Seit 00:05 Uhr Das Blaue Sofa
Sonntag, 24.10.2021
 
Seit 00:05 Uhr Das Blaue Sofa

Interview / Archiv | Beitrag vom 06.10.2014

Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr"Strukturen aus den 50er-Jahren"

Ex-Wehrbeauftragter Reinhold Robbe: Die Truppe ist überfordert

Vier "Eurofighter" sind am 23.08.2014 beim Tag der Offenen Tür des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" im Formationsflug über dem Bundeswehrflugplatz Rostock-Laage unterwegs.  (picture-alliance / dpa / Bernd Wüstneck)
Pleiten, Pech und Pannen: Auch der Eurofighter sorgte wiederholt für Ärger (picture-alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Wer ist verantwortlich für das Chaos bei der Bundeswehr? Der ehemalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe klagt über eine hoffnungslos veraltete Bürokratie. Ministerin Ursula von der Leyen rät er zu einem radikalen Umbau der Wehrverwaltung.

Der ehemalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe hat dafür plädiert, die Verwaltung der Bundeswehr völlig neu zu strukturieren. Im Deutschlandradio Kultur sagte Robbe vor dem Hintergrund der Ausrüstungsmängel bei der deutschen Armee, die Struktur der Bundeswehr sei "total veraltet", sie stamme noch aus den 50er-Jahren. Insbesondere in der Wehrverwaltung seien große Beharrungskräfte zu finden, die wollten, dass sich nichts ändert.

Verteidigungsministerin von Ursula der Leyen (CDU) müsse es gelingen, diese Struktur aufzubrechen und dafür sorgen, "dass es eine vernünftige Hierarchie gibt, wo eine stringente, durchgehende Kommunikationsstruktur endlich Platz greift - wie in jedem modernen Betrieb, wie in jedem großen Konzern", sagte Robbe. "Wenn sie es anpackt, und wenn sie die richtigen grundsätzlichen Entscheidungen jetzt trifft, dann hat sie die große Chance, als eine Ministerin in die Geschichte einzugehen, auf die man noch lange positiv zurückblicken wird."

Die Bundeswehr ist überfordert und nicht ausgelegt für sieben oder acht parallele Einsätze

Zu dem von von der Leyen vorgelegten Prüfbericht zu Rüstungsprojekten bei der Armee sagte Robbe, aus diesem müssten jetzt die richtigen Schlüsse gezogen werden. Dann könne er sich vorstellen, dass danach auch der richtige Weg beschritten werde. "Aber meine große Befürchtung ist (...), dass leider auch derartige Erkenntnisse, die wir heute bekommen haben, zerredet werden."

Die Bundeswehr hält Robbe derzeit für überfordert. Sie sei ausgelegt für drei parallel laufende Einsätze mittlerer Größe. "Und wir haben es derzeit mit sieben, acht, neun parallel laufenden Einsätzen zu tun." Die Soldatinnen und Soldaten könnten nicht noch weiter belastet werden, sagte Robbe.

Mehr zum Thema:

Rüstungsgutachten - Gutachter bescheinigen Bundeswehr massive Probleme
(Deutschlandfunk, Aktuell, 06.10.2014)

Rudolf Scharping - "Die Bundeswehr ist seit 1990 unterfinanziert"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 06.10.2014)

Bundeswehr - "Von der Leyen könnte Teil des Problems werden"
(Deutschlandfunk, Interview, 06.10.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Saudi-ArabienKlimafreundlicher mit Ölförderung?
Ein saudischer Mann schaut durch ein Flugzeugfenster, durch das eine Ölraffinerie zu sehen ist. (AFP / Giuseppe Cacace)

Saudi-Arabien verdient viel Geld mit dem Erdölexport. Dennoch will es unabhängiger vom Öl werden. Eine Wende in der Klimapolitik? Es gehe eher um wirtschaftliche und politische Motive, sagt der Energie-Experte Tobias Zumbrägel von der NGO Carpo.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur