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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 17.05.2016

AusbildungBankkaufmann - ein aussterbender Beruf?

Von Ludger Fittkau

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(picture alliance / dpa)
Der klassische Bankkaufmann, der jeden Tag seine Kunden am Kassenschalter von Angesicht zu Angesicht betreut, stirbt zwar nicht vollständig aus – doch seine Bedeutung in der Finanzbranche nimmt ab. (picture alliance / dpa)

Immer weniger Menschen beginnen eine Ausbildung zum Bankkaufmann: Weil in Zeiten von Online-Banking und Banking-Apps weniger Bankkaufleute gebraucht werden. Aber auch, weil im Bankengewerbe ohne Studium nicht mehr viel läuft.

Christopher Steinacker sieht so aus, wie man sich einen angehenden Bankkaufmann vorstellt: Anzug und Krawatte, ein offener Blick. Nach dem Abitur 2010 leistete er Zivildienst – danach begann er bei der Commerzbank in Frankfurt am Main seine Banklehre. Jetzt geht die Ausbildung dem Ende zu. Von der Bankenkrise wenige Jahre zuvor ließ sich Christopher Steinacker nicht abschrecken:

"Eigentlich überhaupt nicht. Weil ich der Meinung bin, dass Krisen in jedem Bereich des Lebens dazu gehören. Also auch im Arbeitsbereich kann es durchaus der Branche, in der man arbeitet, mal schlecht gehen. Das sollte aber nicht den Beruf beeinflussen. Denn ich glaube nicht, dass es sich dauerhaft so zieht, dass es dann heißt, durch Krisen: Bankkaufmann, das ist ein Beruf, der vielleicht nicht mehr so angesehen ist. Ich bin in meinem Freundeskreis dafür, dass ich es mache, sehr angesehen und ich bin auch stolz, das ausüben zu dürfen."

"Seit zwei, drei Jahren sind die Azubizahlen rückläufig"

Dennoch sinkt die Zahl derjenigen in den letzten Jahren stetig, die in der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main eine klassische Banklehre aufnehmen. Das bekommt man auch an der örtlichen School of Finance and Management deutlich zu spüren. Die private Wirtschaftsuniversität führt im Auftrag der Frankfurter Geldinstitute seit Jahren Seminare für angehende Bankleute durch. Klaus Beinke ist an der Uni Direktor im Weiterbildungsbereich:

"In Spitzenjahren hatten wir hier um die 4500 Azubis, die sich zum Bankkaufmann haben ausbilden lassen und die wir in Ergänzung zum innerbetrieblichen Unterricht auch begleitet haben. Seit zwei, drei Jahren mindestens sind die Ausbildungszahlen branchenweit rückläufig."

Der klassische Bankkaufmann, der jeden Tag seine Kunden am Kassenschalter von Angesicht zu Angesicht betreut, stirbt zwar nicht vollständig aus – doch seine Bedeutung in der Finanzbranche nimmt ab. Das spürt auch der Auszubildende Christopher Steinacker, obwohl er zurzeit gerade an der Kasse einer Filiale ausgebildet wird, wo er viel Kundenkontakt hat. Doch die Fragen zum Online-Banking häufen sich auch am Bankschalter:

"Es ist schon wichtig, dass man immer up to date ist, gerade was die Online-Banking-Instrumente angeht. Das gehört auch zur Ausbildung in meiner Filiale, das bekomme ich beigebracht. Und da achte ich dann auch sehr drauf, das ich immer auf dem neusten Stand bin über das, was wir gerade anbieten. Über das, was die Kunden fragen könnten. Damit ich eben im Rahmen der Digitalisierung dem Kunden behilflich sein kann."

Digitalisierung und Akademisierung bedrohen den Beruf

Klaus Beinke von der Frankfurt School of Finance and Management bestätigt diese konkrete Erfahrung des Auszubildenden mit der steigenden Nachfrage nach Online-Banking und digitalen Finanzangeboten. "Retailgeschäft" – mit diesem Begriff bezeichnet die Branche das Geschäft mit standardisierten Anlage-Angeboten. Das wird zunehmend auch mit Hilfe von Smartphone-Apps über das Internet abgewickelt, so Klaus Beinke:

"Selbst bei der Auswahl der Azubis spielt inzwischen die Medienaffinität eine zunehmende Rolle. Auch bei den Auswahlverfahren in den Banken. Ich hatte gerade letzte Woche noch mit einem Bankenvertreter einer Großbank gesprochen, der eben sagte: Wir haben unser Auswahlverfahren komplett angepasst und legen eben sehr viel Wert auf digitale Affinität bei unseren Azubis. Weil das auch im Rahmen unseres Retailgeschäfts, der Videoberatung mehr und mehr an Bedeutung gewinnt."

Neben der Digitalisierung der Bankgeschäfte wirkt sich ein zweiter Trend auf die klassische Ausbildung zum Bankkaufmann aus: die zunehmende Akademisierung des Bankengewerbes. Die Banken benötigen für Teilbereiche ihres Geschäftes mehr und mehr Mitarbeiter mit Jura-Examen oder Betriebswirtschaftsstudium. Ausbildungsinstitutionen wie die Frankfurt School of Finance stellen sich darauf ein. Weiterbildungschef Klaus Beinke:

"Folglich bieten wir auch eine Durchlässigkeit von der berufsbegleitenden Weiterbildung hin zu akademischen Programmen. Sodass wir auch einen Bachelor of Arts diesen Personen anbieten können."

Videokonferenz statt Face-to-Face-Kontakt

Ein Weiterbildungsangebot, das auch für den Commerzbank-Azubi Christopher Steinacker künftig interessant werden könnte – irgendwann nach dem Ende der Banklehre:

"Für mich war es ganz klar, dass ich erstmal die Ausbildung machen möchte. Ich möchte mir selbst einen Grundstein legen, um meine Karriere zu machen. Aber es kommt auch in Betracht, durchaus nochmal zu studieren. Es kommt aber ganz darauf an, was ich in der Zukunft noch machen möchte. Es gibt unglaublich viele Weiterbildungsmöglichkeiten, für die in manchen Bereichen ein Studium vonnöten ist, sodass ich ein Studium nicht ausschließe. Aber ich habe nie gesagt: Ich muss und ich möchte jetzt sofort studieren." 

"Fintecs" – das ist ein weiteres Stichwort, das den Wandel in der Banken-Branche kennzeichnet. Auch Fintec-Unternehmen treiben die Änderungen des Berufsfeldes voran, in dessen Zentrum früher die Banklehre stand. An der Frankfurt School of Finance wird jetzt der erste Bachelor-Studiengang angeboten, der sich auf Fintecs und Digitalisierung spezialisiert hat. Klaus Beinke glaubt, dass Bankkaufleute in zehn oder fünfzehn Jahren kaum noch direkten Kundenkontakt am Bankschalter haben werden:

"Direkt 'face to face', so wie wir uns jetzt gegenübersitzen, dann wahrscheinlich kaum noch. Aber man ist genauso sichtbar, weil über Videokonferenzen ein ähnliches Umfeld geschaffen wird."

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