gottgleich-stoisch war, sondern am Ende seiner Kräfte". 

Eine Statue zeigt den Kopfstoß von Zinedine Zidane gegen Marco Materazzi (imago / Milestone Media)An den Kopfstoß von Zinedine Zidane gegen Marco Materazzi im Finale der Fußball-WM 2006 erinnert eine Statue. Zidane erhielt wegen des Vergehens die 15. Rote Karte seiner Karriere. (imago / Milestone Media)

Nicht gerade stoisch verhält sich oft auch der "Fußballgott" Zinedine Zidane. Zwischen ihm und Laokoon liegen "2.500 Jahre von Männlichkeit", wie Steiner sagt. "Wir befinden uns auf gleichem Terrain wie die antiken Mythen."

Zidane sei der hochmütige, schön spielende Fußballstar, der sich allerdings nicht immer an die Regeln halte. Im Finale der Fußball-WM 2006 habe er sich selbst mit dem schnellen, harten, aggressiven Kopfstoß gegen Marco Materazzi aus dem Spiel genommen und sei "aus der Kontrolle und aus der Rolle" gefallen.

Womit Steiner bei einem möglichen Missverständnis ist: Nicht der Mann an und für sich sei erschöpft, sondern "verschiedenste Rollenbilder in Tausenden von Jahren unserer Kulturgeschichte haben sich erschöpft". Es biete sich "ein offenes Feld für Neuschöpfungen".

(bth)

Die Ausstellung "Der erschöpfte Mann" im Landesmuseum Zürich ist noch bis 10. Januar 2021 zu sehen.

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